Als die Bilder des brennenden Grenfell Towers in London vor rund drei Wochen um die Welt gingen, kam die Frage auf: Wie kann es sein, dass ein massiv gebautes Hochhaus in einem solchen Ausmaß Feuer fangen kann? Das Gebäude stand lichterloh in Flammen, mindestens 80 Menschen starben in dem Inferno, das Gebäude brannte über fast alle 24 Stockwerke aus. Die Ermittler fanden heraus, dass die Fassadendämmung des Gebäudes maßgeblich zur großflächigen Ausbreitung des Feuers beigetragen hat.
Das wirft die Frage auf: Wie gut sind Gebäude hierzulande gegen eine solche Katastrophe geschützt? Solche Hochhäuser wie in London gibt es im Kreis Haßberge keine, aber Gebäude mit vielen Bewohnern und hohem Publikumsverkehr sind etwa Seniorenheime. In Hinblick auf die oft eingeschränkte Mobilität einiger Bewohner müssen hier besondere Vorkehrungen getroffen werden, um im Notfall gut reagieren zu können. Beim Besuch des neuen Seniorenheims der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Knetzgau zeigt sich gleich auf den ersten Blick: Hier wird viel für den Brandschutz getan.


Gute Gesamtübersicht

Nicht anders ist es in anderen Einrichtungen; das Caritas Alten- und Pflegeheim St. Bruno in Haßfurt etwa wird seit 2014 grundlegend im laufenden Betrieb saniert. Ein Hauptgrund für den aufwendigen Umbau ist die Verbesserung des Brandschutzes. In neueren Seniorenheimen stechen vor allem weitläufige Flure und eine gute Gesamtübersicht hervor: Fluchtwegepläne hängen in den Fluren aus, Schilder weißen auf Fluchtwege und Sammelpunkte hin, Feuerlöscher und Rauchmelder sind in geringen Abständen installiert. Darüber hinaus gibt es einige Vorkehrungen, die im Ernstfall dafür sorgen, dass ein Feuer effektiv bekämpft werden kann.
Gleich vorweg: Ein Brandbild "wie in London, das kann nicht passieren", sagt Hans-Jürgen Grünewald. Der Hausmeister des Knetzgauer Awo-Heims und die stellvertretende Heimleiterin Annika Kuhbandner haben dem Fränkischen Tag die Brandschutzvorrichtungen in dem 2016 in Betrieb genommenen Neubau gezeigt. Die Außenfassade ist laut Grünewald eine "massive Wand", Materialien wie Styropor oder andere brennbare Dämmstoffe sind darin nicht verbaut. Und auch im Innenbereich wird einem Feuer möglichst wenig Angriffsfläche angeboten: Möbel und Einrichtungsgegenstände in den Gängen und Räumen sind aus schwer entflammbaren Materialen hergestellt.
Nichtsdestotrotz kann es natürlich zum Brand kommen, aber falls das geschieht, sorgen verschiedene Vorkehrungen für bessere Chancen, das Feuer zu bekämpfen, wie Kuhbandner erklärt: Zum Beispiel wird die Feuerwehr automatisch alarmiert, sobald die Rauchmelder auslösen. Brandschutztüren schließen dann selbstständig, so dass die fünf Wohn- und Aufenthaltsbereiche in dem zweistöckigen Gebäude voneinander isoliert sind. So kann sich ein Feuer nicht so schnell ausbreiten. Das bedeutet übrigens nicht, dass die Türen verriegeln, erklärt Grünewald: Händisch lassen sie sich weiterhin öffnen (schließen dann aber wieder automatisch), so dass Personen weiterhin in die andere Bereiche gelangen können. Heimbewohner, die stark bewegungseingeschränkt oder gar bettlägerig sind, können über die weiten Gänge und die zwei breiten Treppenhäuser hinausgebracht werden. Mitarbeiter müssen laut Kuhbandner regelmäßig an Schulungen teilnehmen, um die Abläufe im Falle eines Brandes zu kennen. Die gesamte Technik der Brandschutzanlage wird zudem laut Grünewald zum Teil monatlich (Türen), zum Teil vierteljährig (Brandmeldeanlage) auf ihre Funktion getestet.


In sichere Bereiche

Im Caritas-Heim Sankt Bruno in Haßfurt ist das Konzept nahezu identisch. Wie die Caritas-Geschäftsführerin Anke Schäflein erklärt, hat man die derzeit laufende Sanierung des Seniorenheims an der Promenade gerade in Hinblick auf den Brandschutz forciert: "Wir haben darauf gedrängt", sagt Schäflein. Das U-förmig angelegte Gebäude wurde nun zum Ring geschlossen, damit alle Bereiche durchgehend miteinander verbunden sind. So können Bewohner, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, im Notfall schneller in sichere Bereiche gebracht werden. Auch die Caritas-Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, was den Brandschutz betrifft.
Wie sind die behördlichen Vorgaben bei Gebäuden? Wie die Pressesprecherin des Landratsamtes, Monika Göhr, erklärt, gelten für "jede Gebäudeklasse andere Anforderungen", hinzu kämen noch Sondervorschriften etwa im Industriebau oder für Versammlungsstätten. Wie schaut es mit der Verwendung von Dämmmaterialien an der Außenfassade aus? "Bei uns ist der Brandschutz von Außenwandbekleidungen im Artikel 26 der Bayerischen Bauordnung geregelt", erklärt Göhr. "Vereinfacht kann man sagen: Bei Einfamilienhäusern gibt es gar keine Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer der Fassaden, sehr wenige für Gebäude bis zu einer Höhe des obersten Geschossfußbodens von sieben Metern über Gelände." Bei diesen Gebäuden seien für die Auswahl des Fassadensystems ausschließlich der Bauherr und seine beauftragten Fachleute zuständig, "die Behörde ist außen vor".
Bei höheren Gebäuden müssen laut Göhr die Fassadenbekleidungen schwer entflammbar sein, "allerdings können bei einem Zimmerbrand diese Stoffe bei hoher Hitze, zum Beispiel bei aus einem geborstenen Fenster herausschlagenden Flammen, in Brand geraten". Deshalb seien bei Wärmedämmverbundsystemen "Brandriegel um die Öffnungen" vorgesehen beziehungsweise zur Trennung von Stockwerken. "Diese Vorschriften gelten für alle Nutzungen, auch für Schulen und Altenheime."


Feuerwehr gut gerüstet

Eine wichtige Rolle spielt auch die Feuerwehr. Wie Kreisbrandinspektor Peter Pfaff aus Zeil erklärt, ist eine Kenntnis der Zufahrtswege und der Gebäudestruktur von Vorteil, weshalb die örtlichen Feuerwehren mit Einrichtungen wie Schulen und Seniorenheimen in Kontakt stehen, um sich mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Auch Übungen werden gemacht.
Bei Bränden hilft den Feuerwehrleuten zudem eine schnelle Alarmierung und über die Jahre immer weiter verbesserte Ausrüstung: Mit Wärmebildkameras etwa können versteckte Glutnester ausfindig gemacht werden, zudem ist die Löschtechnik effektiver. Man brauche viel weniger Wasser als früher, um einen Brand in den Griff zu kriegen.