Es "bewegt" sich was in Coburg - die europäische Mobilitätswoche kommt auch in die Europastadt mit Veste. Das teilt das Bündnis Nachhaltige Mobilität Coburg mit. Coburgs Verbände wollen während der Europäischen Mobilitätswende ein Zeichen setzen.

Am heutigen europäischen "Parking Day" sollen dafür mehrere Parkplätze in Coburg umgestaltet werden. Die Europäische Mobilitätswoche läuft vom 16. bis 22. September und ist eine Initiative der Europäischen Kommission. Seit 2002 bietet sie Kommunen aus ganz Europa die perfekte Möglichkeit, ihren Bürgern die komplette Bandbreite nachhaltiger Mobilität vor Ort näherzubringen.

So soll es auch in Coburg sein, heißt es in der Mitteilung: Gemütliche Aufenthaltsmöglichkeiten, Infostände und ein wenig Stadtbegrünung sind geplant, immer mit Hinweis auf die Abstands- und Hygieneregeln. Von 10 bis 15 Uhr wird es heute in der Ketschengasse eine Kundgebung der teilnehmenden Verbände geben - gemeinsam repräsentieren sie mehrere Tausend Coburger. Diese Verbände sind ADFC Coburg, VCD Coburg, LBV Coburg, Fridays For Future Coburg, Health For Future Coburg, Transition Coburg, Bund Naturschutz Coburg und Reallabor Stadtland der Hochschule Coburg. Gegen 13 Uhr soll es dann offiziell zur Gründung des "Bündnis Nachhaltige Mobilität Coburg" kommen, alle Interessierten sind eingeladen, sich dem Bündnis anzuschließen.

"Es ist einfach großartig, auf wie viel Zustimmung die Idee für eine nachhaltigere Mobilität in Coburg stößt", sagt Johannes Wagner, Mediziner am Klinikum Coburg und Initiator des Bündnisses. "Es ist nämlich noch eine ganze Menge zu tun hier in Coburg. Auf meinem Weg zur Arbeit von der Judengasse ins Klinikum passiert es mir oft, dass ich auf dem Fahrrad mit wenigen Zentimetern Abstand überholt werde und mich zu Tode erschrecke. Wie soll es da alten Menschen oder kleinen Kindern gehen?"

Auch Marita Nehring, Vorstandsmitglied des ADFC, sieht das ähnlich. "Der öffentliche Raum gehört allen und sollte für jeden gefahrlos nutzbar sein." Mit den mittlerweile bekannten Pool-Nudel-Radtouren macht der ADFC schon länger auf das Problem des knappen Überholens mit hoher Geschwindigkeit aufmerksam.

Mehr Raum für Kinder

Stadtplaner und Professor an der Coburger Hochschule Mario Tvrtkovic ergänzt einen weiteren Punkt: "Es ist Zeit für eine Stadtplanung, die den Menschen im Mittelpunkt hat. In Coburg wird noch immer viel öffentlicher Raum für fahrenden und ruhenden motorisierten Verkehr zu Verfügung gestellt - dabei zeigen die Plätze, vollen Cafés und Restaurants am Markt- und Albertsplatz, was die Menschen wollen: Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien, gerade zu Zeiten einer globalen Pandemie! Vor allem braucht es sichere Stadträume für Kinder und ältere Menschen und deren Alltagsmobilität, wie den Weg zur Schule, Begegnungen im öffentlichen Raum, zum Spielen und Spazierengehen. Auch in der Stadt."

92 Prozent der Kinder und Jugendlichen wünschten sich eine bessere Erreichbarkeit für Orte zum Draußenspielen, unter anderem durch sichere Radwege (Deutsches Kinderhilfswerk, Kinderreport 2020). Dazu brauche es ein progressives Vorgehen, Vorbild seien Städte wie Utrecht und Paris.

Kinderbeauftragter Thomas Apfel schließt sich dem an: "Wer als Elternteil mit seinen Kindern auf dem Rad in der Stadt unterwegs ist, der hat es immer mit der Angst zu tun. Wir müssen endlich anfangen, die Verkehrsräume unserer schönen Stadt neu aufzuteilen. Davon profitieren dann auch Familien und Kinder."

Außerdem - und auch das ist seit langem bekannt - braucht es auch in der Coburger Innenstadt mehr Grünflächen, die Schatten spenden und Wasser aufnehmen können. Eine "grüne Innenstadt" kann die Temperatur an heißen Sommertagen um mehrere Grad senken und schafft ein angenehmes Stadtklima - "in Zeiten einer globalen Klimakrise (über)lebensnotwendig im wahrsten Sinne des Wortes", so Helena Lakemann und Noah Meißner von Fridays For Future Coburg.

Versiegelte Flächen aufbrechen

Johannes Wagner bestätigt: Hitzewellen seien gerade für ältere und vorerkrankte Menschen eine große Gefahr. An heißen Sommertagen speicherten versiegelte Flächen dabei viel Wärme und gäben diese in der Nacht ab - so könne man sich in der Stadt nur schwer erholen. Ein Umdenken in puncto Mobilität und öffentlicher Raum komme somit allen zugute. Gerd Weibelzahl vom ökologischen Verkehrsclub VCD appelliert dabei an die Politik: "Die Mobilitätswende ist ein grundlegender Faktor, um die Herausforderungen der Klimakrise zu meistern. Nach den neuesten Zielsetzungen der EU sollen die CO2 -Emissionen bis 2030 um 60 Prozent sinken. Passiert ist allerdings bisher viel zu wenig, auch auf lokaler Ebene in Coburg." "Dabei gibt es viele Ideen", sagt Judith Hojer, Netzwerkmanagerin bei Creapolis. Sie stellt die Verbindungen zu den Experten im Bereich Mobilität der Hochschule her und unterstützt das Bündnis so auf wissenschaftlicher Ebene. red