Als der ehemalige Bauamtsleiter aus Marktleugast vor ein paar Tagen die Zeitung aufschlug, traute er seinen Augen kaum: Die Bundesstraße 289 wird saniert, las er. Doch von einem Radweg, der dabei mit angelegt werden könnte oder wenigstens von einem befestigten Seitenstreifen, der für Radler nutzbar wäre, war wieder einmal nicht die Rede. "Ich habe dann bei Gemeinderäten nachgefragt, ob jemand dies zur Sprache gebracht hat. Doch es ist nichts passiert", sagt Ott.

"Überall Radwege, nur bei uns nicht"

Manfred Ott ist ein Fahrradfan. Er nutzt sein Zweirad in der Freizeit, als Sportgerät, im Urlaub. "Ich kenne die Fahrradwege überall: Ich bin vom Kap Arkona auf Rügen bis nach Berchtesgaden gefahren. Und ich fahre nicht nur in Deutschland - ich war mit dem Fahrrad schon in den Dolomiten unterwegs, bin bis nach Budapest oder Venedig gefahren", schwärmt Ott.

In diesem Jahr hat er sich vorgenommen, von Donaueschingen bis nach Kehlheim zu radeln. "Das sind 450 Kilometer - und es gibt überall Radwege", so Ott. Auch Richtung Tschechien ist er oft unterwegs. "Dort gibt es einzigartige wunderschöne Fahrradwege. Das Problem, dass es nichts gibt, gibt es nur bei uns", sagt Manfred Ott.

Natürlich weiß der ehemalige Bauamtsleiter, dass im Landkreis Kulmbach aktuell ein Fahrradwegekonzept erstellt wird. Er selbst hat - gemeinsam mit anderen - ein solches für Marktleugast erstellt. Dabei handelt es sich nicht um überzogene Forderungen, sondern in einem ersten Schritt geht es um 600 Meter Radweg. Mit diesem Abschnitt von Marktleugast Richtung Kosermühle könnten die Leuchertzer Radler das Hofer Radwegenetz erreichen. "Wir wollen kein Millionenprojekt, sondern einfach, dass sich etwas tut", sagt Ott.

Schon mit der Befestigung des Seitenstreifens neben der Bundesstraße wären die Radler einverstanden. Alternativ bringt Ott eine Ausweichroute Richtung Kosermühle ins Gespräch - um den Fußballplatz herum ebenfalls Richtung Kosermühle.

Die Anbindung an das Radwegenetz im Landkreis Hof sollte allerdings nur der Anfang sein, machte Ott klar. "Richtung Kulmbach gibt es überhaupt keine Verbindung." Die Marktleugaster müssten durch den Steinbruch fahren oder über die kurvenreiche Strecke durch Guttenberg. "Das ist lebensgefährlich", bemängelt Ott und spricht damit seinen Mit-Aktivisten, die sich am Samstag zur Demo formierten, aus der Seele. "Was wir nicht verstehen können, ist, dass in den letzten 15 Jahren nichts passiert ist", gibt sich Ott kämpferisch.

Dabei liegt Fahrradfahren - nicht nur in Pandemiezeiten - voll im Trend. Der Freistaat Bayern hat es sich zum Ziel gemacht, den Fahrradverkehr auszubauen und seinen Anteil auf zwanzig Prozent zu steigern. "Im Landkreis Tirschenreuth ist das Radwegenetz exzellent. Jeder Feldweg ist ausgeschildert. Und bei uns gibt es nicht mal einen Wegweiser", klagt Ott. Vor allem das Oberland bezeichnet er als eine "Fahrrad-Brache".

Förderung für Radwegebau nutzen

"Der Bund hat ein Sonderprogramm für den Bau von Fahrradwegen aufgelegt: 657 Millionen Euro - und der Förderanteil liegt bei 80 Prozent. Wenn die Gemeinde 20 000 Euro einsetzen würde, könnte man 100 000 Euro investieren. Wenn man das ein paar Jahre macht, dann wäre das richtig was", rechnet der ehemalige Bauamtsleiter vor. Doch im Marktleugaster Haushalt ist bislang kein Euro für Radewegebau vorgesehen. "Ich habe von keiner Fraktion, die im Gemeinderat vertreten ist, je etwas gehört, dass sie Radwegebau auf der Agenda hat", sagt Ott auf der Demonstration.

Durch die Aktion "Stadtradeln", die der Landkreis Kulmbach auch in diesem Jahr wieder durchführen wird, hat die Fortbewegung mit dem Fahrrad einen Boom erlebt und auch Aufmerksamkeit auf sich gezogen. "Dank der E-Bikes sind auch die Berge im Frankenwald kein Problem mehr. Und der Frankenwald boomt. Keine andere Region kann ein so großes Plus im Tourismus verzeichnen", merkt er an. Als Manfred Ott die Demonstration angemeldet hat, hat dies schon im Vorfeld für Reaktionen der Politik gesorgt. "Bürgermeister Franz Uome hat erklärt, dass er das Radwegenetz zur Chefsache machen wird", sagt Ott und hofft, dass auch die anderen Fraktionen mitziehen werden. Zur Demonstration der Radler kam der Marktleugaster Bürgermeister jedoch nicht - aufgrund eines anderen Termins.

Kreisrat Owald Greim (Die Linke) erklärte, dass man sich im Arbeitskreis Radwegebau bislang auf die Erhebung des Quell- und Zielverkehrs konzentriere, dass aber das von den Bürgern erstellte Radwegenetz für das Oberland nicht öffentlich diskutiert worden sei.

Zu gefährlich für Radler und Autofahrer

"Es muss was gemacht werden", bringt Hans-Günther Dörfler seine Meinung auf den Punkt. Dörfler hat erst seit einem halben Jahr ein E-Bike, hat aber schon mehr als 1000 Kilometer damit zurückgelegt. "Ich kann mit dem Mountainbike auch Wald- und Forstwege nutzen, aber ich würde gerne Richtung Grafengehaig, Presseck, Kulmbach fahren", sagt er.

Hans-Joachim Burger und Silke Burger haben für die Demo in Marktleugast sogar ein Schild gemalt. Die Aufschrift: "Warum müssen wir Radler im Oberland auf der Straße fahren? Wir brauchen Radwege!"

"Wir würden gerne Richtung Kulmbach fahren, aber das ist zu gefährlich. Man muss dann immer das Auto nehmen und dann mit dem Rad weiterfahren", bemängelt Hans-Joachim Burger. "Die vielen Kurven Richtung Kulmbach sind einfach gefährlich - und zwar für die Autofahrer und für die Radfahrer", sagt Silke Burger.

Gerd Burger hat bislang noch kein E-Bike, doch er hat durch die Stadtradel-Aktion im vergangenen Jahr das Radfahren für sich entdeckt. "Ich würde gerne mehr fahren - ich überlege auch, ein E-Bike zu kaufen. Wenn es einen Radweg gäbe, wäre das keine Frage", sagt Burger.

Ralf Rektorschick radelt ebenfalls gerne. Die Anbindung an das Radwegenetz in Hof könne aber nur der Anfang sein. "Ich mache in diesem Jahr jedenfalls auch beim Stadtradeln mit", sagt er und hofft auf eine Anbindung an das Radwegenetz Richtung Kulmbach und Hof. Ob es ausreicht, wenn man entlang der Bundesstraße ein Bankett befestigt und für Radfahrer nutzbar macht, darüber ist sich Rektorschick allerdings nicht klar. "Das wäre wahrscheinlich nur eine Notlösung. Aber eben besser als nichts."