Kulmbach — Täglich greifen uns Viren und Bakterien an. In den Sommermonaten schafft es das körpereigene Immunsystem meist, die Attacken zu vereiteln. Doch kaum sinken die Temperaturen, kratzt der Hals und die Nase läuft.

Anja Schwengel-Exner, Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung der Verbraucherzentrale Bayern, gibt fünf Tipps, wie man möglichst erkältungsfrei durch die anstehende Grippesaison kommt.

1.Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, es darf aber auch mal Schokolade sein.

"Um Viren und Bakterien bekämpfen zu können, braucht der Körper ausreichend Nährstoffe", erklärt Schwengel-Exner. "Daher ist eine ausgewogene Ernährung für unser Immunsystem sehr wichtig." Es gehe dabei mehr um die Gesamternährung als um einzelne Lebensmittel, verrät sie.

Es gebe Nährstoffe, die unser Immunsystem besonders unterstützen. Darunter fallen Omega-3-Fettsäuren (Fisch, Leinöl, Nüsse) und Gewürze wie Ingwer, Chili, Muskatnuss. Letztere regen durch ihre Schärfe die Durchblutung an, so werden Nährstoffe besser im Körper verteilt. "Wenn man es sich figürlich erlauben kann, darf es aber auch mal Schokolade sein", so die Expertin. Das darin enthaltene Tryptophan ist ein Gegenspieler des Schlafhormons Melatonin. Im Körper wird es zum Glückshormon Serotonin umgewandelt. Das hilft unserem Immunsystem, denn je wacher und fitter wir uns fühlen, desto besser kann der Körper auf Virenangriffe reagieren.

Die gesündere Variante: Erdnüsse, Schalenfrüchte sowie Hafer enthalten ebenfalls Tryptophan. Ein warmes Frühstück regt die Schleimhäute an. Diese sind wichtig für die Immunabwehr. Der Honig beruhigt zusätzlich den gereizten Hals. 2.Ausreichend Trinken! 1,5 Liter mindestens.

Ob Mund, Nase, Rachen oder Darm, Schleimhäute sind die Schutzbarrieren unseres Körpers. Sie verhindern das Eindringen von Viren und Bakterien. Doch dieser Abwehrmechanismus kann nur funktionieren, wenn der Körper mit ausreichend Flüssigkeit versorgt ist, um die Schleimhäute feucht zu halten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 1,5 Liter Wasser pro Tag zu trinken. Bei körperlicher Anstrengung und an heißen Tagen natürlich mehr. Die viele Flüssigkeit ist wohl auch ein Grund für den Mythos der Hühnersuppe. Sie ist das ultimative Hausmittel gegen Erkältung und Grippe.

Ob sie wirklich das Immunsystem stärkt, darüber streiten sich laut Schwengel-Exner noch immer die Gelehrten. Die darin enthaltenen Zutaten sind jedenfalls leicht verdaulich. Zusätzlich regen die Wärme und der aufsteigende Dampf der Suppe die Schleimhäute an, ihre Durchblutung wird gefördert. "Man inhaliert also gleich beim Essen mit." 3. Statt Nahrungsergänzungsmittel lieber zu Fisch oder Öl greifen. "Ernährungstechnisch sind wir in Deutschland gut versorgt", erklärt Schwengel-Exner. Sofern also kein akuter Mangel besteht, sind Nahrungsergänzungsmittel unnötig. Im Gegenteil: "Ihre Wirksamkeit ist nicht nachweisbar." Überschüssiges Vitamin C zum Beispiel wird wieder ausgeschieden. Vorbeugend Tabletten einzunehmen bringt demnach nichts, denn was der Körper akut nicht braucht, scheidet er gleich wieder aus. "Wie eine Kollegin sagte: ,Man vergoldet damit seinen Urin'."

Besteht aber eine tatsächliche Unterversorgung, sollte diese ausgeglichen werden, andernfalls ist der Körper zu sehr mit der Behebung des Mangels beschäftigt und kann sich nicht auf die Immunabwehr konzentrieren.

4. Joggen? Nicht unbedingt, lieber mit dem Hund raus.

Das Immunsystem lässt sich nicht nur über die Ernährung stärken, auch ein ausgeglichener Tagesablauf mit ausreichend Bewegung und genug Schlaf trägt dazu bei. Denn ein ausgeruhter Körper bedeutet eine gute Immunabwehr. Stress hingegen beeinflusst unsere Widerstandsfähigkeit nachweislich negativ. "Bewegung ist zwar wichtig, aber gleich Joggen zu gehen ist nicht notwendig", so die Expertin. Es reiche auch, die Treppe statt des Aufzugs zu nehmen oder täglich 30 Minuten spazieren zu gehen.

"Einfach in der Mittagspause um den Block laufen", empfiehlt sie. Auch wenn es kalt ist, raus an die frische Luft und in die Herbstsonne, denn nur so kann der Körper Vitamin D bilden. Das "Sonnenvitamin" ist ein zentraler Baustein unseres Immunsystems. 5. Wechselbäder stärken das Gefäßsystem.

Werbespots machen uns weis, wir müssten täglich durch das Eismeer Islands "bis zur Boje und zurück" schwimmen, um unser Immunsystem auf den Winter vorzubereiten. Aber ob im Isländischen Meer oder unter der heimischen Dusche, Schwegel-Exner hält nicht viel vom Hausmittel des Kälteschocks. "Wechselbäder sind geeigneter. Denn Warm- und Kältereize machen den Körper fitter und steigern seine Widerstandsfähigkeit." Sie helfen auch bei chronisch kalten Füßen.