Ein 37-jähriger Forchheimer wurde von Amtsrichterin Silke Schneider wegen Körperverletzung zu einer Freiheitstrafe von sechs Wochen ohne Bewährung verurteilt. Wegen des angeklagten Vorwurfs stand der Mann zum zweiten Mal vor der Richterin.
Zwar gilt der Rechtsgrundsatz, dass niemand zweimal wegen der selben Tat verurteilt werden darf; das schließt aber nicht aus, dass zweimal in erster Instanz darüber verhandelt wird. Wie hier.


Aus der Haft vorgeführt

Denn die erste Verhandlung über das Geschehen im November 2015 endete mit einer vorläufigen Einstellung. Es wäre endgültig eingestellt worden, hätte der Mann die ihm erteilten Geldauflagen erfüllt. Da er sich aber nicht darum gekümmert hatte, vielmehr durch mehrfache Umwandlungsgesuche die Ableistung nur verzögert hatte, widerrief letztlich die Richterin die vorläufige Einstellung und beraumte eine neue Hauptverhandlung an. Der Angeklagte wurde dazu aus der Haft vorgeführt. Diese Gefängnisstrafe hat aber mit dem zu verhandelnden Tatvorwurf nichts zu tun.
Auch die Geschädigte, eine 53-jährige Frau aus dem Landkreis, musste zur Verhandlung erscheinen. Ihr fiel der Auftritt sichtlich schwer. Unter Tränen bekannte sie, dass sie dadurch psychisch überfordert sei. Gleichzeitig wünschte sie aber eine gerechte Strafe für den Mann, der sie mehrfach geschlagen hatte. Das Argument der Richterin, dass das nur mit ihrer Aussage möglich wäre, und die Unterstützung durch ihren Anwalt verschafften der Frau so viel Sicherheit, doch noch das Geschehen schildern zu können. "Ja, ich habe Angst vor ihm", begründete sie ihr Verhalten.
"Was ich noch vor Augen habe", nur das könne sie berichten über den Streit mit dem Angeklagten, der eskaliert ist. Er ohrfeigte die Frau, als beide sich am Tisch gegenübersaßen, und ließ sich nicht beruhigen. Vielmehr drängte er die ausweichende Frau in eine Ecke und verpasste ihr erneut einen Schlag ins Gesicht. Haare riss er ihr vom Kopf, watschte sie nochmal ab.
Dann konnte sie mit ihrem Kind aus der Wohnung fliehen. Unter Drohungen des Manns, dass er sie und das Kind aufschlitzen wolle.
Später habe man sich wieder versöhnt und sie habe dann einen Brief ans Gericht geschrieben, dass der Vorfall so schlimm nicht gewesen sei. "Das habe ich unter Druck geschrieben", sagte die angeschlagene Frau dazu.
Da die erneute Hauptverhandlung ein ganz anderes Bild als der Brief zutage brachte, sah die Richterin den Tatvorwurf der Anklageschrift als erfüllt an. Wie der Angeklagte mit den Pflichten aus der vorläufigen Einstellung umgegangen ist, war für sie ein Kriterium, ihm keine Bewährung mehr zuzubilligen.