Der BLLV-Kreisverband hatte im Gasthof "Post" Kreisheimatpfleger Günter Lipp zu Gast, der sich in diesem Vortrag das Thema "Reformation und Gegenreformation im Eberner Land" vorgenommen hatte. Eingangs bestätigten die Mitglieder die Delegierten für die BLLV-Bezirksdelegiertenversammlung, Vorsitzende Birgit Finzel und Manfred Zimmer.
Eigentlich wollte Günter Lipp nur etwas zum Reformationstag 31. Oktober sammeln, doch das Thema nahm ihn so gefangen, dass daraus schnell eine kleine Kirchengeschichte über die letzten fünf Jahrhunderte des Eberner Raumes wurde. Bei seinen Nachforschungen musste er auf "die bewährten Quellen" zurückgreifen, nämlich Georg Ludwig Lehnes, Stadtschreiber Georg Greb und Julius von Rotenhan. Mit dem Vortrag spannte der Kreisheimatpfleger einen Bogen von 1517 bis 1717; die nächsten 300 Jahre werden möglicherweise im kommenden Jahr bei einem BLLV-Nachmittag zur Sprache kommen.
Die Kirche zur Zeit Luthers war an einem Tiefpunkt angelangt: Es gab schlecht ausgebildete, mäßig bezahlte und ungenügend beschäftigte niedrige Geistliche. Die höheren Amtsträger strebten nach Ämtern, Titeln und kümmerten sich vor allem um ihre Pfründe. Der Vatikan selbst war praktisch bankrott, denn teuere Prachtbauten und ein verschwenderischer Lebenswandel hatten riesige Summen verschlungen.
Gleichzeitig herrschte bei der Bevölkerung eine "ungesunde, überhitzte, ja gelegentlich abartige Religiosität": Aberglaube, Wundersucht, Reliquienkult sowie übertriebene Heiligenverehrung und gesteigerte Wallfahrten sind Beispiele dafür.


Antworten auf quälende Fragen

Der Augustinermönch Martin Luther fand die Antworten auf seine quälenden Fragen in der Heiligen Schrift. Dadurch waren ihm Augen, Verstand, Herz und Zunge für die Missstände geöffnet, die nur einen gestrengen, richtenden Gott zeigten. Eine besonders spektakuläre Misere erkannte er in dem stark aufgekommenen Handel mit Ablassbriefen, bei dem es nur um Einnahmen für die Kirche und die Fürsten ging. Deshalb findet sich in der 36. These folgender Satz: "Jeder Christ, der wirklich bereut, hat Anspruch auf völligen Erlass von Strafe und Schuld, auch ohne Ablassbrief."
Luthers Thesenkatalog fand eine ungewöhnlich rasche Popularisierung. Lipp nennt dazu zwei hauptsächliche Möglichkeiten: Verbreitung durch die Kaufleute, beziehungsweise begegneten Studenten aus der hiesigen Gegend Luther persönlich, teilten dessen Ideen und sorgten für deren Bekanntmachung.
Luther ist mehr als einmal auch in die hiesige Region gekommen. Eine Anekdote erzählt, dass ihn die Eberner Bürger nicht in die Stadt ließen. Zur Erinnerung daran stand bis 1825/26 bei der Brücke über den Angerbach ein Denkmal. Es zeigte Luther als Mönch und darüber zwei Heilige, die Dreifaltigkeit und Christus am Kreuz.
Schon bald bekannten sich viele zu Luthers neuer Lehre: Beim Volk, bei den Bauern, ja sogar beim Adel fand sie rasch Anklang. Zwischen 1533 und 1570 sind die östlichen Haßberge fast geschlossen zum Luthertum übergetreten. Wer der neuen Lehre anhing, wurde abschätzig als "Protestant" oder "Lutherischer" bezeichnet; umgekehrt waren die Katholiken als "Baptisten" verschrien.


Echter und die Gegenreformation

Doch "Gegenwind" ließ nicht lange auf sich warten. Nach einigen Fürstbischöfen, die sich mit ihren Bemühungen um Besserung nur bedingt durchsetzen konnten, folgte 1573 in Würzburg ein entschlossener Mann auf den Stuhl des Heiligen Bruno: Julius Echter von Mespelbrunn. Er leitete die Gegenreformation ein. Echter gelang es, die Ausbreitung des lutherischen Glaubens im Bistum zu stoppen und einzelne Gebiete zum alten Glauben zurückzuführen. Zudem richtete er Seminare für den geistlichen Nachwuchs ein, förderte das Schulwesen, reformierte durch neue Kirchenordnungen Stellung und Leben seiner Priester und ließ sie jährlich durch seinen Geistlichen Rat oder die Dekane streng visitieren. Während seiner Regierung wurden lutherische Lehrer, Richter und Geistliche durch ergebene Katholiken ersetzt. Die Religion wurde zum Disziplinierungsmittel.
Belegt sind auch Auseinandersetzungen, zum Beispiel zwischen Ludwig von Hutten und Seyfried von Stein in Maroldsweisach oder zwischen Julius Echter und den Freiherren von Rotenhan in Fischbach und Eyrichshof, um nur einige zu nennen. Doch trotz aller Bemühungen der Fürstbischöfe konnte die evangelische Sache nicht mehr zurückgedrängt werden. "Nur in Ebern, Kirchlauter und Pfarrweisach konnte sie auf Dauer nicht Fuß fassen", sagte Kreisheimatpfleger Lipp wörtlich. jf