Die Aufnahmekapazität im "Haus der Kinder", einer Kindertagesstätte in der Betriebsträgerschaft der katholischen Kirchengemeinde St. Jakobus, ist an ihre Grenzen gestoßen. Mit dieser Nachricht wurde die Marktgemeinde Marktschorgast mit Schreiben vom 14. Oktober konfrontiert und mit ihr auch die Fraktionssprecher im Marktgemeinderat.

Bürgermeister Marc Benker (CSU) griff dieses Schreiben am Ende der jüngsten Gemeinderatssitzung auf und machte deutlich, dass hier für die Marktgemeinde ein dringender Handlungsbedarf bestehe, denn die Lage in der Kita sei schon seit längerer Zeit prekär. Trotz einer Ausnahmegenehmigung des Landratsamtes Kulmbach könnten keine Kinder mehr aufgenommen werden. Für Benker steht deshalb fest: "Es wird sicherlich eine große Aufgabe, der wir uns aber aufgrund des Bedarfes stellen müssen und bei der wir keine Zeit verlieren dürfen. Mein Herzensanliegen ist dabei, über den Tellerrand hinauszuschauen und auch die Frage von Betreuungsangeboten für unsere Senioren mit in die Überlegungen einzubeziehen."

Wie das katholische Pfarramt St. Jakobus der Marktgemeinde mitteilte, sei man an der Auslastungsgrenze im "Haus für Kinder" angekommen. Die Kita-Leitung mit Jutta Gottwald sei bereits gezwungen, Wartelisten anzulegen, allerdings ohne die Aussicht, in absehbarer Zeit einen Platz in der Kita zur Verfügung stellen zu können.

Nachfragesituation zugespitzt

Bürgermeister Benker gab aus dem Schreiben weiter bekannt, dass sich - bedingt durch die geburtenstarke Jahrgänge 2019 und 2020, die Zuzüge von Familien mit Kindern sowie Schüler, die eine Hortbetreuung benötigen - die Nachfragesituation zugespitzt habe. Habe das katholische Pfarramt durch ein hervorragendes Management der Kita-Leiterin und aller Mitarbeiterinnen noch temporäre Nachfragespitzen abfangen können, so werde dies aber aufgrund der jetzigen Nachfragesituation und der Einschätzung des Betriebsträgers für die nächsten Jahre nicht mehr möglich sein. Deshalb könnten nicht mehr alle Kinder im "Haus für Kinder" aufgenommen werden. Eine Vergrößerung des Platzangebotes hielten das Pfarramt St. Jakobus mit Pfarradministrator Michal Osak und Kirchenpfleger Nikolaus Ott sowie Kita-Leiterin Jutta Gottwald daher für dringend geboten.

So ist die Lage in der Kita

Zur gegenwärtigen Situation in der Kita wurde der Marktgemeinde Folgendes mitgeteilt:

Im Hort würden derzeit 27 Kinder betreut. Der Hort sei für 20 Plätze ausgelegt und mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde mit sieben Kindern überbelegt. Das sei in den letzten Jahren nur gestattet worden, weil der Kindergarten mit nur einer Gruppe ausgelastet war. Die zweite Kindergartengruppe sei nun wieder in Betrieb genommen worden, und somit werde die Aufsichtsbehörde ab September 2021 keine Genehmigung für eine Überbelegung mehr erteilen.

Konkret bedeute das, ab September 2021 könnten keine Kinder im Hort aufgenommen werden, da nur vier Kinder den Hort zum 31. August verlassen, aber für September 2021 bereits acht unverbindliche Anmeldungen auf der Warteliste stünden.

Die Krippe sei zum 1. Januar 2021 mit zwölf Kindern ausgelastet. Bis zum 31. August 2021 könnten keine weiteren Kinder aufgenommen werden, aber für den Zeitraum Januar bis Juni 2021 lägen bereits elf Voranmeldungen für die Krippe vor, für die es kein Platzangebot gebe. Im September 2021 würden zwar zwei und im April 2022 weitere vier Plätze frei, doch aufgrund der Geburten in den Jahren 2019 (zehn Kinder) und 2020 (bis jetzt 15 Kinder) werde mit weiteren Voranmeldungen gerechnet.

