In den Augen von Rechtsanwalt Bernd Legal war das Verfahren am Dienstag unnötig. "Unter normalen Gründen hätte man keine Anzeige zu erstatten gehabt", so der Lichtenfelser Anwalt in seinem Plädoyer für den Altenkunstadter Mandanten. Das Diebstahlsverfahren am Amtsgericht wies neben einer Unklarheiten auch eine Klarheit auf: dass der familiäre Friede gestört ist.

Eigentlich habe er nur seine Gartenarbeit zu einem Ende bringen wollen, erklärte der 30-jährige Mann, der im Gesundheitswesen tätig ist. Der Garten war derjenige seines Großvaters und an diesem 25. Mai 2018 hätte es gegen 16.15 Uhr noch eines oder zweier Handgriffe nebst Werkzeug bedurft. Dazu, so der wegen Diebstahls angeklagte Mann gegenüber Richter Alexander Zenefels und Staatsanwalt Daniel Killinger, habe er sich aus einem verschlossenen Raum zwei Mörtelkübel und eine Sense geholt. Die Genehmigung des Opas holte er ein. Da der Raum allerdings verschlossen war, behalf sich der 30-Jährige fürs Öffnen des Vorhängeschlosses mittels Bolzenschneider.

Kaum mehr als 30 Euro wert

Ab hier war der Unfriede gegeben, denn er hätte auf diesem Grundstück auch die Zusage seines Onkels erfragen müssen, dem der Raum samt Inhalt noch bzw. eigentlich gehörte. "Ist Ihnen nicht spätestens dann, als Sie sahen, da ist ein Vorhängeschloss, klargeworden, dass die Zustimmung des Opas nicht reicht?", fragte Zenefels den Angeklagten und der erklärte, dass ihm das nicht bewusst gewesen sei. Der Wert der Gegenstände, derentwegen es zum Diebstahlverfahren kam, dürfte kaum höher als mit 30 Euro anzusetzen sein. Auch Legal räumte ein, dass sein Mandant auf wohl "radikal und naive Weise" gehandelt habe.

Doch der 30-Jährige habe anderntags das Schloss ersetzt und seinem Onkel zurückgebracht, so wie auch die Kübel und Sensen wieder ihren Weg zu ihm zurückgefunden haben. "Er hat mir das Schloss auf den Tisch geschmissen, aber ich habe gesagt, das nehme ich nicht an, weil ich nicht weiß, wie viel Schlüssel du dazu noch hast", erklärte hierzu besagter Onkel. Der 56-Jährige machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht nicht Gebrauch und erzählte davon, wie er zum Tatzeitpunkt beruflich unterwegs gewesen ist und durch seine Frau von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt wurde. Der Opa jedenfalls habe zum Tatzeitpunkt nichts mehr zu sagen gehabt und es sei zudem "nicht das erste Mal, dass er bei mir geklaut hat", so der Onkel auf einen zurückliegenden Vorfall mit einem Motorradhelm anspielend. "Ich halte nix von ihm, ich will keinen Kontakt mit ihm haben", so der Mann weiter.

Im Gerichtssaal tauschten die beiden Männer kaum Blicke und der Onkel skizzierte ein wenig schmeichelhaftes Bild von seinem Neffen: "Es kotzt mich an, er glaubt, er ist der King." Allerdings mochte bei Prozessbeobachtern auch die Frage auftauchen, ob hier verletzter Stolz eine Rolle gespielt haben mochte, schließlich habe der Neffe vor Zeiten eine Jobofferte seines Onkels ausgeschlagen. Legal legte eine Verfahrenseinstellung gegen seinen Mandanten nahe, wenngleich dieser um eine Geldzahlung nicht umhin kommen konnte. Der Vorschlag, die Angelegenheit mit Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 150 Euro bewenden zu lassen, wurde auch von der Staatsanwaltschaft akzeptiert.