Einstellungsstopp bei den Schwestern. Fachärztemangel in der Kinderklinik. Auflösung der Kinder-Intensivstation. Gerüchte, die kursieren. Eltern sind verunsichert. Der Ruf von Regiomed hat in den vergangnen Monaten gelitten. Mangelnde Transparenz und Verluste in Millionenhöhe schüren offensichtlich Ängste.

"Dabei gibt es dafür gar keinen Grund", wie Chefarzt Dr. Peter Dahlem klarstellt. Zumindest, was die Kinderklinik betrifft. Sie sei ein Paradebeispiel für positive Entwicklungen. Anders als noch vor Jahren prognostiziert, steigt die Geburtenrate stetig. Verbuchte Coburg 2015 noch 1055 Geburten, waren es 2018 1180.

Durch den Zusammenschluss mit Regiomed habe sich das Einzugsgebiet für die Kinderklinik so vergrößert, dass über mangelnde Auslastung nicht geklagt werden könne. Ganz im Gegenteil, wie Dahlem versichert. "Wir haben eher manchmal ein Kapazitätenproblem." Die acht vorhandenen Intensivplätze sind regelmäßig besetzt. Dies mag nicht verwundern, sind doch auch die Zahlen von Risikoschwangerschaften gestiegen und damit die Geburtenzahlen von Frühgeborenen, die in der Regel auf der Intensivstation versorgt werden.

"Am Level 1 des Mutter-Kind-Zentrums wird nicht gerüttelt", macht Dahlem deutlich. Sowohl die heimsche Wirtschaft als auch die Politik habe erkannt, dass die medizinische Versorgung der Region ein wesentlicher Standortfaktor ist.

Beim Personal gebe es keine Lücken. Seit der Personalschlüssel vor ein paar Jahren verbindlich festgelegt wurde, erfüllt Coburg die Mindestvoraussetzungen zu nahezu 100 Prozent. Das werde streng überprüft, betont der Chefarzt.

Was den Fachärztemangel betrifft, gibt sich Dahlem eher gelassen. Im Herbst erwartet das Klinikum die Medizinstudenten aus Split, die dort bereits drei Jahre studiert haben und dann in Coburg am Klinikum arbeiten. "Es gibt einige davon, die schon jetzt gesagt haben, sie möchten später als Arzt in unserer Kinderklinik arbeiten", freut sich Dahlem. Ganz besonders, weil er sie selbst ausbilden kann. Das Medizinstudium bei Regiomed sei ein Erfolgsmodell, für das er gerne werbe.

Kinderklinik - Elternhotel

Zu den räumlichen Bedingungen in der Kinderklinik: "Wir machen das Beste daraus", sagt Dahlem, wohlwissend, dass die Möglichkeiten begrenzt sind. Der Bedarf werde derzeit geprüft. Man erkenne schon, dass es manchmal eng zu gehe. 5000 Elternübernachtungen im Jahr sprechen da für sich. "Für ein Elternhotel sind wir nicht ausgelegt - zumal die Klinik zu einem Zeitpunkt gebaut wurde, da man noch von einem starken Geburtenrückgang ausging", erläutert Dahlem. Auch er würde sich natürlich mehr Einzelzimmer wünschen. Derzeit seien die Hygienefällen und besonders schwer kranke Kindern vorbehalten. Eine Modernisierung sei durchaus angebracht. Dennoch betont er: "Wir tun unser Bestes und was gemacht werden muss, wird gemacht!" Eine Elternbefragung zu diesem Thema laufe bereits.

Verlegt werden in Coburg Kinder mit einem angeborenen Herzfehler, bei Nierenversagen, bei schwersten Brandverletzungen und komplexen Missbildungen. Dank der Kinderchirurgie, die am Klinikum etabliert werden konnte, hat sich das Leistungsspektrum in den vergangenen Jahren noch erweitert.

Auch im Hinblick auf die Nachsorge von Frühgeborenen ist die Kinderklinik neue Wege gegangen. Dahlem spricht sogar von einem Meilenstein, der gesetzt wurde. In zwei Nachsorgeangeboten ("Harl.e.kin" und "Bunter Kreis") wird dafür Sorge getragen, dass sich Eltern nach der Entlassung nicht allein und unsicher fühlen. Das Klinikum unterstützt die Eltern durch Fachpersonal, das auch nach Hause kommt. Je nach Schweregrad der Erkrankung des Kindes betrifft das Pflegepersonal, Schwestern oder Ärzte. "Wir arbeiten Hand in Hand mit den Familienhebammen und ambulanten Pflegediensten", macht der Chefarzt deutlich.