Das Staunen und die Freude über den Reichtum und die Schönheit der Welt standen im Mittelpunkt des Lindengottesdienstes in Herreth, der an jedem vierten Sonntag im Juli stattfindet. Eigentlich ist es ein Weidengottesdienst in der Dorfnähe, denn die uralte Linde am Fuße der Eierberge zersplitterte vor zehn Jahren bei einem Unwetter. Die Herrether pflanzten an der Stelle eine neue Linde. "Wenn sie einmal Schatten spenden wird, ziehen wir wieder um", sagte Pfarrer Matthias Hagen. Und dann würden unsere Ururenkel diese Tradition der Kirchengemeinde Bad Staffelstein-Herreth weiterführen, war er sich sicher.


Besonderes Erlebnis in der Natur

"Hier, wo wir direkt umgeben sind von Gottes wunderbarer Schöpfung, sie sehen, sie hören, sie riechen, sie spüren und fühlen können, ihr einfach ganz nah sind", beschrieb er ein menschliches Grundgefühl, das er zum Inhalt seiner Predigt machte. Ein Gefühl, das zu den wichtigsten und schönsten gehöre, aber immer mehr in Vergessenheit gerate: das Staunen. Und darum solle der Gottesdienst an das Staunen erinnern und solle eine Einladung und einen Anleitung zum Staunen sein.
Staunen nicht über etwas Rekordverdächtiges: immer schneller, größer, weiter oder gewaltiger, sondern über etwa einmalig Schönes, das einfach die Sinne und das Sein anspreche. Das Staunen auch im Alltag zu entdecken, mit scheinbaren Unscheinbarkeiten oder vermeintlichen Kleinigkeiten führe zum Leuchten der Augen und dem aufgeregten Schlagen des Herzens, machte Hagen deutlich. Wir lebten in einer ganz anderen Welt, alles sei machbar, erreichbar und erwerbbar und alles sei selbstverständlich, schilderte er die heutige Situation. Der Anfang von etwas Neuem werde mit Staunen registriert. Das habe er bei der Geburt seines ersten Kindes erlebt.
"Der Himmel, der Mond und die Sterne werden als deiner Finger Werk und der Mensch angesichts der Größe seines Schöpfers bestaunt", zitierte Pfarrer Hagen sinngemäß den vierten Vers des achten Psalms. Gerade hier im Itzgrund und am Obermain, rund um die Seen, in den Mischwäldern der Eierberge und des Banzer Waldes mit seiner vielfältigen und reichhaltigen Flora und Fauna fände man ein wunderbares Übungsfeld zum Staunen und Staunen lernen. Sein Tipp: stehenbleiben oder sich einfach hinsetzen, ruhig werden, schweigen, schauen, hören, riechen und dabei glücklich werden.
Den Gottesdienst umrahmte der Posaunenchor Herreth-Bad Staffelstein unter der Leitung von Heinz Fischer. Kirchenvorsteher Horst Porzelt hielt die Lesung und sprach mit dem Pfarrer das Bittgebet. Nach dem Gottesdienst und der geistlichen Erbauung stärkten sich die zahlreichen Besucher aus Herreth, Bad Staffelstein und Kurgäste aus allen Teilen Deutschlands an Bier und Bratwurst.
Kurseelsorger Pfarrer Helmuth Bautz hatte Kirchgänger vor der Dreifaltigkeitskirche mitgebracht, da dort am Sonntag der Gottesdienst ausfiel.