Herr Tremel, das ging ja schnell. Erst Frust in Frohnlach, jetzt volle Pulle Coburg! Wie kam es dazu?

Christian Tremel: Den ersten Kontakt gab es schon vor ein paar Monaten, als Alexander Grau von seinem Amt zurückgetreten ist. Zum damaligen Zeitpunkt war ich aber noch guter Hoffnung, dass man in Frohnlach auch ohne das Engagement der Firma Schillig Landesliga-Fußball spielen kann. Ich wollte es versuchen und nicht einfach bei der nächsten Gelegenheit von Bord gehen. Nach dem bekannten Verlauf haben wir uns im Zusammenhang mit dem Wechsel von Kevin Hartmann nach Coburg erneut ausgetauscht, und ich habe mich dann aufgrund der sehr angenehmen Gespräche und der anstehenden Ziele, die der FC Coburg verwirklichen will, entschieden, ein Teil des Teams zu werden.

Aber Sie waren doch nach eigenen Worten sehr enttäuscht von der Entwicklung in Frohnlach, wollten Abstand vom Fußball und sich ganz um die Familie kümmern?

Ich habe wirklich mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. Es war sehr frustrierend, wenn man bei der Suche nach Sponsoren immer nur Absagen bekommt und trotz der ganzen Bemühungen keinen Schritt weiterkommt. In der Corona-Zeit ist es einfach zu sagen, ich höre auf. Aber jetzt, wo sich alles wieder normalisiert, merke ich, dass mir was fehlt und ich doch noch Lust habe, mich einzubringen. Und nach dem Okay meiner Familie war das dann auch schnell wieder ein Rücktritt vom Rücktritt.

Jetzt also eine neue "Familie". Was ist möglich mit dem FC Coburg?

Die ersten Eindrücke waren durch die Bank sehr positiv. Natürlich gilt es jetzt zu Beginn der Saison die anfallenden Aufgaben neu zu verteilen und diese dann auch zu bewältigen. Aber gerade das ist ja für mich sehr erfreulich, da ich mich nicht mehr um alles kümmern muss. Beim Test gegen Sand (2:5/Anm. d. Red.) war das Ergebnis erst mal zweitrangig. Man hat bewusst viele Spieler aus den Jahrgängen 2002 und 2003 eingesetzt. Der Nachwuchs ist auf dem richtigen Weg ist.

Ist das neue Spielsystem mit zwei kleineren Gruppen ein Vorteil für den FC Coburg oder hätten Sie lieber klassisch, sprich wie immer mit Hin- und Rückspielen gespielt?

Ich persönlich hätte mich auch mit der üblichen Variante anfreunden können. Vorteil der neuen Variante ist, wenn man die Aufstiegsrunde erreicht, dass man frühzeitig weiß, dass man auch in der Saison 2022/23 Landesliga spielt und somit mit der Planung bereits im Herbst beginnen kann. Egal ob man durch Corona nochmals gebremst wird, was natürlich keiner mehr hofft.

Der FC Coburg kickt seit Jahren gegen Dorfvereine - um es einmal provozierend zu formulieren. Ein Dauerzustand oder ist langfristig mehr möglich? Die Bayernliga vielleicht?

Natürlich muss das Fernziel lauten, dass man sich in den oberen Regionen der Landesliga festsetzt und demzufolge vielleicht auch mal das Thema Bayernliga angreifen kann. Aber aktuell muss jeder Verein erst mal schauen, wie er aus der langen Zwangspause herauskommt und sich wieder an der regelmäßigen Spielbetrieb gewöhnen. Ziel in Coburg ist es, sich in der Landesliga zu stabilisieren, damit es nicht wieder ein Kampf gegen den Abstieg bis hin zum letzten Spieltag geben wird. Und da wäre natürlich, wie erwähnt, das Erreichen der Aufstiegsrunde sehr hilfreich.

Wenn man so will, dann hat Corona maßgeblich dazu beigetragen, dass der FCC nicht absteigen musste. Wird die neue Saison wieder eine Zittersaison?

Ich habe schon immer gesagt, dass sich der FC Coburg aufgrund seines Spielermaterials in der letzten Saison weit unter Wert verkauft hat und Spiele hergegeben hat, die vom Spielverlauf einen anderen Ausgang hätte erwarten lassen. Und da gilt es einfach die Überlegenheit im Spiel auch in Punkte umzusetzen.

Mit Sertan Sener hat die Mannschaft ihren wichtigsten, weil besten Spieler, an den TSV Großbardorf abgeben müssen. Wer soll die entstandene Lücke des treffsicheren Ideengebers schließen?

Wer letztendlich die Lücke schließen soll, ist Aufgabe des Trainerteams. Ich weiß, dass da bereits mehrere Varianten in den Köpfen der Trainer existieren. Wie man dann die Lücke schließen wird, wird die Vorbereitung zeigen.

Aller Voraussicht nach Aykut Civelek - der diesjährige Königstransfer des FCC, oder?

Ich bin froh, dass sich Aykut für diesen Schritt entschieden hat. Jeder weiß, welche Qualitäten Aykut hat und dass er in der Lage ist, ein Spiel alleine zu entscheiden. Er ist für mich einer der Unterschiedsspieler, die jede Mannschaft braucht, um die Ziele zu erreichen. Es soll auf aber auch neben dem Platz ein Vorbild gerade für die jüngeren Spieler sein und mit seiner Erfahrung helfen, sich im Landesligabereich zu stabilisieren.

Man hört, dass er vielleicht nicht immer einfach ist. Ich für meinen Teil kann aus unserer gemeinsamen Zeit in Frohnlach absolut nichts Negatives sagen. Und ich habe Spieler, an denen sich andere "reiben" lieber in den eigenen Reihen als beim Gegner. Von daher freue ich mich auf die gemeinsame Zeit in Coburg.

Lars Müller hat während der Corona-Zeit Frederic Martin auf der Kommandobrücke abgelöst. In der Öffentlichkeit ist er relativ unbekannt. Beschreiben Sie doch mal kurz Ihren neuen Cheftrainer mit drei Charaktereigenschaften.

Ich kannte Lars bis dato nicht persönlich, habe ihn aber gerade in der Anfangszeit, als es ja sehr viel zu besprechen und zu regeln gab, als offen, zielstrebig und gradlinig kennengelernt. Und all das sind für mich Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit.

Und wer wird Europameister?

Vor der EM habe ich auf Frankreich als Europameister getippt, da wurde ich nun aber am Montagabend eines Besseren belehrt. Nun sage ich mal Spanien, weil ich weiß, dass die zumindest bei Erscheinen des Interviews noch im Rennen sind... ?

Das Gespräch führte Christoph Böger.