Die Neumühle verkörpert ein Stück Altenkunstadter Historie. Bereits um 1300 ist sie im Urbar des Klosters Langheim als "Muenchmuehl" verzeichnet. In Kürze könnte sie auch ein Stück Zukunft verkörpern. Die Telekom möchte die Mühle, die derzeit zu einer Wohnanlage mit 20 barrierefreien Wohnungen umgebaut wird, an ihr hochmodernes Glasfasernetz anzuschließen. Die Gemeinde Altenkunstadt wiederum will die Gunst der Stunde nutzen und 19 Gebäude gleich mit an das schnelle Internet anschließen, um dann anschließend die benötigten Fasern zu verpachten. Das macht für Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther von der Firma Reuther-Net-Consulting Sinn, denn dann müsse man die Straße oder den Gehweg nicht zweimal öffnen. Die Brutto-Gesamtkosten bezifferte der Experte auf 109 000 Euro, was pro Haus eine Summe von rund 5740 Euro ergeben würde. "Da mit der Telekom und Kabel Deutschland bereits zwei Provider in Altenkunstadt vorhanden sind, die eine Geschwindigkeit von über 30 Mbit pro Sekunde ermöglichen, ist eine Förderung in den nächsten acht Jahren nicht zu erwarten", schränkte der Referent allerdings ein.


Anlieger nicht berücksichtigt

Zur Ausgangslage: Die Telekom plant in offener Bauweise auf einer Länge von 350 Metern, die Neumühle vom Telekom-Gehäuse aus unweit des Altenheimes mit einem Glasanfaseranschluss zu versorgen. Reuther erklärte, dass die Telekom Anlieger aus organisatorischen Gründen nicht berücksichtigen könne. Bei den Internetanbietern nehme die Bereitschaft zu, kommunale Netze anzumieten. "Bei der Fasermiete beträgt der Marktpreis brutto aktuell sieben bis 15 Euro", sagte Reuther. Auch das Interesse und die Zahlungsbereitschaft bei den Eigentümern und Mietern an einem Glasfaseranschluss nehme zu, so Reuther. Eine Bedarfserhebung der Eigentümer habe man in Altenkunstadt bis dato allerdings noch nicht durchgeführt. Der Eigentümer zahle die Tiefbauarbeiten auf eigenem Grund im Regelfalle selbst. "Je nach Oberfläche fallen 30 bis 100 Euro je Meter an. Hinzu kommen noch Kosten für einen Hausanschluss in Höhe von 300 bis 400 Euro, die Kernbohrung, Einführung und Anschlussbox beinhaltet", informierte der Referent die Öffentlichkeit. Der Fachmann hatte zudem darauf hingewiesen, dass die Telekom drei Monate nach Antragstellung auch ohne Zustimmung der Gemeinde bauen dürfe.
"Was ist, wenn sie davon Gebrauch macht?", fragte sich Frank Novotny von den Sozialen Bürgern, der eine mögliche Auswirkung gleich mit nannte: "Am Ende werden die Bewohner entlang der Trasse zu Straßenausbaubeiträgen verdonnert, haben aber keinen Nutzen von der Baumaßnahme." Allerdings rechnet Reuther nicht damit, dass der Provider gegen den Willen der Gemeinde baut. Stephanie Dittrich (Bündnisgrüne) und Gabriele Göring (CSU) regten an, auch Alternativtrassen, zum Beispiel über die Langheimer Straße zu prüfen, was Reuther zusicherte. Außerdem will Reuther in seinem Konzept alle Anlieger entlang einer Trasse mit berücksichtigen, damit nicht noch einmal die Straße aufgemacht werden muss.


Masterplan angemahnt

In einer der nächsten Sitzungen soll dann ein konkreter Beschluss gefasst werden. Über das aktuelle Projekt hinaus wurden Forderungen aus dem Gremium laut, sich grundsätzlich Gedanken über die zukünftige Versorgung Altenkunstadts mit Glasfaser zu machen. "Wir brauchen einen Masterplan. Schnelles Internet ist heute so wichtig wie ein gutes Wasserleitungsnetz", betonte Ulrich Leikeim von der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG).
Die zukünftigen Bewohner der Neumühle können ihre barrierefreien Wohnungen bequem mit dem Auto über das Baugebiet Weidner erreichen. Im Zuge der Umbauarbeiten wurde die Bürgermeister-Böhmer-Straße um 30 Meter verlängert. Der Gemeinderat beschloss eine Widmung.