Susanne deuerling

Das integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept, kurz ISEK genannt, bietet einer Gemeinde die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten. Auch der Markt Marktrodach ergreift diese Chance, um die Gemeinde weiter nach vorne zu bringen. Aber was ist dieses ISEK überhaupt? Für viele bayerische Städte und Gemeinden wird es in naher Zukunft grundlegende Herausforderungen geben. Dies sind neben dem demografischen Wandel ein zunehmender Leerstand und eine fortschreitende Urbanisierung, das heißt eine Ausbreitung städtischer Lebensformen. Dem gilt es entgegenzuwirken.
Dazu bedarf es eines abgestimmten Konzepts, um Ziele und Handlungsansätze für die weitere Entwicklung von Marktrodach aufzuzeigen.
Oftmals ist es sinnvoll, durch Beobachter und Planer von außerhalb eine Strategie zu entwickeln. Diese sind nicht so auf das "War schon immer so" fixiert wie die Einheimischen. Das Büro "transform" aus Bamberg ist so ein "Auswärtiger". Zusammen mit den Bürgern aus Marktrodach soll ein Konzept erstellt werden, welches auf die nächsten 10 bis 15 Jahre ausgerichtet wird. Besonders eingegangen wird auf die Themen Naherholung und Tourismus, Handwerk und Gewerbe, Soziales und Daseinsvorsorge, Verkehr und Energie sowie die baulichen Aspekte. Natürlich müssen diese Themenfelder aufeinander abgestimmt werden, denn nur durch ein Gesamtkonzept lässt sich was erreichen. "Aber wir wollen den Bürgern unserer Gemeinde nicht eine Liste vorlegen und sagen, so wird es gemacht. Im Gegenteil, sie sollen mitreden, ihre Vorschläge und Ideen mit einbringen. Schließlich leben sie hier und kennen die Gegebenheiten in und auswendig", erklärte Bürgermeister Norbert Gräbner.
Ein weiterer, etwas nüchterner Aspekt für das Einschalten von "transform" ist einfach der, dass es der dringende Wunsch der Regierung ist, so ein Büro arbeiten zu lassen, schon aus finanziellen Gründen. "Wir wissen zwar eigentlich schon, was wir brauchen, aber um an möglichst hohe Förderung zu kommen, müssen wir so verfahren", sagte Gräbner.
Yvonne Slanz und Markus Schäfer vom Büro "transform" stellten nun kurz dar, wie die weitere Vorgehensweise aussehen wird. Wie jeder Ort hat auch Marktrodach verschiedene Schwerpunkte. Vor allem in Unter- und Oberrodach soll hier einiges umgesetzt werden. "Wir werden schauen, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist, worauf sie Wert legen. Unser Konzept wird dann als fachliche Grundlage für die zukünftige Stadtentwicklungspolitik dienen. Einzelne Maßnahmen sinnvoll und zukunftsfähig miteinander verbinden, das ist der Grundgedanke", erläutert Markus Schäfer. Noch sind sie in der Bestandsaufnahme, doch schon jetzt können sie erkennen, dass sich in Unterrodach eine ganz besondere Ortsstruktur erkennen lässt. Die Flößerei hat hier ihre Spuren nicht nur hinterlassen, sondern den Ortsteil entscheidend geprägt. "Die Flößer haben früher mit den Augen gestohlen und vieles mit nach Hause gebracht und nachgebaut oder durch Straßennamen in Erinnerung behalten", sagt Norbert Gräbner und verweist auf die Floßherrenhäuser oder Straßennamen wie "Welt" oder "Sachsenhausen". "Seit den ersten Erhebungen ähnlich wie ISEK in den 90er Jahren hat sich viel am Gesamtkonzept, das erstellt werden soll, verändert. Vor allem die Erkenntnis, dass alles zusammenhängt, wird nun verstärkt klar", meint Yvonne Slanz. Nicht nur baulich muss sich etwas verändern, sondern auch für den Tourismus, das Handwerk, soziale Belange und vieles mehr.


Warum hauptsächlich hier?

Unterstützt wird "transform" von Masterstudent Rainer Kleylein-Klein, der aus Marktrodach stammt und die baulichen und menschlichen Aspekte kennt. Er wird die denkmalpflegerischen Belange aktualisieren und Schwerpunkte setzen. Nicht nur im baulichen Sinne, sondern auch Strukturen wie die Flößerei einbeziehen und dann ein Projekt planerisch entwickeln. Warum aber hauptsächlich in Unter- und Oberrodach? Bürgermeister Norbert Gräbner gibt Auskunft. In Seibelsdorf läuft bereits ein Dorferneuerungsverfahren. In Großvichtach wird der Dorfplatz durch eine einfache Dorferneuerung umgestaltet und ein Dorfgemeinschaftshaus gebaut. Die Einweihung könnte im Juli 2017 zum nächsten Dorffest stattfinden. Für Zeyern steht eine umfassende Dorferneuerung nach dem Bau der Umgehungsstraße an. In Unterrodach wurde bereits ein kleiner Schritt mit dem Erwerb des "Schallersgarten" durch die Gemeinde getan. Er soll nun umgestaltet werden, genauso wie das Flößermuseum. "Es soll ein Museum zum Anfassen werden, es muss einfach zu spüren sein, wie schwer die Arbeit damals war. Und wir wollen die Kinder und Jugend mehr ansprechen", führte Norbert Gräbner aus.
In einem umfangreichen Ortsrundgang schauten sich die Mitarbeiter von "transform" die Gegebenheiten vor Ort an. "Es muss auch eine Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinde und zwischen den einzelnen Kommunen geben. Hier ist so viel Potenzial, das gebündelt eine Macht darstellen kann. Gerade beim Thema Tourismus", meinte Markus Schäfer. Doch wie gesagt, alles soll mit Bürgerbeteiligung geschehen, sie sollen sagen, wo der "Schuh drückt", was für sie sinnvoll ist und wo die Punkte liegen, für die Handlungsbedarf besteht (www.transform-online.de).