Johannes Schlereth Laden, Spannen und Abdrücken - nein, hier geht es nicht um eine Waffe, sondern um eine Schnupfmaschine. Dabei handelt es sich um einen Apparat aus Holz, der eine Prise Schnupftabak über Federspannung direkt in die Nasenlöcher befördert. Eine solche Maschine haben die Premicher Wandervöuchel e.V. auf all ihren Wanderungen mit im Gepäck. Dann kam Corona und ein Schreiben des Landratsamtes. Der Verein solle ein Hygienekonzept für die Schnupfmaschine einhalten.

Vier Schritte forderte die Behörde für den hemmungslosen Schnupfgenuss der Wandervöuchel: Desinfektion der Maschine vor und nach Gebrauch, Desinfektion der Hände, Abnehmen der Maske nur zum Schnupfen und die Desinfektion der einzelnen Schnupftabakbehältnisse im Turnus von zehn Minuten.

Warten auf bessere Zeiten

Für Andreas May, den stellvertretenden Vorsitzenden der Wandervöuchel, war klar: Realisierbar ist das nicht. Die Folge: Die Schnupfmaschine muss im Vereinsheim auf bessere - coronafreie - Tage warten, bis sie die Wandervöuchel wieder auf ihrer Stammroute zum Kreuzberg begleiten darf. "Es ist unmöglich jetzt zu schnupfen." Dem Verein ist es derzeit zudem nicht möglich zu wandern. Das hängt mit den geltenden Hygienevorschriften zusammen.

Doch die Wandervöuchel sind erfinderisch, was die Geselligkeit angeht. "Beim ersten Lockdown im März haben wir Online-Stammtische gemacht. Das hatten wir einmal pro Woche." Das kam bei den Mitgliedern an: "Eigentlich waren fast immer alle 13 dabei." Geplant ist, wieder auf das Internet auszuweichen, sollte der Lockdown verschärft werden.

Verein will Kultur erhalten

Der Weg zum heiligen Berg der Franken liegt den Wandervöucheln besonders am Herzen, haben sie sich doch des Erhaltes der Wander- und Trinkkultur im Rhöner Land angenommen. Als die ehemalige Geschäftsführerin des Kloster Kreuzbergs, Angelika Somaruga, Glaskrüge einführte und die Souvenir-Buden abreißen ließ, sorgte das für dicke statt klare Luft auf dem Gipfel. Natürlich hatte auch der Premicher Verein eine deutliche Meinung zu den Vorgängen auf ihrem Haus- und Hofberg. In den sozialen Medien ging ein Protest-Posting des Vereins viral. Selbst ein Radiosender klopfte daraufhin für ein Interview bei den Wandervöucheln an, um die Hintergründe der Debatte zu beleuchten. "Das Interesse an uns, unseren Argumenten und dem Verein war natürlich schon super. Wir haben damit einen Nerv getroffen. Gerade die Tonkrüge gehören ja zum Kreuzberg dazu", sagt May. Rückblickend bemängelt er, dass Somaruga - trotz Angebot des Vereins - nie das Gespräch gesucht habe. "Aber andererseits ist es positiv zu bewerten, dass wir wegen unserem Einsatz damals kein Hausverbot bekommen haben - das hätte ja sein können."

Der Gram über den Verlust der Buden sitzt bei den Wandervöucheln noch immer tief. Aber: "Wir sind ganz optimistisch, dass es mittlerweile besser voran geht." Ein deutliches Zeichen dafür sei, dass es wieder Steinkrüge auf dem Berg gebe.

Die Trinkkultur durchdringt den Verein komplett. Novizen müssen laut Satzung eine Maß Klosterbier in einem Zug trinken, um als Wandervouchel gelten zu dürfen. Ein anderer Weg in den Verein führt über regelmäßige Teilnahme bei den Wanderungen oder aber über das Erklimmen des Kreuzbergs in Sandalen - im Winter. "Bislang haben so sechs bis sieben Leute sich die Mitgliedschaft ertrunken und etwa vier sind über die regelmäßigen Wanderungen dazugekommen", sagt May.

Aufnahmerituale und Behörden

Mit den Ritualen haben sich auch die Behörden beschäftigt, als es um die Eintragung als Verein ging. "Uns wurden Bedenken mitgeteilt, dass es schwer sein könnte Mitglieder zu generieren und dass es möglicherweise bei einer Klosterstätte unangemessen wirken könnte. Aber: Es ging so durch."

Frauen gibt es in dem Rhöner Verein bislang laut May nicht. Und das, obwohl die Wandervöuchel dem weiblichen Geschlecht ein Stück weit entgegengekommen sind. "Sie müssen - wenn sie über das Trinken hinzukommen wollen - nur eine halbe Maß auf ex trinken." Der Grund für den Unterschied: "Das ist nicht ohne. Denn das Bier ist ziemlich kalt nach dem Zapfen."

Doch dem Verein aus dem Markt Burkardroth ist die Welt des Wanderns nicht genug. Sie bringen sich in die Dorfgemeinschaft ein. Zum Beispiel beim Ferienprogramm des Marktes Burkardroth, bei dem die Kinder mit den Wandervöucheln zum Geocachen - also auf Schatzsuche - gehen.

Zudem beteiligen sich die Vereinsmitglieder etwa bei Dorffesten und bei den Dorfmeisterschaften des ansässigen Schützenvereins.