Das Familienunternehmen Opti Wohnwelt in Niederlauer (Lkr. Rhön-Grabfeld) steigt überraschend bei der bundesweit vertretenen Roller-Möbelkette ein. Das hat Opti-Geschäftsführer Oliver Föst am Montag auf Anfrage dieser Redaktion bestätigt.

Zuerst hatte das Fachmagazin "Inside" über den Kauf berichtet. Demnach liegt der Übernahme ein verwobenes Konstrukt zugrunde: Branchenriese XXXLutz mit Sitz in Würzburg hatte bereits im Herbst 2019 angekündigt, mit 50 Prozent in der Tessner-Gruppe in Goslar einzusteigen. Zu ihr gehören Namen wie Roller, tejo und Schulenburg.

Das Bundeskartellamt hatte daraufhin im vergangenen November grünes Licht für den Einstieg gegeben. Mit der Vorgabe, dass 23 Tessner-Töchter von dem XXXLutz-Schritt ausgenommen und an Dritte verkauft werden müssen. 21 Möbelhäuser davon hat sich nun Opti geschnappt.

Dazu gehört nach Fösts Worten zwar nicht der Roller-Markt in Bad Neustadt, aber der neben Ikea in Würzburg-Lengfeld. Der Markt werde ab Sommer den Namen Opti tragen. "Wir verbreitern unser Einzugsgebiet deutlich", fasst Föst den bundesweiten Einstieg bei Roller zusammen.

Für das Unternehmen am Rand der Rhön bedeutet dies nach den Worten des Geschäftsführers nahezu eine Verdopplung des Umsatzes: 160 Millionen Euro bislang, mit Roller weitere 140 Millionen. Die Zahl der Beschäftigten steige um 700 auf knapp 1800.

Föst spricht in dem Inside-Bericht von einem "Coup", der Opti gelungen sei. Es sei einmalig, "eine so große Zahl an Möbelhäusern auf einen Schlag zu bekommen." Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. "Wenn wir das Gefühl hätten, wir würden uns übernehmen, dann hätten wir es sicher nicht gemacht", wird der Geschäftsführer in den Inside-Bericht zitiert.

Föst sieht die Übernahme von Roller als "Sprungwachstum" seines Unternehmens. Mit ihr wolle Opti sicherstellen, langfristig am Markt zu bestehen. Die Niederlauerer hatten schon in den vergangenen Jahren mit Expansion in diversen deutschen Städten auf sich aufmerksam gemacht.

So eröffnete Opti zuletzt im November mitten in der Bremer Innenstadt eine Filiale. 2018 hatte das Unternehmen im Saarland, in Fulda und bei Cloppenburg neue Adressen eingerichtet. Mit dem Roller-Coup ist Opti Fachkreisen zufolge in die Riege der 20 größten Möbelanbieter Deutschlands aufgerückt. An der Spitze stehen derzeit Ikea, XXXLutz und Höffner. Opti Wohnwelt ist seit 2020 im Einkaufsverband Begros, dem nach eigenen Angaben 17 Möbelunternehmen angehören und den Konkurrent XXXLutz vor sechs Jahren verlassen hatte. Die Würzburger bauten damals mit Giga einen eigenen Großhandel auf, in dem auch Namen wie Poco und Mömax vertreten sind.

Neben seinen Schritten zur Erweiterung hatte Opti im September in anderer Hinsicht bundesweit auf sich aufmerksam gemacht: Das Haus wurde unter nahezu 5000 Wettbewerbsteilnehmern Finalist beim Großen Preis des Mittelstandes.