Ein älterer Herr lässt sich eine Leberkäs-Semmel auf dem Parkplatz schmecken, während seine Frau noch eben ein paar Einkäufe erledigt. Es ist Mittagszeit, doch in der Kronacher Real-Filiale herrscht reger Betrieb. Einmal hin, alles drin - so lautet die Devise. Doch wie lange noch?

Über die Zukunft der 272 Standorte hüllt sich der neue Eigentümer, die russische SCP-Investorengruppe, bislang in Schweigen. Fest steht jedoch bereits: Die Real-Märkte, wie sie die Kunden seit Jahrzehnten kennen, wird es in naher Zukunft nicht mehr geben. Ein Großteil der Filialen soll an die Lebensmittelunternehmen Kaufland und Edeka verkauft werden, ein paar wenige - vorerst für zwei Jahre - weiterbetrieben werden. Was danach kommt? Ungewiss. Bereits bei der Vertragsunterzeichnung im Frühjahr machte die SCP-Gruppe keinen Hehl daraus, dass wohl Dutzende Real-Märkte mangels Perspektive geschlossen werden. Doch was wird aus dem Kronacher Real?

Jemand, der es eigentlich wissen müsste, ist Geschäftsleiter Manfred Schäff. Doch: "Wir haben bis heute keine offizielle Mitteilung von Real bekommen, wie es weitergeht", teilt er auf FT-Anfrage mit. "Alles, was wir wissen, haben wir aus der Presse erfahren." Wird der Kronacher Standort geschlossen? Wird er zu Kaufland oder einem E-Center? "Wir wüssten auch gerne, wie und wann es weitergeht."

Bis Schäff und seine 80 Mitarbeiter Antworten auf ihre existenziellen Fragen bekommen, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen, wie eine Anfrage bei der Real GmbH vermuten lässt. "Wir haben uns bis jetzt nicht dazu geäußert und ich glaube nicht, dass wir nach der Finalisierung in den kommenden Tagen irgendwelche Vertragsdetails herausgeben werden", stellt Real-Pressesprecher Markus Jablonski klar. Schriftliche und telefonische Anfragen bei der SCP-Gruppe blieben bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Kaufland oder Edeka?

Das Schicksal des Kronacher Real-Marktes bewegt auch die Kunden, wie eine Umfrage auf der Facebook-Seite des Fränkischen Tags zeigt. Die Kommentare sind eindeutig: Ein Supermarkt in der Weißenbrunner Straße soll in jedem Fall erhalten bleiben. "In Kronach fehlt definitiv ein Edeka oder E-Center", findet Julia Wiedemann - und erhält große Zustimmung. "Ich vermisse in Kronach den E-Center", pflichtet ihr Karin Fugmann bei. Das sieht auch Florian Tenner so: "So ein E-Center wie in Coburg wäre klasse."

Doch genauso viele Kronacher würden sich über eine Kaufland-Filiale freuen: "Ich wäre für Kaufland, da es günstiger und das Angebot schöner ist", argumentiert Katja Block. Rolf Emmerling schreibt: "Kaufland wäre klasse, nachdem die Filiale in Kulmbach zu und Naila doch etwas weit ist." Alexandra Waletko bringt ihre Sicht auf den Punkt: "Kaufland wäre perfekt."

Unter den Kommentaren finden sich auch alternative Ideen für den Real-Standort: "Ein Indoor Spielplatz wäre mal von Vorteil", regt zum Beispiel Nadine Scharf an. Sylvia Häberer hat die gleiche Idee: "Einkaufen kann man an jeder Ecke. Nur für Kids gibts nichts!" Auch Oliver Weber könnte die Einkaufsmöglichkeit in der Weißenbrunner Straße entbehren: "Falls geschlossen wird: Umbauen zu Wohnraum für künftige Studenten. Ich brauch ihn (Supermarkt) nicht, es gibt genug andere in Kronach und Umgebung." Thomas Stoecker könnte sich dort sogar eine neue Stadthalle vorstellen - "optimal mit Parkplätzen vor der Tür."

Bei all den Gedankenspielen zeigen sich die Kronacher auch solidarisch mit den Real-Mitarbeitern. "Was rein kommt, ist mir egal. Ich hoffe nur, dass alle Mitarbeiter übernommen werden", merkt Peter Freudenberg an - und spricht den Betroffenen aus der Seele.