Michael Busch Die Ausbreitung der Atemwegserkrankung Covid-19 führt vielerorts zu verstärkten Einreisekontrollen, Gesundheitsprüfungen mit Temperaturmessungen und Einreisesperren. So auch in der Herzogenauracher Partnerstadt Kaya. Bei den Reisewarnungen kann man lesen: "Bitte beachten Sie unsere fortlaufend aktualisierten Informationen zu Covid-19/Coronavirus, insbesondere die derzeit geltende Reisewarnung für alle nicht notwendigen touristischen Reisen." Zudem unterliege weltweit der internationalen Luft- und Reiseverkehr zunehmend drastischen Einschränkungen, auch in Burkina Faso.

Rosa Abel, zuständig in der Stadt Herzogenaurach für die Städtepartnerschaft nach Kaya, hat sich beim Amtsleiter der Stadt Kaya, Jacob Koudougou informiert, wie es in Kaya selber aussieht. "Momentan gibt es dort keine Coronafälle", habe er ihr mitgeteilt. Aber in Burkina Faso sei die Krankheit längst angekommen. Über 100 Fälle sind registriert, die meisten in der Hauptstadt Ouagadougou. Eine Stadt mit über zwei Millionen Einwohnern.

Die Flughäfen von Ouagadougou und Bobo-Dioulasso sind für kommerzielle Flüge seit dem 21. März geschlossen, ursprünglich waren zwei Wochen geplant. Ausgenommen sind Inlandsflüge, Militärflüge und Fracht. Gleiches gilt für die Landgrenzen sowie den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr, ausgenommen Frachttransporte. Der Busverkehr zwischen allen Städten und Orten des Landes sowie innerhalb der Städte ist eingestellt.Für das ganze Land gilt eine Ausgangssperre von 19 bis 5 Uhr - und das auf unbestimmte Zeit.

Flüchtlinge in der Stadt

Die Städte Ouagadougou, Bobo-Dioulasso, Boroma, Koudougou, Banfora, Houndé, Dedougou und Zorgha sind wegen Covid-19-Fällen seit dem 27. März für zwei Wochen komplett abgeriegelt, das heißt der Personenverkehr in diese Städte und aus diesen Städten ist unterbunden, Frachtverkehr erlaubt.

Der Ausnahmezustand hat in dem Land, aber auch in der Partnerstadt Kaya besondere Auswirkungen. Reisebeschränkungen, Ausgangssperren und erleichterte Hausdurchsuchungen sind möglich. Das ist zumindest in den Reisewarnungen zu lesen. Wie die Realität aussieht, kann man vermutlich nur erahnen. Generell mag es gelten, dass Menschenansammlungen weiträumig zu meiden sind, dass den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte Folge zu leisten ist. Aber Kaya kämpft immer noch mit den Problemen der Ströme an Flüchtlingen, die die Stadt im vergangenen Jahr erreicht haben. Weit über 100 000 Menschen haben in der Stadt Zuflucht gesucht. Rosa Abel sagt: "Wenn ich daran denke, was für Probleme dort sind. Überschwemmungen, Hungersnot, die Flüchtlinge - und jetzt auch noch Corona!" Gerade bei der Frage der Flüchtlinge habe man von Herzogenaurach helfen können. So wurden Zelte, die aus dem Erlös des Laufs für Kaya gekauft werden konnten, für die Schulen verwendet werden. Kayanische Kinder und Flüchtlingskinder lernen in diesen "Ersatzschulen" gemeinsam. Abel appeliert hoffnugnsvoll: "Selbstverständlich braucht Kaya jetzt auch noch Hilfe." Die Herzogenauracher Bevölkerung habe bisher eine große Spendenbereitschaft gezeigt und Abel hofft, dass diese erhalten bleibt - trotz der eigenen Krise vor der eigenen Haustüre.

Schwieriges Gesundheitssystem

Kayas Bürgermeister Boukaré Ouédraogo habe sich bereits mehrfach für diese sehr direkte Hilfe aus Herzogenaurach bedankt. Bevor internationale Hilfe durch die entsprechenden Organisationen eintraf, habe Herzogenaurach die Partnerstadt bereits unterstützt. Abel ist sich sicher, dass in den Flüchtlingslagern diese Hilfe benötigt wird. Dass es aber auch einen Kampf gegen Corona geben wird. "In den Lagern sitzen die Flüchtlinge eng aufeinander, da muss man erst einmal mit klarkommen."

In der Hauptstadt Ouagadougou sind bereit vier Menschen an Corona gestorben. Die offiziellen Fallzahlen des Kontinents sind relativ gering. Etwa 4000 Infizierte aus 43 Staaten wurden der WHO bisher gemeldet. Die Kurven steigen in den Staaten aber exponentiell an.

Der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte in einer Pressemitteilung: "In den kommenden zwei Wochen wird sich das Schicksal Afrikas in Sachen Covid-19 entscheiden." Die dortigen Gesundheitssysteme dürften für die kommende Belastung nicht ausgelegt sein. Das trifft vermutlich alle afrikanischen Staaten, aber eben wohl auch die Herzogenauracher Partnerstadt.

Rosa Abel hofft wie alle Freunde Kayas darauf, dass man wenigstens ein bisschen helfen kann. Auch wenn man eigene, nachvollziehbare Nöte hat.