Wenn, wie Pfarrer Michael Bergner sagt, "die Elite der bayerischen Orgelmusik" in der Schlosskirche zusammenkommt, dann ist das schon ein Zeichen. Die Probleme der wertvollen Herbst-Orgel im Itzgrund sind nicht nur ein Fall für die nicht mal 500 Mitglieder starke evangelische Kirchengemeinde. "Wir haben in Bayern viele schöne Orgeln. Aber diese hier hat eine fast unvergleichliche Position, eine nationale Bedeutung", sagt Professor Wolfgang Döberlein, der Rektor der Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth.

Es ist der Sound, der die Lahmer Orgel ausmacht. Und der wiederum könnte sogar in direkter Verbindung mit dem großen Johann Sebastian Bach stehen. Denn dessen Großneffe, Johann Lorenz Bach, wirkte viele Jahre als Musiker in Lahm und hat den Klang der Orgel geprägt. Dunkel klingt sie. "Mit einem Bass, der von unten kommt", versucht es Ulrich Knörr so zu beschrieben, dass es auch der Laie versteht. Und da das genau "Bachs Bass" ist, kann es sich der Landeskirchenmusikdirektor gut vorstellen, dass der große Johann Sebastian den Bau der Orgel beratend mit unterstützt hat.

Aber vom Super-Sound ist nicht mehr viel übrig. Harald Ritzensteiger, der als Organist der Kirchengemeinde Sonntag für Sonntag am Instrument sitzt, schaut ein bisschen geknickt hoch auf seinen Stammplatz. Dann erzählt er: "Die Orgel funktioniert nicht mehr wie sie sollte." Selbst bei eher einfachen Gottesdienst-Liedern tut sich Ritzensteiger schwer; Konzerte mit hochkarätigen Musikern haben in Lahm - nicht nur coronabedingt - ohnehin schon lange nicht mehr stattgefunden.

Wohlgemerkt: Die Herbst-Orgel (benannt nach ihren Erbauern, der mitteldeutschen Orgelbauerfamilie) hat jetzt nicht irgendwie Totalschaden erlitten. Auf den Automobil-Begriff des "großen Kundendiensts" einigt sich das Orgelmusiker-Quartett, um die Sache dem Laien verständlich zu machen. Und Wolfgang Döberlein schiebt hinterher: "Durch den TÜV würde sie in ihrem jetzigen Zustand nicht mehr kommen." Aber um mal zu wissen, was gemacht werden muss, ist die Expertise einer Fachfirma gefragt. Da gibt es nicht viele davon, billig arbeiten sie nicht - deshalb werden sich unter anderem die Kirchenverwaltungsstelle des Dekanats Michelau (da gehört Lahm dazu), die Denkmalschutzbehörden und die Landeskirche zusammensetzen müssen. Schnell! Da ist man sich in der kalten Kirche einig.

Dass die Orgel ein Problem hat, liegt Pfarrer Michael Bergner mit einem fünf Jahre alten Gutachten schriftlich vor. Seitdem hat sich der Zustand des Instruments nicht verbessert, weiß Dekanatskantor Klaus Bormann: "Das liegt an den schwierigen klimatischen Bedingungen hier." Das kann Pfarrer Bergner bestätigen, in dem er auf Stellen an der Orgel verweist, an denen sich schon Schimmel gebildet hat. Deshalb drängt er: "So wie sie jetzt ist, können wir die Orgel nicht mehr lange lassen." Harald Ritzensteiger sorgt sich gar, dass die finanzielle klamme Kirchengemeinde schon bald hinten runter fällt, wenn sich nichts tut. "Ich habe Angst, dass wir mit unseren Bemühungen auf dem Abstellgleis landen", sagt der Organist. So ganz unrecht hat er da nicht, wie Michael Bergners Blick auf die Finanzen zeigt. Demnach hat die Lahmer Kirchengemeinde in den vergangenen Jahren rund 60 000 Euro Eigenmittel für verschiedene Gutachten ausgegeben. Jetzt ist das Budget erschöpft. Ideelle Unterstützung bekommen die Lahmer deshalb von Dorothea Greiner, der Bayreuther Regionalbischöfin. Sie lobt das Engagement der Lahmer, weiß aber auch: "Die Renovierung des Instruments übersteigt ihre Möglichkeiten. Hier müssen viele Akteure zusammenhelfen."

Wenn nicht 2021, wann denn dann?

Als Zeitpunkt, die Orgelrenovierung in Angriff zu nehmen, schreit es regelrecht nach dem kommenden Jahr. "Die Orgel ist 2021 Instrument des Jahres", berichtet Ulrich Knörr. Zum Teil des Weltkulturerbes zählt das Instrument eh schon lange. Andererseits sind sich die Kirchenmusiker einig, dass die Orgel in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit ein bisschen schwächelt. Viele Pfarrer setzen in ihren Gottesdiensten auf Popularmusik und dazugehörige Instrumente. Michael Bergner würde bedauern, wenn er das verstärkt tun müsste: "Wir wissen, was wir für einen Schatz hier haben." Solche Sätze findet Wolfgang Döberlein natürlich gut: "Die Orgel hat im Gottesdienst ihre spezielle Wirkung. Deshalb sollten wir sie und uns nicht kleiner machen als wir sind." Im Klartext: Schauen, dass in einer gemeinsamen Anstrengung die Lahmer Herbst-Orgel das bleibt, was sie immer noch ist: die vermutlich kostbarste Orgel mitteldeutscher Prägung im europäischen Kulturraum.