Die Stadt soll ein sogenanntes Gemeindeentwicklungskonzept bekommen. Das beschloss der Münnerstädter Stadtrat einstimmig nach einem Vortrag des leitenden Baudirektors Robert Bromma vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken (ALE) in Würzburg. Dazu muss ein qualifiziertes Planungsbüro beauftragt werden, dessen Kosten bis zu 75 Prozent übernommen werden.

Doch auch Stadtrat und Bürger sollen aktiv an der Ausarbeitung mitarbeiten Die Gemeindeentwicklung ist nur eines von mehreren Instrumenten der Ländlichen Entwicklung, mit denen das ALE arbeitet. Robert Bromma nannte hier die integrierte ländliche Entwicklung, die Dorferneuerung, die Flur- und Waldneuordnung sowie ländliche Infrastrukturvorhaben mit der Schaffung von Kernwegen, Rad- und Wirtschaftswegen. Die Gemeindeentwicklung soll dazu dienen, neue Ideen und langfristige Strategien für die künftige kommunale Entwicklung zu erarbeiten.

Zum Beispiel sollen Schwerpunktprojekte für die Orts- und Siedlungsentwicklung unter Berücksichtigung des demografischen Wandels benannt werden. Einzelprojekte sollen aufeinander abgestimmt werden, um den Schwerpunkt stärker auf die Zukunftsfähigkeit der Gesamtstadt zu lenken. Fundierte Grundlagen für künftige Entscheidungen des Stadtrates sollen geschaffen werden, damit dieser nicht nur auf Anfragen und Wünsche von außen reagieren, sondern selbst steuern und gezielt neue Projekte initiieren kann.

Die Vorteile der Gemeindeentwicklung sind, sagt Robert Bromma, die ganzheitliche Planung, die breite Beteiligung der Bürger, der gezielte Einsatz von Finanz- und Fördermitteln. Es gebe in diesem Prozess keine Verlierer und Gewinner. Der Stadtrat sei Entwicklungs- und Entscheidungsgremium.

Schließlich biete das Konzept auch eine Entscheidungshilfe für Prioritäten. Er vergaß aber auch mögliche Risiken nicht: Die Erwartungshaltung könne hoch werden, ein Interessenkonflikt zwischen Bürgern und der Politik sei möglich, und es könne zu unerwünschten Ergebnissen kommen. Die Motivation müsse im Prozess bei der Realisierung hochgehalten werden. Der Weg zum fertigen Gemeindeentwicklungskonzept ist lang.

Zur Vorbereitung soll mit Unterstützung des ALE ein Leistungskatalog erstellt werden, dann sucht die Stadt ein qualifiziertes Planungsbüro und erstellt einen Förderantrag für ihr Konzept beim ALE. Dieses gibt 75 Prozent, maximal 50 000 Euro.

So könnte das ganze Verfahren laut Robert Bromma laufen: Zuerst ein Seminar an der Schule für Dorf- und Flurentwicklung in Klosterlangheim, dann eine Auftaktveranstaltung, sogenannte Schlüsselpersonengespräche, Ortsbegehungen und Dorfwerkstätten, Themenwerkstätten, Ausarbeitung der Maßnahmen und Ortsteil-Steckbriefe, Beteiligung der Fachbehörden, Klausurtagung in Klosterlangheim mit dem Stadtrat usw., Fertigstellung und Prüfung des Gemeindeentwicklungskonzeptes und schließlich Abschlussveranstaltung und Stadtratsbeschluss. Besonderen Wert wird bei der Ausarbeitung auf die Bürgerbeteiligung in vielfältiger Form von Bürgerversammlungen bis Ortsbegehungen und Dorfwerkstätten gelegt. Folgende Erkenntnisse sollen aus dem Prozess gezogen werden: Die Auseinandersetzung mit den einzelnen Stadtteilen ist für die Gesamtentwicklung der Stadt entscheidend. Die Gemeindeentwicklung ist die strategische Ebene der Stadtratsarbeit. Die Prozessplanung wird als neues Element in die Gemeindepolitik eingeführt. Es soll eine neue Beteiligungskultur geben. Der Stadtrat ist nicht nur Entscheidungsgremium, sondern selbst als Entwicklungsgremium aktiv.