Was ihr im Leben immer am meisten bedeutet hat, war ihr Mann, ihre Familie und ihre Freude am Nähen und Schneidern. Dieser Dreiklang hat sie stets glücklich und zufrieden gemacht.
Jetzt feierte Anna Onczul aus Forchheim ihren 90. Geburtstag. Und da hatte die gut aussehende und liebenswerte Seniorin viel zu erzählen. Als gelernte Damenschneiderin hat sie nämlich einen guten Blick für Eleganz entwickelt, der Anna Onczul bis heute wichtig ist und der an ihrem Ehrentag nicht zu übersehen war.


Zuversicht und Feingefühl

Anna Onczul ist eine Frau, die mit viel Optimismus, Feingefühl und Zuversicht ihr Leben gemeistert hat. Sie würde gerne noch, aber sie kann nicht mehr so wie sie will. Das Laufen geht ohne Rollator nicht mehr und "nähen kann ich auch nicht mehr". Dabei war es doch gerade diese Handarbeit, die sie fast durch ihr ganzes Leben getragen hat. Alles begann im ehemaligen Jugoslawien, wo sie 1927 zur Welt kam. Ihre Eltern besaßen eine Landwirtschaft. Sie war das älteste von fünf Kindern. Doch dann kam der Krieg und zerstörte ihre Jugend. 1944, ihr Vater war im Krieg, musste sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern ihre Heimat verlassen. "Wir flüchteten vor den Partisanen im Pferdewagen und durften nur das Nötigste mitnehmen, was man eben tragen konnte", erinnerte sich die Jubilarin.
In Zugwaggons ging es weiter nach Deutschland. In Kulmbach fand sie eine zweite Heimat. Ihre alte Heimat, an die sie oft zurück denkt, hat sie nie wieder gesehen und die fatalen Kriegsereignisse hat sie bis heute nicht vergessen. 1946 heiratete sie ihren Mann Georg, mit dem sie über 50 Jahre Freud und Leid teilte. 1951 kam Sohn Erhard zur Welt. Sie erlernte den Beruf der Damenschneiderin, den sie viele Jahrzehnte ausübte. Genäht habe sie leidenschaftlich gerne - "ihre Nähmaschine steht immer noch da", verriet Enkel Christian.


Zwei Schicksalsschläge

Ein neues Leben fing für sie 1957 an, als sie mit ihrer Familie nach Forchheim zog. Doch ihr Leben hielt für sie auch Tieftrauriges bereit, als sie den Tod ihres Mannes und den ihres einzigen Sohnes betrauern musste.
Ihr Tagesplan ist heute ausgefüllt mit Lesen und Fernsehen. Die Seniorin ist froh "immer wieder einen neuen Tag begrüßen zu können". Ihre ganze Freude bleibt die Familie: die Enkel Michael und Christian, ihr kleiner Urenkel und Schwiegertochter Irmgard, die sich um sie rührend kümmern. Zum Geburtstagsfest waren sie alle da. Neben Bekannten gratulierten Vizelandrat Edgar Büttner, Bürgermeister Franz Streit und Marianne Körber von der Pfarrei Verklärung Christi.