In ihren Büroräumen in der Oberen Stadt verpacken Adrian Schu­berth (27) und Daniel Leitmannstetter (26) Vitaminpräparate und andere Nahrungsergänzungsmittel in Kartons und versenden sie in den gesamten deutschsprachigen Raum. Vor allem in Großstädten wie Berlin und München sitzen die Kunden, die bei "Napode" bestellen. Gegründet hat Schuberth den Online-Shop im Juni 2020. Statt Verkaufsregalen gibt es eine Website www.napode.de.

"Napode kommt aus dem Spanischen und steht für: Natura-por-dentro, zu deutsch: Natur von Innen heraus", erklärt Schuberth. Im Sortiment enthalten sind beispielsweise die Vitamine D und B12, Mineralien wie Magnesium und Kalzium oder Traubenkernextrakt als pflanzliches Antioxidans. Im Verlauf des vergangenen Jahres sind die Verkäufe immer weiter gestiegen. Das Interesse an Nahrungsergänzungsmitteln scheint groß, wird ihnen doch ein positiver Effekt in Sachen Gesundheit nachgesagt.

Vitamin-D-Mangel im Winter

Das kann Schuberth nur bestätigen. Bereits während des Osteopathie-Studiums in München befasste er sich mit der Wirkung der Zusätze. Damals habe er selbst unter einer chronischen Hauterkrankung gelitten, die einen schlimmen Verlauf zeigte. "Von der Schulmedizin war ich sehr enttäuscht. Die Ärzte konnten mir nur Kortison geben", berichtet er. Schließlich habe er sich selbst kuriert, durch einen gesunden Lebenswandel, Meditation sowie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, allen voran Vitamin D, das in der Haut durch Sonnenlicht produziert wird.

Als Schuberth später in einer Lehrpraxis in Berlin arbeitete, riet er auch seinen Patienten zur Einnahme von Vitamin D und sah, dass sich viele Beschwerden lindern ließen. "Deutschland ist ein Vitamin-D-Mangel-Land", erklärt er. Hierzulande sei die Sonne von September bis März definitiv zu schwach, so dass der Körper nicht genug von dem dringend benötigten Vitamin herstellen könne.

Nun stellt sich die Frage, ob es in einem entwickelten Land wie Deutschland, in dem Obst und Gemüse das ganze Jahr über verfügbar sind, Sinn macht, Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Professor Stephan Clemens, Gründungsdekan der Fakultät für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit der Universität Bayreuth am Außenstandort in Kulmbach, erklärt: "Eine gesunde Ernährung ist durch nichts zu ersetzen."

Wer sich zu einseitig ernähre, könne seine Defizite auch durch Nahrungsmittelzusätze nicht ausgleichen. Wie groß der Effekt ist, den zusätzlich eingenommene Vitamine, Spurenelemente oder Mineralstoffe auf die Gesundheit haben, ist Clemens zufolge noch nicht eindeutig geklärt: "Es fehlen harte Daten aus klinischen Studien mit einer ausreichenden Anzahl an Probanden und statistisch zuverlässigen Ergebnissen." Aber: "Es wird viel geforscht, es ist viel in Bewegung." Denn Vitamine und andere Supplementierungen seien derzeit in der Wissenschaft ein großes Thema.

Erwiesen sei es beispielsweise, dass ältere Menschen häufiger unter Mangelerscheinungen leiden und dass die Gabe von Folsäure in der Schwangerschaft positive Effekte habe. Auch Zink sei ein etabliertes Präparat, das Clemens selbst bereits seit zwei Jahren in einer Dosis von fünf Milligramm pro Tag einnimmt. "Ich hatte seither keine Erkältung mehr", bestätigt er.

Häufig eine Glaubensfrage

Die Effekte von Nahrungsmittelzusätzen seien häufig eine Glaubensfrage, denn sie sind weniger eindeutig als die von Impfstoffen. Dennoch sei es hierzulande auch kein Schaden solche Mittel einzunehmen, "solange man sich an die Dosierungsempfehlungen auf den Packungen hält", so der Wissenschaftler. Auch für die Herstellung gebe es in der EU klare Regeln.

Clemens zufolge muss man unterscheiden zwischen Nahrungsergänzungen, bei denen die Zusammensetzung klar definiert ist, und solchen, die aus einem Gemisch zahlreicher, teils unbekannter Stoffe bestehen, wie es bei Pflanzenextrakten der Fall ist, beispielsweise beim Traubenkernextrakt. Der gilt als potentes Antioxidans.

Den enthaltenen Pflanzenstoffen, sogenannten Oligomere Proanthocyanidine (OPCs) wird nachgesagt, dass sie freie Radikale binden und so Krankheiten vorbeugen und sogar den Alterungseffekt aufhalten. "Bei Pflanzenextrakten ist es schwierig, eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen", so Clemens.

Osteopath und Napode-Geschäftsführer, Adrian Schuberth, hingegen schwört auf die gesundheitlichen Wirkungen, die die pflanzlichen OPCs im Traubenkernextrakt haben. Die Hersteller seiner Präparate habe er selbst nach hohen Qualitätskriterien ausgesucht. "Unsere Produkte werden größtenteils in Deutschland hergestellt. Nur wo es nicht anders geht, beziehen wir aus dem Ausland." In Öl gelöstes Vitamin D komme aus der Schweiz, der Traubenkernextrakt aus Frankreich. Der natürliche Ursprung der Stoffe sei Schuberth wichtig. Daher wird das Vitamin C aus der Acerola-Kirsche gewonnen, Vitamin D aus dem Fett von Schafwolle extrahiert, und Magnesium und Kalzium stammen aus der Sango Koralle, die in China in Kulturen angebaut wird.

Nachhaltigkeit liegt dem Napode-Gründer am Herzen. Deshalb verwendet er für die Supplementierungen vegane Kapselhüllen und Glasbehälter anstatt Plastikgefäße. Die Präparate bei Napode sind teurer als die aus dem Drogeriemarkt. Schuberth zufolge sind sie aber auch ergiebiger. "Im Vitamin D-Präparat sind 1750 Tropfen enthalten, damit kann man die ganze Familie versorgen."

Extrakt aus Hanfpflanze

Seit kurzem hat Napode auch einen weiteren Pflanzenextrakt im Sortiment, das Cannabidiol (CBD). Es wird aus den Blättern und Blüten von Hanfpflanzen extrahiert. Es hat keinen berauschenden Effekt und ist nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. November 2020 nicht als Suchtstoff eingestuft. In der EU ist es daher frei ohne Rezept erhältlich. Es soll gegen zahlreiche Krankheiten helfen, angefangen bei chronischen Schmerzen und Entzündungen bis hin zu Epilepsie, Krebs oder multipler Sklerose. Handfeste Studien, die die Wirkung belegen, gibt es allerdings nicht.

"Zunächst wollten wir CBD gar nicht in unser Sortiment aufnehmen. Wir dachten, es macht unsere Reputation kaputt, denn Produkte aus Cannabis sind in den Köpfen der Menschen mit illegalen Substanzen verknüpft", erklärt Schuberth. Doch habe er vor allem bei älteren Menschen gute Effekte beobachtet und sich daher dafür entschieden, auch CBD anzubieten. Immerhin stammt der Extrakt auch aus der Region, nämlich aus Wallenfels im Frankenwald. Mehr Informationen auf www.frankenwaldhanf.de.