Bernhard Panzer Das Jahr 2020 hatten sich viele Vereine ganz anders vorgestellt, fast überall kam das gemeinschaftliche Leben zum Erliegen. Schuld hat der Corona-Virus. Besonders betroffen waren die Kulturschaffenden - leben sie doch allesamt vom Publikum und Applaus. Und wenn dann auch noch ein Jubiläum, nein sogar deren zwei gefeiert werden sollten - dann ist der verordnete Verzicht und das Lockdown allen künstlerischen Schaffens besonders schwer zu verkraften.

Bei der Musikinitiative Herzogenaurach (MIH) ist es so gewesen. 25 Jahre besteht die Vereinigung Herzogenauracher Musiker bereits, und das sollte gefeiert werden. Schon im Winter machten sich vor allem die "Alten" aus den ersten Stunden der MIH ihre Gedanken, wie man denn an die Öffentlichkeit gehen möchte.

Den Spöttern getrotzt

"Schaut mal Eure Fotos durch, ob ihr was habt aus der Anfangszeit", munterte Mike Amon, einer der Gründungsväter des Vereins, seine Bandkollegen auf. Es wurde daran gedacht, Fotowände aufzustellen, Erklärstücke zu geben, Zeitungsberichte zu zeigen. Denn dass aus dem losen Haufen der eher als chaotisch und unorganisiert angesehenen Rockmusiker ein derart erfolgreicher Verein werden würde, der inzwischen ein ganzes Vierteljahrhundert überdauert hat, das glaubten damals die wenigsten.

"Wir geben euch höchstens ein paar Wochen", hatte einer gespottet. Er durfte sich eines besseren belehren lassen, und schon bald zählte die MIH zu den festen Adressen in der Stadt.

Zum 25. Geburtstag wäre noch ein zweites Jubiläum hinzugekommen: zehn Jahre Musicbase-Festival. Nach den Anfängen an der Halfpipe in der Nutzung, dem so genannten U-Turn-Festival, entschloss sich die MIH, das Open Air fortan auf dem eigenen Gelände, der Music Base neben der Soli, zu veranstalten. Und seither sind diese zweieinhalb Tage ein Magnet für die Herzogenauracher Szene.

Alles stand still

Nur dieses Jahr nicht. Da stand alles still. Wenigstens haben sich seit Mitte Juni die Bestimmungen gelockert, bestimmte Verbote wurden aufgehoben. Inzwischen darf schon wieder geprobt werden, unter Auflagen. Die Bands machen davon bereits reichlich Gebrauch. Doch die großen Veranstaltungen müssen noch warten, bis tief in den Herbst hinein. Und wie es dann weiter geht, weiß auch niemand.

Freilich ist es so, dass die meisten Mitglieder der MIH nicht von ihrem Schaffen leben müssen. Die Bands setzen sich ehrenamtlich zusammen, zumeist gibt's auch kaum eine nennenswerte Gage. Ärgerlich war halt, dass man über eine längere Zeit hinweg nicht zusammen proben konnte. Und, natürlich, dass es keine Auftritte gab.

In der MIH gibt's aber auch Leute, die verdienen ihr Geld mit der Musik. Begleiten Bands auf Touren, nehmen Alben auf. Und auch um diese Kollegen machten sich die Musizierenden in der MIH Sorgen. Und nahmen gemeinsam ein Video auf. Auch um ein Zeichen zu geben, dass die Kultur wieder anlaufen müsse. Der Film sollte die Tristesse zeigen, die alle Musiker erwarten könnte, wenn die Politik nicht handelt, wurde erklärt.

Die für dieses eine Lied zusammengestellte Band nennt sich "Caraidean", als Song wählte man "Blinded by the Light". Sechs Musiker aus vier verschiedenen MIH-Bands spielten den Song ein, indem jeder daheim für sich eine, zwei oder drei Tracks des Songs aufgenommen hat. Ein Siebter hat alles in seinem Homestudio zusammengefügt und ein Lied daraus gemacht.

Mit Botschaft verknüpft

Die Teilnehmer waren Alex Bucher (Gesang). Michael Gallmetzer (Gitarre), Jürgen "Crazy" Krejsa (Gitarre, Gesang), Frank Curian (Bass), Mike Amon (Schlagzeug) und Jörg Hilse an den Keyboards. Er fehlte dann allerdings bei der Videoaufnahme. Zusammengeführt hat das Ganze Christian "bybob" Amon. Die Idee hatten Crazy und Mike.

Die Musiker verknüpfen mit ihrem Filmchen eine Botschaft und haben diese auch formuliert. Im Folgenden Auszüge daraus: "Eine leere Bühne, keine Anlage, kein Licht, kein Bühnenbild und Songs aus der Konserve. So oder so ähnlich könnte die nähere Zukunft für Musiker aussehen. Ob man die Leidenschaft des Musizierens nun als Hobby, professionell oder semiprofessionell auslebt, ist dabei völlig nebensächlich. Alle brauchen auch Licht- und Tontechnik."

Als das Lied eingespielt wurde, war freilich noch weniger als heute abzusehen, wann man denn wieder mit Auftritten rechnen dürfe. "Momentan", so schrieben die Sechs, "ist man dabei, die Branche am ausgestreckten Arm buchstäblich verhungern zu lassen. Kaum Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit, keine Studioaufnahmen seit Monaten. Dennoch gibt es keinerlei Übergangshilfen für Soloselbständige, denen auch noch zynisch angeraten wird, doch in Hartz IV zu gehen. Die kleinen Unternehmen, die diese Veranstaltungen beschallen, aufbauen und beleuchten, sind aber größtenteils Solounternehmen. Was nun? "

Aber es werde ja schließlich auch eine Zeit nach Corona geben. Wann das sein wird, wisse zwar keiner. Die Konzertbranche werde jedenfalls die Letzte sein, die wieder arbeiten darf. "Bis dahin", so fasst es die Band zusammen, "wollen wir helfen, so gut wir können." Wie anders könne man das machen als mit Musik!?

Ein erstes kleines Festival

Wenn die Zeit nach Corona es zulässt, dann wird auch das Jubiläum wieder in greifbare Nähe rücken. Denn gefeiert werden soll das auf jeden Fall, verspricht Erster Vorsitzender Thomas "Smiley" Schönfelder. Dann halt im nächsten Jahr. Erste Lichtblicke gibt's aber schon jetzt. Für den 1. August hat die MIH quasi ein "Musicbase-Festival light" im Blick. Beim so genannten "Musigggaddn" im Freien sollen zwei Bands der MIH spielen, sagt Smiley, und die Besucher sollen Decken mitbringen. So langsam läuft's also wieder an. Näheres will zu dem musikalischen Picknick will die MIH in den nächsten Tagen bekanntgeben.