Bernhard Panzer

Es musste schnell gehen. Das war der Hauptgrund, als man sich entschloss, die Kindertagesstätte im neuen Baugebiet Reihenzach in Modulbauweise zu errichten. Zwischen Idee und Fertigstellung vergehen im Normfall vier Jahre, erläuterte Bauamtsleiterin Silke Stadter. Hier ist es gerade mal ein Jahr seit Stadtratsbeschluss. Der Einzug ist 2021.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, der für das Produkt der Firma Faktor 18 aus Bochum spricht, und der ist energetischer Natur. So hat der Neubau laut Bürgermeister German Hacker mindestens Passivhaus-Standard, er ist aus Holz statt Beton und verfügt über Wärmepumpe, Photovoltaikanlage und Lüftung. Verwendet werden größtenteils ökologische Baustoffe, das Dachgrün wird als Insekten-Biotop gestaltet und gewährleistet eine Regenwasser-Retention, auch gibt es eine Zisterne.

Davon und vom aktuellen Baufortschritt verschafften die maßgeblichen Architekten und Firmenvertreter am Mittwoch einen Einblick auf der Baustelle. Bürgermeister German Hacker stellte, angesichts der ökologischen Leistung und der kurzen Dauer fest, dass diese Kita beispielhaft für andere sein könne.

Mit grünem Daumen

"Wir wollen ökologisch beispielhaft sein", sagte dann auch Architekt Jürgen Bisch (jb-Architekten). Im einzigen Betonteil der Baustelle am Eingang wird später einmal die "Energie" unterkommen. Durch ein Bullauge auf Kinder-Augenhöhe können die kleinen "Bewohner" zuschauen, was da vor sich geht. Die Wärmepumpe arbeitet mit Erdsonden, der Strom kommt von der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Zur Spitzenlastabdeckung und der Warmwasseraufbereitung wird Fernwärme der Herzo Werke genutzt.

Die Lüftungsanlage arbeitet mit Wärmerückgewinnung und ist CO2-gesteuert. Sie funktioniert über ein System von Bodenkanälen und garantiert, wie Bisch weiter ausführte, eine gleichmäßige Luftdurchströmung in allen Räumen. Gerade in Coronazeiten sei dies bedeutend, man müsse kein Fenster öffnen.

Und es gibt sehr viel Grün, um das Gebäude herum und auch auf dem Dach. Dort ist es, wie Landschaftsplaner Bernard Lorenz feststellte, nicht spärlich, sondern intensiv: "Wir wollen Biotope für Insekten schaffen".

Auch die Baufirma Raab arbeitet "mit grünem Daumen", wie Geschäftsleiter Benedict Raab anmerkte. Der Erdaushub werde gleich für den Lärmschutzwall ein paar Meter weiter verwendet.

Bis 15. Januar

Bei aller Freude über die Nachhaltigkeit interessierte Bürgermeister German Hacker aber auch der Baufortschritt, als man auf der Bodenplatte des künftigen Krippen-Bereichs stand. Da verblüffte ihn Bauleiter Jose Canto mit dem Hinweis, dass bis zu diesem Samstag bereits die Wände und das Dach errichtet sein werden. Das Gebäude des Kindergartens soll dann bis 15. Januar stehen.

Errichtet wird die Kita Reihenzach in Modulbauweise. Die Elemente aus Fichtenholz sind seit Augst in der Werkstatt der Firma Faktor 18 angefertigt worden. Es gibt Elemente für Böden, Wände und Decken. Die 71 Bodenelemente sind bereits montiert, ebenso wie Wände und Decken für den Gemeinschaftsbereich, also etwa ein Drittel. 73 Dachelemente wurden insgesamt angefertigt, des Weiteren 103 Wandelemente. Das größte Teil ist laut Bauleiter Canto ein fast zehn Meter langes Deckenelement: 9947 Millimeter lang und 3357 Millimeter breit. Diese knapp dreieinhalb Meter seien für den Transport über die Autobahn kein Problem, man brauche nicht mal einen Schwertransport dazu.