"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" - das wusste schon Erich Kästner. Es gibt aber Menschen, für die es nicht nur ein Spruch ist, sondern die danach leben - zum Beispiel in Marktgraitz. Der Verein heißt "Wanitha Wani" (Stimme für Frauen) und ist seit 25 Jahren ein Beispiel für wirksames Engagement zugunsten der Ärmsten auf der Welt. Weil Beten allein nicht immer hilft, nicht den Magen füllt oder für eine gute Schulbildung oder Krankenpflege sorgt. "Der Einsatz für die Armen ist keine bloße Option, sondern eine Notwendigkeit für authentischen Glauben", schreibt Papst Franziskus in seiner Botschaft zum "Welttag der Armen", der nun begangen wurde. Das Motto lautete: "Streck den Armen deine Hand entgegen", ein Wort aus dem Alten Testament.

Seit 25 Jahren streckt der Verein seine Hand nach Südindien aus. Das Coronavirus trifft die Menschen dort im Moment zusätzlich besonders stark. "Auch wir in Deutschland leiden unter persönlichen Einschränkungen, haben womöglich Existenzängste", weiß der Vereinsvorstand um Marlies Butterhof. "Doch um wie viel mehr kämpfen die Armen?", fragt sie vor dem Hintergrund der Nachrichten, die aus Indien nach Franken gelangen.

Eine Verbindung, die nun bereits 25 Jahre besteht. Reverend Samson Badugu aus Südindien absolvierte 1987 einen Deutschkurs in der Burg Feuerstein. Seine Kenntnisse erprobte er in verschiedenen Pfarreien des Erzbistums Bamberg. Nach dem Studium war er für drei Jahre als Pfarradministrator in Marktgraitz tätig. 1995 wollte Badugu zurück in seine Heimatdiözese Kadapa im Bundesstaat Andhra Pradesh: "Wir wollen den Kreislauf der Armut mit einer guten Schul-, Weiter- und Berufsausbildung für Mädchen der niederen Kaste (sozialer Stand in Indien) durchbrechen!" lautete seine Absicht, als er vor seiner Rückkehr mit einigen Männern und Frauen aus seinen Wirkungsorten den Verein "Wanitha Wani" gründete.

Bald fand der Verein viele Mitglieder aus Marktgraitz, Bamberg, Rattelsdorf, Nürnberg usw. Erstaunliche Spendensummen des ohne Verwaltungskosten arbeitenden Vereins flossen in den vergangenen 25 Jahren in die Diözese Kadapa. So konnten Projekte gefördert werden wie die Bezahlung von Schuluniformen, Lehrmaterial, Essen sowie Studiengebühren für 1000 Schülerinnen. Oder die Ausbildung von 300 jungen Frauen zu Schneiderinnen, die sich damit in ihren Dörfern eine Existenzgrundlage schaffen konnten. Oder der Kauf von 10 Wasserbüffelkühen für die Ernährung von Familien, die den Überschuss an Milch für die Grundsicherung ihres Lebens verwenden.

"Wanitha Wani" ist mit knapp 60 Mitgliedern zwar nur ein kleiner Verein, der nach eigenen Worten lediglich "ein Tropfen auf den heißen Stein" sein kann. Aber für die betroffenen Menschen erweist sich dieser Tropfen als überlebensnotwendig, wie ein Rückblick auf diese 25 Jahre zeigt, weiß die Schatzmeisterin, die aus Marktgraitz stammende Marika Jakob.

Seit 2016 arbeitet "Wanitha Wani" mit der Nichtregierungsorganisation "Raids" (Rural Action In Development Society) zusammen. Diese sorgt für Aids-Aufklärung und kämpft gegen die Frühverheiratung von zwölfjährigen Mädchen. Junge Frauen, die sich prostituieren müssen, werden von der Straße zurückgeführt in eine sogenannte Brückenschule, in der ihnen auch mit medizinischer und psychotherapeutischer Hilfe zur Seite gestanden wird. Vieles mehr an tatkräftiger Hilfe für Mädchen und Frauen geht auf "Wanitha Wani" zurück.

"Die Hilferufe nehmen kein Ende, unser Netz der Hilfe und Solidarität aber auch nicht", konnte man bei der Hauptversammlung vom Vorstand hören. In diesem Jahr ist es Ziel des Vereins, Gelder für den Kauf und die Verteilung von Frischgemüse oder zur Beschaffung von Mundschutz und Desinfektionsmitteln zur Verfügung zu stellen. Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich per E-Mail an Marika Jakob oder Agnes Beier wenden: marikajakob@aol.com. Roland Dietz