133  000 Müll werden jährlich im Müllheizkraftwerk (MHKW) in Coburg-Neuses verbrannt. Spätestens nächstes Jahr soll auch Klärschlamm in größeren Mengen im MHKW beseitigt werden können. Im kleinen Stil geschieht das schon jetzt, sagte Werkleiter Peter Baj in der Versammlung des Zweckverband für Abfallwirtschaft Nordwest-Oberfranken (ZAW) am Dienstag. Doch dieses Jahr will der ZAW drei Millionen Euro investieren, um die Aufstreu-Anlage für den Klärschlamm wieder in Betrieb zu nehmen.

Der Grund: Bislang wird der Schlamm großenteils als Dünger auf Felder ausgebracht. Mittelfristig wird das aber nicht mehr erlaubt sein. Problem für die Gemeinden - wie entsorgen? Schon jetzt verbrennen ihn viele in anderen Anlagen - zum hohen Marktpreis von bis zu 200 Euro die Tonne, sagt Baj.

Klärschlamm ins Feuer streuen

Mit Hilfe der sogenannten Aufstreu-Anlage, könnte das MHKW in Zukunft rund 16 000 Tonnen Klärschlamm jährlich verbrennen. Aktuell sind es nur 6000 bis 7000 Tonnen, weshalb die Anlage aktuell noch stillgelegt ist. Laut Baj könnte aus den meist kleinen Kläranlagen im ZAW-Gebiet aber die passende Menge von 16 000 Tonnen Klärschlamm zusammenkommen.

Und das könnte für die Verbandsmitglieder billiger werden, als es im Moment ist. Anders als am freien Markt, liegen die Kosten für die Verbrennung einer Tonne zur Zeit bei rund 70 Euro. Wo genau der Preis in Zukunft liegen könnte, ist laut Baj aber noch unklar. Und was in etwas fernerer Zukunft mit dem Schlamm passiert, ist noch eine ganz andere Frage.

Übergangszeit bis 2032

Denn ab 2032 ändern sich die Regeln erneut. Ab dann müssen auch die kleinen Kläranlagen aus dem Schlamm das Element Phosphor heraustrennen. Der Phosphor soll dann als Dünger eingesetzt werden. Das geht zwar, sagt Baj. Aber: Dann muss der Klärschlamm alleine verbrannt werden, ohne andere Müllmasse. Dafür müsste eine weitere Verbrennungsanlage her. Aber für die Menge aus dem ZAW-Gebiet rechnet sich eine solche Anlage nicht, sagt Baj.

Eine weitere Möglichkeit: Den Klärschlamm mit Hilfe der Abwärme aus dem MHKW trocknen (er enthält sonst zu viel Wasser) und diesen woanders verbrennen. So oder so wird die Klärschlamm-Entsorgung Geld kosten. Die Bürger werden es an ihren Abwasser-Rechnungen sehen: Pauschal heiße es, dass ein Plus von 100 Euro Entsorgungskosten ein Plus von 50 Cent bei den Gebühren ausmache. Und das sei nicht alles, was in Zukunft auch Haushalte mehr Geld kosten könne...

Umsatzsteuer

Gewerbliche Entsorger müssen Umsatzsteuer zahlen, Gemeinden, die Abfall entsorgen (weil es ihre gesetzliche Aufgabe ist) nicht. Das soll sich ändern - eigentlich müsste der ZAW schon seit 1. Januar auch die Umsatzsteuer abführen. Doch der Gesetzgeber hat die Frist zur Umstellung noch einmal verlängert, bis Ende 2022. Wenn der ZAW Mehrwertsteuer erheben muss, wird sich das am Ende bei den Bürgern auf die Müllgebühren niederschlagen. Die Kosten für die Müllverbrennung machen aber nur einen Teil der Abfallgebühren aus, die jeder Haushalt zahlt.

CO2-Abgabe

Das "Brennstoffemissionshandelsgesetz" (BEHG) könnte ab 2023 auch den Müll teurer machen. Noch sei nicht sicher, ob auch Müllheizkraftwerke Zertifikate für ihren CO2-Ausstoß kaufen müssen, sagt Kathrin Tröger, zuständig für die Finanzen. Genauso wenig sei klar, ob die MHKW dabei anrechnen können, was sie durch Strom- und Fernwärme-Erzeugung an CO2 einsparen. MHKW gelten als Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen und damit als Erzeuger erneuerbarer Energie. Sollte für die MHKW jedoch eine CO2-Abgabe kommen, dann müsse man im Jahr 2023 mit 35 Euro je Tonne Abfall rechnen, sagt Peter Baj. Bei 133  000 Tonnen Müll, die jährlich in Neuses verbrannt werden, seien das rund 4,6 Millionen Euro, die dann auf die Verbrennungsgebühren umgelegt werden. Derzeit verlangt der ZAW von seinen Verbandsmitgliedern 120 Euro je angelieferter Tonne Müll. Dieser Preis würde entsprechend steigen - und 2025 seien sogar "60 bis 70 Euro pro Tonne" mehr zu erwarten als im Vergleich zu heute, sagt Baj.