Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) prangert den umfangreichen Niedriglohnsektor im Landkreis Kulmbach an. Mit 17,8 Prozent sei das Niedriglohnrisiko hier eines der höheren im Freistaat, heißt es in eine Pressemitteilung. Die Daten stammten aus dem neuen Report "Tatort Niedriglohn in Bayern", den der DGB Bayern in Zusammenarbeit mit der Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) erstellt hat.

Mathias Eckardt, DGB-Regionsgeschäftsführer in Oberfranken, stellt hierzu fest: "Niedriglöhne sind kein Randphänomen mehr. Sie sind auch im reichen Bayern Alltag für rund eine Million Arbeitnehmer. Als Gewerkschaften wollen wir uns mit diesem Zustand nicht arrangieren. Wir wollen es nicht hinnehmen, dass große Teile unserer Kollegen vom wachsenden Wohlstand abgekoppelt sind und mit Armutslöhnen abgespeist werden."

Gemäß einer Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit sind alleine im Landkreis Kulmbach mehr als 3100 Vollzeitarbeitsplätze dem Niedriglohnsektor zuzurechnen. Besonders hoch ist das Niedriglohnrisiko für Beschäftigte im Wirtschaftszweig kaufmännische Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus (30,6 Prozent). Aber auch in den Wirtschaftszweigen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit (28,3) sowie Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung (21) erhalten viele Beschäftigte einen Lohn unterhalb der bundesweiten Niedriglohnschwelle von 11,21 Euro pro Stunde.

"3100 Niedriglöhner in Vollzeit sind aber leider nur die Spitze des Eisbergs in Kulmbach. Hinzu kommen noch Teilzeitkräfte und Beschäftigte in Minijobs", so Eckardt weiter.

Für den DGB ist klar: Auch die kommunale Ebene müsse ihrer Verantwortung gerecht werden. Öffentliche Aufträge müssten daher an die Tarifbindung und damit an ordentliche Löhne gekoppelt werden. Eckardt: "Wir sehen ganz klar den Zusammenhang zwischen Tarifbindung und guten Löhnen. Während das Niedriglohnrisiko der Beschäftigten ohne Tarifbindung 2018 in Bayern bei 21,1 Prozent lag, galt dies für nur 8,1 Prozent der Beschäftigten mit Tarifbindung. Es muss im Interesse der öffentlichen Hand liegen, dass die Menschen von ihrer Arbeit leben können und im Alter gut versorgt sind. Auch im Landkreis Kulmbach brauchen wir daher als Anfang eine Auftragsvergabe ohne Lohndumping."

Darüber hinaus muss laut DGB die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden. "Hier ist ein Tatort entstanden, der den betroffenen Menschen Perspektiven auf ein gutes Leben raubt. Ein Tatort, der durch niedrige Löhne, die kaum zum Leben und erst recht nicht für das Alter reichen, die Luft zum Atmen nimmt. Hier ist ein Tatort, der zur Spaltung unserer Gesellschaft beiträgt. Dies gilt es umzukehren." red