Haßfurt/Eltmann —  Bei den Eltmanner Biertagen kam es im letzten Jahr zu einer Rauferei zwischen zwei Jugendgruppen von jeweils fünf bis sechs Personen. Dass dabei ein 20-jähriger Asylbewerber aus Eritrea eine abgebrochene Bierflasche einem Deutschen über den Schädel gehauen haben soll, war nach der Vernehmung mehrerer Zeugen nicht nachweisbar. Aus diesem Grund stellte der Jugendrichter Martin Kober das Verfahren unter der Auflage ein, dass der Angeklagte zehn gemeinnützige Arbeitsstunden ableistet.
Bei der Verhandlung ging es um das, was am 23. Juli 2016 kurz vor Mitternacht am Mainufer in Eltmann vor sich gegangen war. Wie so oft kam es zu der Prügelei zwischen den beiden Gruppen aus einem eher nichtigen Anlass. Nachdem einer der Asylbewerber ein transportables Verkehrsschild umgestoßen hatte, wies ihn ein deutscher Jugendlicher zurecht. Ob er dabei beleidigende oder ausländerfeindliche Ausdrücke benutzte, blieb ungeklärt.


Fäuste und Kieselsteine flogen

Jedenfalls gab ein Wort das andere und kurz darauf flogen schon die Fäuste. Und von der Seite der Farbigen auch mehrere Zentimeter große Kieselsteine, wie die Zeugen übereinstimmend berichteten. Dabei wurden einige der deutschen Jugendlichen am Kopf getroffen, was allerdings keine größeren Verletzungen zur Folge hatte. Unbestritten war, dass bei der Schlägerei beide Seiten austeilten. Ein damals beteiligter 18-jähriger Mechaniker drückte das leicht verschlüsselt so aus: "Nachdem wir angegriffen wurden, haben wir uns dementsprechend gewehrt."
Von zentraler Bedeutung war der Schlag mit der Bierflasche, was die Juristen als gefährliches Werkzeug einstufen. Dazu befragt, schilderte die Mutter eines damals beteiligten Eltmanners im Zeugenstand den Vorgang, den sie aus nächster Nähe beobachtet hatte. Nach ihrer Aussage hatte ein dunkelhäutiger Jugendlicher eine leere Bierflasche gegen eine Wand geschlagen und wollte mit dem abgebrochenen Teil den jüngeren ihrer beiden Söhne attackieren. Um das zu verhindern, habe ihr zweiter Sohn dem Angreifer schnell einen Pulli ins Gesicht geworfen. Daraufhin habe der junge Mann das Kleidungsstück runtergerissen und die Bierflasche dem älteren Bruder der beiden auf den Hinterkopf gedonnert. Die entscheidende Frage war, ob der Angeklagte auch derjenige war, der damals diesen Schlag ausgeführt hatte. Und diese Frage konnte keiner der Zeugen mit Sicherheit bejahen.
Nach dieser Beweisaufnahme regte Rechtsanwalt Jürgen Borowka an, das Verfahren einzustellen. Staatsanwältin Susanne Hansen sperrte sich nicht dagegen, bestand aber auf eine geringe Auflage. Von daher muss der Angeklagte, der eine schulische Ausbildung begonnen hat, zehn gemeinnützige Arbeitsstunden nach Weisung des Jugendamtes ableisten. Die Kosten der Verhandlung übernimmt die Staatskasse, seinen Verteidiger muss der junge Mann selber bezahlen.