Benedikt Deichsel ist "hochzufrieden". 260 Sportler haben den Tennet-Powertriathlon des ATS Kulmbach absolviert - eine Zahl, mit der er und sein Bruder Kilian, die Organisatoren des Wettkampfes, "nie gerechnet hätten". Der Triathlon fand erstmals nicht rund um den Trebgaster Badesee, sondern auf selbstgewählten Strecken der Sportler statt. Ein virtuelles Kräftemessen also. Ihre Zeiten und auch Bilder luden die Teilnehmer auf der Internetseite des Veranstalters hoch.

Benedikt Deichsel hat eine Vermutung, warum die aus der (Corona-)Not geborene Idee so gut ankam: "Es waren viele Neulinge am Start, die sich sonst nie an einen Triathlon gewagt hätten." Zum Beispiel seine Frau Sonja. "Die Hemmschwelle war niedriger, weil man ja die Strecke und Startzeit selbst wählen konnte", sagt die 36-Jährige, die heuer auch schon am virtuellen Lucas-Cranach-Lauf teilgenommen hatte.

Die Wettkampf-Premiere

Für Sonja war es der erste Wettkampf überhaupt. "Im Gegensatz zu meinem Mann wurde mir der Sport nicht in die Wiege gelegt", sagt Sonja Deichsel. Sie meint damit, dass die Großfamilie Deichsel seit Jahrzehnten die Schwimmabteilung des ATS Kulmbach prägt. "Ich habe es aber nicht so mit dem Schwimmen und war daher froh, dass man es durch eine zweite Laufeinheit ersetzen konnte", sagt Sonja Deichsel.

Drei Tage hatten die Sportler Zeit, die verschiedenen Distanzen zu absolvieren. Sonja nahm am ersten Tag die erste Laufdistanz, fünf Kilometer, in Angriff. "Da habe ich das Schlimmste gleich weg", so die Idee der 36-Jährigen. "Denn ich bin eher der Fahrradfahrertyp." Diese Disziplin nahm Sonja am nächsten Tag mit ihrer Freundin Stephanie Vetter in Angriff. 20 Kilometer mussten beide strampeln. "Wir sind von Kulmbach über Untersteinach, Neuenmarkt, Schlömen, Trebgast, Ködnitz wieder zurück nach Kulmbach gefahren", erzählt Sonja Deichsel. Und direkt danach zogen beide noch einmal die Laufschuhe an. "Wir wollten mal sehen, wie es sich anfühlt, wenn man vom Fahrrad absteigt und danach noch laufen muss", sagt Sonja Deichsel. Zwar standen nur noch zwei Kilometer auf dem Programm, "doch die können ganz schön lang sein", meint die Wettkampf-Novizin.

Erste Lauferfahrungen haben beide durch das "Lauf10!"-Projekt der LG Ludwigschorgast gesammelt. Dabei kam Sonja und Stephanie die Idee, sich auch einmal bei einem Triathlon zu versuchen. "Das schaffen wir auch!", sagten sie sich.

Doch der Stress eines Wettbewerbs ist nicht jedermanns Sache. Gerade für Anfänger wie sie sei ein virtueller Wettkampf auf einer selbst gewählten Strecke, zu einer Startzeit ganz nach Lust und Laune und vor allem ohne Publikum ein perfekter Einstieg, findet Sonja Deichsel. "Es gab viele wie meine Frau, die sich dadurch erstmals an einen Triathlon herangetraut haben", freut sich ihr Mann Benedikt. "Die Hemmschwelle ist einfach niedriger."

Laufstrecken für Kinder

Für den Nachwuchs standen nur Laufstrecken auf dem Programm. Auch die beiden Deichsel-Kinder Jakob (7) und Noah (5) machten mit. 600 Meter mussten die Buben in der Altersklasse U8 bewältigen. Der bald zwölfjährige Felix Töpfer aus Rugendorf lief zwei Kilometer - und das in 11:18 Minuten ziemlich schnell. Kein Wunder, ist er doch ziemlich sportlich. "Ich spiele Fußball beim VfB Kulmbach und Tischtennis beim TTC Rugendorf", sagt Felix. Er geht in die 6. Klasse des CVG-Gymnasiums, die fast geschlossen am Triathlon teilnahm. Die Schule, an der auch Benedikt Deichsel unterrichtet, stellte mit über 50 Jungen und Mädchen die meisten Teilnehmer im Nachwuchsbereich. Insgesamt beteiligten sich 97 Nachwuchssportler, auch animiert von der Aktion "Da geht was!" des Landkreises Kulmbach - eine stolze Zahl.

Felix Töpfer erzählt, wie er zur Teilnahme gekommen ist. "Unser Lehrer Herr Deichsel hat im Homeschooling die Klasse gefragt, ob wir beim Triathlon mitmachen wollen." Mit seinem Fahrrad hat er vorher die Strecke auf dem Radweg an der B 303 vermessen.

Sonja Deichsel und Stephanie Vetter wollen auch im nächsten Jahr wieder beim Tennet-Triathlon teilnehmen - der dann hoffentlich wieder wie gewohnt rund um den Trebgaster Badesee stattfinden kann. Ihr Ziel ist dann der Start im Schnupperwettbewerb über alle drei Disziplinen. "Ich habe jetzt mit dem Kraulen angefangen", sagt Stephanie Vetter.