Entspannter sehe dagegen die Situation im Kindergarten aus, denn von 50 Plätzen seien 49 belegt. Unabhängig von der jetzigen Ist-Situation seien An- und Abmeldungen durch Zu- oder Wegzug von Eltern aber nicht prognostizierbar.

Abschließend ließ das katholische Pfarramt St. Jakobus die Marktgemeinde wissen, dass die vorschulische Betreuung der Kinder und die Hortbetreuung originäre Aufgaben der Kommune seien: "Wir bitten Sie, die Situation zu beraten und entsprechende Beschlüsse zu fassen, in welchem Rahmen und Umfang eine zukunftsorientierte Betreuung der Kinder gewährleistet werden soll."

Ein kombiniertes Angebot?

Bürgermeister Benker machte in einem Schreiben gegenüber dem Pfarramt deutlich, dass er im Rahmen eines Bürgermeisterseminars vor wenigen Wochen in Bad Kissingen durch Vertreter des Bayerischen Gemeindetages in Erfahrung gebracht habe, dass ab 2026 auch ein Rechtsanspruch auf einen Hortplatz besteht: "Vor dem Hintergrund der zu erwartenden weiteren Entwicklung gehe ich mit ihrer Ansicht konform, dass für die Zukunft eine Lösung gefunden und angegangen werden muss. Ich würde eine zukünftige Lösung beziehungsweise Kapazitätserweiterung für das ,Haus für Kinder‘ gerne auch im Kontext mit der Frage nach einem möglicherweise kombinierten Angebot für Senioren in unserer Marktgemeinde diskutieren."

Mit Abgeordneten besprochen

Durch eine Dokumentation des TV-Senders Vox mit dem Titel "Wir sind klein und ihr seid alt" ist Bürgermeister Benker auf die seiner Meinung nach ideale Verbindung im Zusammenwirken dieser beiden Personengruppen aufmerksam geworden. "Dies habe ich in den Gesprächen mit der Kita-Leiterin bereits schon einmal anklingen lassen und freue mich sehr über die grundsätzliche Offenheit in dieser Frage, auf die ich hier gestoßen bin", sagte Marc Benker.

Der Bürgermeister hat auf diese für Marktschorgast sehr große Herausforderung bereits am Rande eines Gemeindebesuches von Landtagsabgeordnetem Martin Schöffel und bei einem Termin mit Bundestagsabgeordneter Emmi Zeulner hingewiesen und um entsprechende Unterstützung gebeten. In einem demnächst stattfindenden Gemeindebesuch werde er diese Bitte auch an Landtagsabgeordneten Rainer Ludwig herantragen.

In seinem Schreiben brachte der Bürgermeister auch seinen Dank für die Arbeit aus, die im "Haus für Kinder" unter dem Dach der katholischen Kirche erbracht wird: "Gerne möchte ich mit ihnen, der Verwaltung im Rathaus sowie dem Marktgemeinderat in einen offenen und zielgerichteten Dialog über die Zukunft der Betreuung der Generationen in unserer Heimatgemeinde treten."

Auslagerung vom Kinderhort

Zum weiteren Vorgehen ließ Bürgermeister Benker wissen, dass zunächst die rechtliche Situation im Hinblick auf die auslaufende Sondergenehmigung für den Hort und eine Bedarfsfeststellung sowie die Fördermöglichkeiten zu verschiedenen Lösungsansätzen zu ermitteln seien. Dazu gehöre kurzfristig eine Containerlösung oder die Auslagerung vom Kinderhort in ein anderes Gebäude: "Hier habe ich eventuell das Schulgebäude ins Gespräch gebracht, um kurzfristig Kapazitäten frei zu machen. Auch hier sind im Bestandsgebäude Umbaumaßnahmen erforderlich, und langfristig muss ein Anbau eventuell mit einer Sanierung des bestehenden ,Hauses für Kinder‘ sowie ein Ersatzbau und Neubau an anderer Stelle mit in die Überlegungen einbezogen werden."