Wenn es nach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier geht, dann wird im Einzelhandel ab nächstem Sommer wieder so eingekauft werden können, wie es die Jahre vor der Verbreitung des Covid-19-Virus üblich war. Er sei zuversichtlich, erklärte der CDU-Politiker am Dienstag in Berlin, dass es möglich sei, "die Corona-Pandemie bis zur Mitte des nächsten Jahres so zu bekämpfen, dass ein normaler Geschäftsbetrieb weitgehend in vielen Bereichen wieder möglich ist." Wobei dem Minister auch klar ist, dass der Einzelhandel Probleme hat, und zwar solche, die "nicht erst mit Corona begonnen haben". Durch das Virus und seine Folgen seien sie lediglich sichtbarer geworden. Altmaier hat deshalb einen Runden Tisch mit dem Einzelhandelsverband HDE und anderen Akteuren gegründet, um Rezepte gegen das Ladensterben in den Innenstädten zu entwickeln.

Eine der Ursachen für die Verödung von Innenstädten ist die Hinwendung vieler Konsumenten zum Online-Handel. 30 Prozent Umsatz habe der dem Einzelhandel abgeknöpft, rechnete Altmaier vor.

Das andere Problem: Einkaufszentren, die auf der grünen Wiese entstehen und den Innenstädten das Publikum entziehen. Wobei dadurch nicht nur die Läden sterben, sondern auch Erlebnisräume mit Angeboten an Kultur und Gastronomie, die ebenfalls Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.

Ziel des Altmaierschen Rettungsversuchs ist es, die Innenstädte wieder attraktiver zu machen. Den Händlern vor Ort soll Mut gemacht werden, an ihrem Geschäft festzuhalten.

Die vom Minister versammelten Experten erarbeiten dazu in den nächsten Monaten entsprechende Vorschläge. Es geht dem CDU-Politiker zufolge vor allem um Ideen zu den Themenkomplexen "Innenstädte und Digitalisierung des Handels", "Kreative Neu-Nutzung leerstehender Ladengeschäfte" und sowie zur "Entwicklung von Stadteilkonzepten". Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Umgang mit der fortschreitenden Digitalisierung, wie der Minister betonte. Ergebnisse werden in ein paar Monaten erwartet.

Nicht nur den Inhabern, auch den Konsumenten soll so das Signal gegeben werden, "dass die Innenstädte ein lebendiger Ort bleiben werden", wie Altmaier erklärte. Es sei ja "keineswegs so, dass der Einzelhandel seine besten Tage hinter sich hat". Altmaiers Signal angesichts steigender Infektionszahlen: "Wir lassen die Einzelhändlerinnen und Einzelhändler auch in den nächsten Monaten der Corona-Pandemie nicht im Stich." Eine Botschaft, die bei HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gut ankam. Es gehe um das Kulturleben in den Innenstädten, erklärte er und lobte die Ankündigung der Regierung, dass die Überbrückungshilfen bis Mitte nächsten Jahres verlängert würden. Genth mahnte die Politik gleichzeitig zu Augenmaß. Es gebe "überhaupt keinen Grund, einen zweiten Lockdown zu machen", sagte er. Der Einzelhandel habe gut funktionierende Hygienekonzepte, die sich in der Praxis hervorragend bewährt hätten.