Die "Radspitz-Knock-Allianz" ist Geschichte. Nun heißt das interkommunale Freizeitprojekt, an dem bereits seit dem Jahr 2014 gearbeitet wird, "natur erlebnis Wäldla". Im Vergleich zur Planung und Kostenkalkulation vor einem Jahr wird es nun umfangreicher und mehr als doppelt so teuer.

Der Pressecker Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, die neun einzelnen Projekte in Presseck und Wartenfels durchführen zu wollen. Hinzu kommen zwei weitere in Marktrodach und Wallenfels. Auf 5,75 Millionen Euro hat das Architekturbüro Schöttner in Wallenfels nun das Gesamtprojekt neu kalkuliert, für die sich die drei Kommunen nun um entsprechende Förderungen bemühen.

Eisbahn und Niederseilgarten

Bisher vorgesehen sind ein Infozentrum mit Eisbahn, ein Niederseilgarten, ein Fitness-Steigla, weitere Fitness- und Wellnesseinrichtungen im Lautengrund und ein Mehrzweckgebäude für Loipenspur- und Wegepflegegeräte in Presseck, ein weiteres Infozentrum mit Wanderparkplätzen und Grillplatz sowie ein Wasserspielplatz in Wartenfels, außerdem ein Themenspielplatz in Marktrodach.

Dafür hatten die Architekten im Dezember 2020 Kosten über 2,5 Millionen Euro kalkuliert, die aufgrund der zwischenzeitlich generellen Teuerungen für Material und Bauarbeiten überholt und im Durchschnitt um 14 Prozent gestiegen sind. Hinzu kam nun noch der Ersatzbau eines Aussichtsturms hinter dem TSV-Gelände am Presseck-Knock, da der bisherige Turm des Frankenwaldvereins marode und auch wegen der höher gewachsenen Bäume zu niedrig ist. Der neue futuristische Turm wird doppelt so hoch sein, kostet allerdings auch weitere 2,5 Millionen Euro. Schließlich hat sich auch noch die Stadt Wallenfels dazu entschlossen, sich als dritte Kommune mit einem Kneipp-Park dem Projekt anzuschließen.

Nach dem Urteil des Demografie-Kompetenzzentrums Oberfranken ist das Gesamtvorhaben durchaus ein Pilotprojekt, für das es "kein weiteres vergleichbares in Oberfranken" gibt, zitierte Verwaltungsleiter Frank Wunner aus dem Schreiben des Demografiezentrums. Man rechne in den kommenden Jahren in Oberfranken mit einem Bevölkerungsrückgang von acht bis zehn Prozent, heißt es dort weiter, so dass dieses Projekt zur Schaffung eines "attraktiven Lebensumfelds" in einem "Raum mit besonderem Entwicklungsbedarf" durchaus geeignet sei, den voraussehbaren Bevölkerungsschwund aufzuhalten. In diesem Sinn, sagte Bürgermeister Christian Ruppert, sei eine Förderung der Vorhaben als Leader-Projekt der EU durchaus erwartbar. Man werde sich auch noch an weitere Zuschussgeber wenden. Positive Signale habe man bereits erhalten. Allerdings müsste das gesamte Projekt nun für entsprechende Bezuschussungen eingereicht werden. Jede der drei Gemeinden müsse die Anträge für ihre Projekte zwar einzeln einreichen; vereinbart sei allerdings, dass die Gesamtabwicklung dann im Pressecker Rathaus geschehen werde.

Dass man das Projekt trotzdem nicht geschenkt bekomme, verschwieg Ruppert nicht. Man sehe es allerdings als notwendige Zukunftsinvestition für den Raum Presseck und die umgebenden Gemeinden an. Dem stimmten auch Gerd Leinfelder für die SPD-Fraktion, Reinhard Baar (FW) und Raimund Graß (CSU) uneingeschränkt zu.

Mehr Platz für Kinder

Eine weitere Zukunftsinvestition hatte sich der Gemeinderat vor der Sitzung angesehen: Das ebenerdige untere Geschoss des Schulhauses wird derzeit zum Kindergarten und Kinderhort umgebaut. Der jetzige Kindergarten am Marktplatz ist trotz Anbau schon wieder zu klein. 60 Kinder werden dort derzeit auf mittlerweile zu engem Raum betreut. Weitere Anmeldungen liegen vor und müssen zurückgestellt werden.

Bis März oder April 2022 wolle man mit der neuen Kinderbetreuung fertig sein, teilte Timo Simon vom Kulmbacher Architekturbüro Brenske den Gemeinderäten mit.

Mit den großzügig vorhandenen Flächen könne man auch vielgestaltige Räume für die Kleinen schaffen, bis hin zu einem "Kinderrestaurant" und einer Kleinkinderturnhalle. Bis jetzt liege man zwar um 80 000 Euro über dem kalkulierten Kostenrahmen, allerdings seien noch nicht alle Gewerke ausgeschrieben, sodass die Endabrechnung noch nicht feststehe. Sobald die Kinderbetreuung fertig sei, so Simon, werde gleich mit dem Umbau und der Sanierung der Schulräume darüber begonnen.