Der DGB Oberfranken prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor im Landkreis Kronach an. Mit 23,1 Prozent sei das Niedriglohnrisiko hier eines der höchsten im Freistaat. Die Daten stammen aus dem neuen Report "Tatort Niedriglohn in Bayern"1, den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

Mathias Eckardt, DGB-Regionsgeschäftsführer in Oberfranken, hierzu: "Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kolleginnen und Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden."

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine im Landkreis Kronach mehr als 4000 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig Kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (42,2 Prozent). Aber auch in den Wirtschaftszweigen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (34,2 Prozent) sowie Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (28 Prozent) erhalten viele Beschäftigte einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde. "4000 Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs in Kronach. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs", so Eckardt.

"Vergabe ohne Lohndumping"

Es sei dringend geboten, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen. Auch die kommunale Ebene müsse ihrer Verantwortung gerecht werden. Öffentliche Aufträge müssen daher an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden. Eckardt: "Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können. Auch im Landkreis Kronach brauchen wir daher eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping." red