Im Naturpark Frankenwald sind neuerdings Naturpark-Ranger tätig: Anna-Lisa Haber (35) und Jan van der Sant (43) sind hauptberufliche Ranger. Beim Naturpark-Wandertag hatten sie ihren offiziellen Auftritt. "Ich war zwölf Jahre lang im Nationalpark Eifel. Ich habe eine forstwirtschaftliche Ausbildung und bin jetzt seit März hier im Naturpark", erzählt Jan van der Sant. "Nein, wir sind nicht nur bezahlte Wanderer", stellt der hauptberufliche Ranger klar.

Denn zu den Aufgaben der Ranger gehört viel mehr: Die Ranger koordinieren Naturschutzmaßnahmen, sind für die Pflege zuständig. Sie helfen mit, Biotope freizuschneiden und müssen auch mit der Motorsäge umgehen können. "Aber natürlich wollen wir den Leuten auch die regionalen Produkte und die Schönheiten des Waldes näherbringen. Wir sind auch für die Informationen zuständig", sagt Jan van der Sant.

Die zweite Naturpark-Rangerin ist Anna-Lisa Haber (35). Sie bringt eine touristische Ausbildung mit, hat Geografie studiert. "Ich komme aus Pottenstein und habe mich sehr mit der Flößerei im Frankenwald beschäftigt. Wir Naturparkranger helfen auch mit, die Kulturlandschaft zu entwickeln", erklärt sie.

Auch Auswärtige kamen

Die Ranger-Führungen waren am Naturpark-Wandertag heiß begehrt. "Wir wollten uns einmal über die Arbeit der Ranger informieren. Wir kennen das Steigla ja schon, weil wir hier öfters unterwegs sind", erzählten Werner (70) und Margarete Rubsch (68) aus Wartenfels. Nicht nur Einheimische zog der Naturpark-Wandertag in seinen Bann, sondern auch Auswärtige. Interessierte kamen aus den Nachbarlandkreisen, sogar aus Bamberg.

Georg Barnickel ist beim Frankenwaldverein Kronach aktiv, hat selbst bei der Beschilderung der Steigla mitgewirkt. "Aber ich war noch nie bei einer geführten Ranger-Wanderung dabei. Ich bin einfach neugierig", sagte er.

Hinauf zur Burgruine Nordeck

Ranger Jan van der Sant führte seine Gruppe von der Schneidmühle über das Steigla Richtung Burgruine Nordeck. Schon nach den ersten Metern schnaufte mancher ganz gehörig. Denn die Treppe hinauf auf den Weg ist die erste Herausforderung der Tour. Doch der Ranger nutzte die Gelegenheit, um die Menschen bei der Verschnaufpause für die Verschiedenartigkeit des Waldes zu sensibilisieren. "Die Fichte sticht, die Tanne nicht" -- mit diesem kleinen Kinderreim machte er die Unterschiede zwischen den Nadeln klar. "Es geht mir darum, die Zusammenhänge in der Natur zu erklären und aufzuzeigen, was ein Naturwald eigentlich ist."

In der fast vierstündigen Wanderung lenkte er das Augenmerk auf Besonderheiten. "Das ist ein Methusalembaum: eine stolze Buche", sagte der Ranger und alle schauten nach oben. Die Buche ist mächtig. Sie wächst schon mehrere Hundert Jahre. "Der Wald ist mehr als nur Holzlieferant", machte der Ranger klar.

Echte Naturwälder gibt es eigentlich kaum noch. Denn der Mensch hat immer Eingriffe in den Wald getätigt, hat Holz genutzt. Deshalb sprechen die Experten lediglich von Naturwaldzellen. Und diese Gebiete sollen möglichst erhalten bleiben.

Die heißen Sommer und die geringe Niederschlagsmenge sowie die Borkenkäfer-Plage machen derzeit dem Wald schwer zu schaffen. Aus diesem Grund musste die Tour auch einen kleinen Umweg machen, aus Sicherheitsgründen wegen Baumbruchgefahr. "Wir Ranger machen sehr viele Monitoring-Maßnahmen", erklärt Jan van der Sant. Schwarzstörche und Braunkehlchen brauchen besonderen Schutz, aber auch die Gelbbauchunken werden genau überwacht. "Es braucht viel Fingerspitzengefühl. Die Schwarzstörche wollen nicht gestört werden", sagt der Ranger und wollte lieber nicht verraten, wo es Schwarzstorchvorkommen gibt. Denn jeglicher Tourismus könnte die Vögel stören.

"Die Natur hat Zeit"

Die Weisheit, die der Ranger allen Wanderern mit auf den Weg gibt: "Die Natur hat Zeit". Denn oft sind die Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume langfristig angelegt.

Ganz begeistert vom Naturpark-Wandertag war Emil Greim (6). Er war mit seinen Eltern Cornelia und Markus bei der Familientour dabei. "Mir hat gut gefallen, dass ich auf einem Baumstamm balancieren konnte."

Notwendige Bestätigung

Auch die Politik war vertreten: Frank Wilzok kam mit seinem E-Bike vorbei. Bürgermeister Roland Wolfrum freute sich über das große Interesse. "Das ist ein wunderschöner Tag heute. Normalerweise wären Tausende hier, die Natur ist einzigartig. Aber wegen der Corona-Maßnahmen sind die Wanderungen nur nach Voranmeldung möglich", sagte der Kulmbacher Landrat Klaus Peter Söllner. Die Teilnehmer mussten schriftlich bestätigen, dass sie keine Corona-Anzeichen haben und hatten und mussten sich verpflichten, keine Trinkflaschen/Brotzeiten zu teilen und keinen Müll zu hinterlassen. Zu den Ranger-Wanderungen wurden eine Märchenwanderung, eine Tour mit den Staatsforsten und eine geologische Führung angeboten.