JOsef Hofbauer In einem Brandbrief an den Kreistag Forchheim kritisieren die Freien Wähler: "Das Rad der zukunftsfähigen regionalen und urbanen Mobilität muss in manchen Verwaltungen offenbar neu erfunden werden." Wenn es um Verkehrskonzepte gehe, so FW-Kreisvorsitzender Manfred Hümmer, hätten die meisten immer noch möglichst freie Fahrt für die Autos im Kopf.

Doch dank der zunehmenden Zahl an E-Bikes werde das Fahrradfahren immer attraktiver. Das funktioniert aber nur, wenn Radwege nicht irgendwo in der Natur enden. Ein Radwegekonzept sei überfällig, so Hümmer.

Damit spricht er Steffi Brechelmacher aus der Seele. Die begeisterte Radfahrerin und Mutter zweier Kinder sowie ihr Mann sind begeisterte Radler. Doch von Effeltrich aus, wo das Ehepaar wohnt, gibt es nur einen Radweg nach Hetzles und einen nach Poxdorf. Ein Radweg Richtung Gaiganz und Kunreuth, auf dem auch ein sechsjähriges Kind gefahrlos in die Pedale treten kann, fehlt. Deshalb hat die engagierte Mutter eine Petition an das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr verfasst.

Schnell handeln

Steffi Brechelmacher fordert das Ministerium auf, für einen bestandsorientierten Ausbau der Staatsstraße 2242 zwischen Effeltrich und Kunreuth zu sorgen, der auch einen Fahrradweg vorsieht. Diese Maßnahme solle bereits bei den anstehenden Planungen zum achten Staatsstraßenausbauplan für Bayern berücksichtigt und mit entsprechender Priorität versehen werden. Der Beschluss des Bauausschusses, das Radwegenetz des Landkreises zu optimieren, dauert ihr definitiv zu lange.

In den Augen von Mitgliedern des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) ist die Radweg-Petition aus Effeltrich lediglich ein frommer Wunsch. Eine Petition im eigentlichen Sinne sei das nicht, erklärt Manfred Fluhrer vom ADFC. Denn eine Petition müsse sich grundsätzlich auf einen Verwaltungsakt beziehen.

Steffi Brechelmacher widerspricht: "Das Petitionsrecht gehört zu den verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechten. Artikel 17 des Grundgesetzes der Bundesrepublik garantiert jedem das Recht, eine Petition einzureichen".

Lücken schließen

Überdies handle es sich bei dem angestrebten Radweg zwischen Effeltrich und Kunreuth nicht um eine persönliche Vorliebe, sondern um einen dringend notwendigen Lückenschluss im Radwegenetz des Landkreises. Die Verbindung wäre nicht nur eine Bereicherung für die Bürger vor Ort, sondern hätte positive Auswirkungen auf die gesamte Region.

Die Anbindung würde Bürger aus dem Erlanger Umland und der Metropolregion Nürnberg näher an den Kulturerlebnisweg Fränkische Schweiz und das Radwegenetz des Landkreises Forchheim heranführen. Auch garantiere ein weiterführender Radweg zur Mittelschule in Baiersdorf sowie zur S-Bahn nach Erlangen und Bamberg eine bessere ÖPNV-Anbindung.

Da für Mitte dieses Jahres eine Ertüchtigung der Staatsstraße nach Langensendelbach in Aussicht gestellt worden sei, sei es nur folgerichtig, auch gleich die Staatsstraße Richtung Kunreuth auszubauen.

Um ihr Anliegen zu untermauern, hat Brechelmacher parallel eine Unterschriften-Aktion gestartet. 2000 Unterschriften will sie sammeln und dem Verkehrsministerium vorlegen.

Eine Unterstützerin dieses Vorhabens ist die Effeltricher Bürgermeisterin Kathrin Heimann. Sie verweist auf das Fahrrad als klimafreundliche Nahverkehrs-Alternative. Andere Länder seien hier bereits ein paar Schritte weiter. In diesem Sinne äußert sich auch der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Manfred Hümmer, der fordert, dass die Schließung von Lücken im Radwegenetz zeitnah forciert werden müsse. In dem Appell an den Kreistag Forchheim betont er: "Dass es eine zunehmende Zahl an E-Bikes gibt, die das Fahrrad auch für ältere Menschen und für weitere Strecken attraktiv macht, begreifen wir Freie Wähler als Chance, regionale und urbane Mobilität mit lokalem Klimaschutz in Einklang zu bringen". Er geht sogar noch über die Petition der Effeltricherin hinaus, wenn er betont: "Es sollen mehr Fahrradstraßen errichtet werden."