Die Stadt Baiersdorf besitzt ein umfangreiches Archiv, das weit in die Vergangenheit zurückreicht. Offenbar haben frühere Rats- und Verwaltungsgenerationen schon Dokumente aufbewahrt, als es noch längst keine Pflicht der Kommunen war, ein Stadtarchiv zu führen.
Das Archiv umfasst zwei Räume im Keller des Rathauses. 6000 Akten lagern dort und geschätzt eine halbe Million Einzeldokumente. Das Älteste ist die Marktordnung von 1558. Kassenbücher sind ab dem 18. Jahrhundert nahezu vollständig. Das Urkataster von 1811 haben die Altvorderen aufbewahrt, aber auch die kompletten Stadtratsakten zwischen 1932 und 1945. "Das Gedächtnis der Stadt", wie es Fachhistoriker Michael Bantele formulierte.
Für die Baiersdorfer ist es derzeit "ein Riesengeschenk und gleichzeitig eine Riesenaufgabe", meint Bürgermeister Andreas Galster (CSU). Denn Schimmel hat sich eingeschlichen. Just in dem Raum, in dem die historischen Dokumente lagern, haben sich die unliebsamen Pilze ausgebreitet. Hier ist eilends Rettung geboten. Deshalb hat die Verwaltung sich schon mit Fachfirmen in Verbindung gesetzt.
Die Brisanz ist besonders hoch, weil neben den alten Archivalien auch Neubestände lagern, auf die die Stadtbediensteten immer wieder zurückgreifen müssen. Aus Arbeitsschutzgründen besteht für sie fast ein Betretungsverbot. "Handschuhe und Mundschutz müssen sein", betonte Jens Riesner, der zweite Fachmann für Archive in der Ratssitzung. Er selbst hat sich eine Grobübersicht über das gesamte Archiv verschafft. Im Ganzkörperschutzanzug.
Für den Historiker ist der Schimmelbefall auf längere Sicht nicht das große Problem. Fachmännische Beseitigung des akuten Befalls ist leicht möglich. Verdunklung der Räume und ein Luftentfeuchter wird erneuten Befall verhindern. Riesner treibt um, dass das Archiv nicht geordnet ist.
So fand er die Marktordnung von 1558 zwischen anderen Dokumenten und ohne besonderen Schutz im Regal liegen. Dieser wilde Zustand könnte davon herrühren, dass vor etlichen Jahren ein Historiker versuchte, den Altbestand zu ordnen, diese Arbeit aber nicht vollendet wurde. Nur: Heute ist das angestrebte Ordnungssystem nicht mehr nachvollziehbar.
Bantele und Riesner zu raten einer Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen, insbesondere dem Lehrstuhl für Landesgeschichte. Studenten könnten den historischen Bestand sichten, ein elektronisches Findbuch anlegen, so Archivarbeit erlernen, aber auch selber forschen. Bantele riet zu einer Summe höher als 20 000 Euro im ersten Jahr, um die Räume zu optimieren und Archivsoftware für die Bestandserfassung anzuschaffen. Danach hätte Baiersdorf freie Hand, wie die Stadt zusammen mit den Uni-Leuten die "Aktenberge" abarbeitet. Lp