Michael Busch Erinnern Sie sich noch an das Applaudieren von Balkonen zu Beginn der Corona-Pandemie? Applaus für die Pflegekräfte und Krankenhausmitarbeiter, die in schwierigen Zeiten aus Sicht der Applaudierenden Unglaubliches geleistet haben. Auch Politiker waren schnell dabei, um entsprechende Würdigungen vorzunehmen, die letztlich in einer Sonderzahlung von nunmehr 1000 Euro mündeten. Eine kleine Anerkennung, aber immerhin eine Anerkennung.

Jennifer Dück und Julia Bohne können nur gequält lächeln. Der Applaus tat der Seele gut, das Versprechen eine Sonderzahlung zu bekommen, wurde in dem eh' nicht übermäßig bezahlten Job positiv erwartet. Doch auf das Geld warten die beiden heute noch. Wie viele sogenannte OTAs - operationstechnische Assistenten -, die dieses Geld eben nicht erhalten haben. Und wohl, laut dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, nicht erhalten werden.

Dieses Geld erhalten nämlich "nur" die Gesundheits- und Krankenpfleger. Was die 36- und die 25-jährigen Mitarbeiterinnen des Klinikum Nord in Nürnberg allerdings aufregt, ist die wohl bestehende Unwissenheit, wer was an einem Klinikum macht. "Wir machen exakt dieselben Aufgaben wie diese Berufsgruppe", erklärt Dück. Und Bohn ergänzt: "Lediglich der Ausbildungsweg unterscheidet sich." Aber in der Praxis arbeiten OTAs und Gesundheits- und Krankenpfleger Hand in Hand. Man steht ebenso zusammen am Operationstisch, man kümmert sich um die Patienten, man bewältigt die anfallenden Aufgaben.

Bürokratie gewinnt

Sollte ein OTA ausfallen, dann kann auch ein Gesundheits- und Krankenpfleger einspringen - und umgekehrt. Eins zu eins, ohne dass der Patient Angst haben muss, dass der jeweils Pflegende eine mindere Qualifikation als der andere habe. "Dort, wo entschieden wird, dass es den Corona-Bonus gibt, wird das völlig verkannt", sagen die beiden. Bereits beim Antrag musste man die Berufsgruppe ankreuzen. Sie hätten sich gar keine Gedanken gemacht, dass es dadurch zu einer ungleichen Behandlung kommen könnte. "Unsere Klinik steht da ja auf unserer Seite. Die mussten den Antrag ja mitunterschreiben", erzählen die beiden.

Aus dem Ministerium gibt es eine lapidare Antwort, nachdem Dück ihr Unverständnis geäußert hat. "Ein Krankenpfleger ist eine examinierte Pflegekraft und fällt daher in den Kreis der Begünstigten nach der Richtlinie. Eine OTA ist keine examinierte Pflegekraft und fällt aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Funktionsdienst nicht in den Bereich der Begünstigten." Skurrilerweise heißt es in demselben Schreiben: "Sollten Sie also während der Corona-Pandemie nicht als OTA, sondern in einem Pflegeberuf (...) eingesetzt gewesen sein."

Wertschätzung sieht für die beiden medizinischen Kräfte anders aus. "Unkompliziert und wertschätzend sollte es sein", sagt Bohne. Dück ergänzt: "Davon spüren wir wenig." Bürokratie statt echtem Dank, das ist der Eindruck, der sich aufdrängt. Die beiden stehen stellvertretend für die vielen OTA und sicher auch anderes medizinisches Fachpersonal, das trotz aller Versprechungen nun leer ausgeht. Es bleibt bei dem Bonus Applaus vom Balkon.