Matthias EInwag

Wer seinen Beruf 40 Jahre ausübt, der besitzt Routine und viel Know-how. "Es muss Spaß machen", sagt Wolfgang Zillig, der seit vier Jahrzehnten als Steinmetz bei der Staffelsteiner Firma Kerner arbeitet. In der Region am Obermain hat er viele handwerkliche Zeugnisse hinterlassen, die sich durch Präzision und lange Haltbarkeit auszeichnen. Nicht umsonst sagt man "das ist in Stein gemeißelt", wenn man etwas Bleibendes geschaffen hat.
Der heute 56-Jährige hatte einst als erster Lehrling bei Andreas Kerner begonnen, als die Firma noch in Uetzing ansässig war. Treppenbeläge, Bodenfliesen und Marmorbäder gehörten in den vier Jahrzehnten seiner Berufstätigkeit ebenso zum Standard wie Grabsteinbeschriftungen oder das Sanieren von Feldmartern und Kriegerdenkmalen.


In Kirche und Therme tätig

In der Staffelsteiner Obermain-Therme verlegte Wolfgang Zillig weißen Marmor, was er als "eine handwerkliche Herausforderung" bezeichnet. Mitgearbeitet hat der gebürtige Kleukheimer, der jetzt in Scheßlitz wohnt, auch beim Verlegen der Solnhofener Platten in Ebensfelds Pfarrkirche. Und auch beim Erstellen der Treppe vor dem Staffelsteiner Rathaus wirkte Wolfgang Zillig mit.
Der Alltag eines Steinmetzes besteht nicht etwa darin, kunstvolle Skulpturen zu schaffen - das machen Bildhauer. Vielmehr ist es seine Aufgabe, Gebäude im Innen- und Außenbereich handwerklich hochwertig auszugestalten. Das gilt nicht nur fürs Verlegen von Sandstein-, Marmor- oder Granitplatten, sondern auch fürs Bearbeiten von Küchenarbeitsplatten.
Am leichtesten sei Sandstein zu bearbeiten, am schwersten Granit, sagt Wolfgang Zillig. "Man muss sich für das Material interessieren", fährt er fort, dann bekomme man ein Gefühl dafür. Während früher, als er die Lehre begann, viel mehr mit der Hand gemacht worden sei, stünden heute Maschinen zur Verfügung, die schwere körperliche Arbeiten übernehmen.
Eine große Arbeitserleichterung sei zum Beispiel, dass heute ein Kranwagen zur Verfügung stehe - vor 40 Jahren musste alles mit Muskelkraft auf- und abgeladen werden. Wolfgang Zillig: "Das machten wir so wie schon die alten Römer."
In den ersten Jahren seiner Berufstätigkeit war er vor allem mit dem Beschriften von Grabsteinen betraut.
Die Schrift wurde zunächst mit dem Diamantstift auf der Oberfläche angeritzt, dann mit Klüpfel und Schrifteisen herausgemeißelt.


Granit heute beliebter als Marmor

Welcher Bodenbelag früher, welcher heute am beliebtesten ist? "Granit ist heute in verschiedenen Farben bei Bodenbelägen sehr gefragt", antwortet Wolfgang Zillig, "während vor etwa 20 Jahren noch Marmor beliebter gewesen ist." Bei Renovierungen, merkt er an, brauche ein Steinmetz nicht nur eine sichere Hand, sondern auch ein gutes Auge. Die Kunst bestehe nämlich darin, bei Ergänzungen genau die Farbnuance zu treffen, die beim Original vorliege.
Auf seine sicher große handwerkliche Routine angesprochen, antwortet Wolfgang Zillig ganz bescheiden und mit einem Lächeln: "Wenn mer's jetzt noch net kann, lernt mer's nimmer."