Zum gleichen Thema wird uns geschrieben:

Meine in dieser Gemeinde lebende Familie und ich sind entsetzt: So ein riesiges Verkehrsprojekt mag in eine Großstadt passen, aber doch nicht in euer Maintal.

Emotional sind die Argumente der Kauerndorfer Anlieger verständlich. Und doch kommt man nicht umhin, abzuwägen zwischen ihren Bedürfnissen und denen der Öffentlichkeit. Wiegen nicht die Interessen von 80 Millionen Bundesbürgern schwerer als die der zehn Anlieger? Aus verkehrstechnischer Sicht ist ein Ausbau der Ortsdurchfahrt nicht notwendig, schon gar nicht eine derart gigantische Umfahrung mit Tunnel und so weiter.

Die derzeitige Situation könnte unverändert bleiben. Schließlich leben viele Millionen Menschen in Deutschland ebenfalls an sehr verkehrsreichen Straßen, auch Ortsdurchfahrten. Ich gehöre ebenfalls dazu. In Großstädten ist das gar die Regel.

Aufgrund der in den letzten Jahrzehnten betriebenen Verkehrspolitik wurden immer mehr Straßen zu halben Schnellstraßen ausgebaut, was stets zu einer Zunahme der Verkehrsdichte und obendrein einem gestiegenen Lkw-Aufkommen führte.

Eine gute Alternative wäre gewesen, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen und das Schienennetz stärker auszubauen. Diese verkehrspolitisch bedeutsame Weichenstellung wurde jedoch in den letzten Jahrzehnten versäumt. Die Folgen beklagen wir nun hautnah in Kauerndorf.

Ohne Frage führt mehr Verkehr auch zu einer schleichenden Entwertung der vom Lärm und Abgasen betroffenen Häuser. Mit jedem Pkw oder Lkw mehr, der durch Kauerndorf rollt, sinkt der Verkehrswert der daran anliegenden Wohnhäuser. Doch das liegt leider im Risikobereich eines jeden Hauseigentümers, der sich für diesen Standort dicht neben der Bundesstraße entschieden hat.

Das gleiche Schicksal erleiden Millionen andere Hausbesitzer auch. Unser Staat wäre finanziell völlig überfordert (oder müsste die Steuern erhöhen), wollte er in diesen unzähligen Fällen den verkehrsbedingten Immobilienpreisverfall ausgleichen. Jedem Anlieger, der den Lärm dort nicht mehr ertragen kann und lieber im Grünen wohnen möchte, bleibt somit wohl nur die Möglichkeit, zu verkaufen und wegzuziehen, auch wenn er nicht den Preis bekommt, den er erwartet.

Wütend bin ich über die Arroganz der Behörden und der Politiker, denen wir diesen groben Unfug der utopisch teuren Ortsumfahrung zu verdanken haben. Selbst der für Kauerndorf zuständige Gemeinderat stellt sich geschlossen hinter das Projekt. Er unterstützt nicht nur die Zerstörung seiner eigenen Heimat, sondern auch eine in ihrem Ausmaß nicht zu überbietende Steuerverschwendung. Was könnten wir nicht alles mit diesen 90 Millionen Euro Vernünftiges anfangen?

Jürgen Mahlke

Berlin