Normalerweise lebt ein gutes Foto von den drei Komponenten Inhalt, Technik und Gestaltung. Doch was passiert, wenn einer dieser drei Schwerpunkte massiv beschnitten wird. Dies ist dann der Fall, wenn die Farbe im Bild wegfällt und alle Bildelemente bewusst auf Schwarz-Weiß reduziert werden.


Pflichtthema beflügelte viele

Plötzlich bekommen Inhalt und Bildaufbau, der zweite Gestaltungsbereich, deutlich mehr Gewicht. Eine Herausforderung für jeden Fotografen, der sich die Mitglieder des Michelauer Fotoclubs mit ihrem Pflichtthema "Schwarz-Weiß" im Februar stellten.
Ob die Fotos dabei Monochrom aufgenommen oder nachträglich per Bildbearbeitung auf die Grauwerte reduziert wurden, machte keinen Unterschied. Entscheidend waren Inhalt und perfekte Umsetzung in die breite Skala von tiefem Schwarz bis zum strahlenden Weiß. Wie schon im Januar war die Zahl der Teilnehmer beeindruckend und das Spektrum der Aufnahmen breit gefächert.
Absoluter Sieger des Schwarz-Weiß-Wettbewerbs ist Herbert Steiner, der es mit gleich dreien seiner vier Aufnahmen unter die Top Five des Monats brachte. Mit Sonnenstrahlen im Hochwald stellte er das "Bild des Monats". Dafür hatte er eine HDR-Aufnahme (ein Foto mit einem extrem hohen Kontrastumfang) auf Schwarz-Weiß reduziert. Die Aufnahme lebt von der hohen Symmetrie - so die Jury - wobei die blendende Sonne geschickt hinter dicken schwarzen Baumstämmen "versteckt" wurde, so dass die hellen Lichtstrahlen wie ein Strahlenfächer links und rechts aus dem Dunkel hervorbrechen.
Eine Aufnahme, die es durchaus verdient hätte, zum Spitzenbild gekürt zu werden, legte Birgit Kirster vor: Ihr Schwarz-Weiß-Bild nimmt Bezug auf die hochaktuelle Flüchtlingsproblematik. Ihr Bild "Angst" zeigt ein perfekt ausgeleuchtetes Porträt eines Äthiopiers, der aktuell beim Bayerischen Roten Kreuz Lichtenfels für achtzig Euro im Monat beschäftigt ist und auf eine dauerhafte Einbürgerung hofft. Das schweißbedeckte Gesicht des Mannes steht in Kontrast zum gefährlich funkelnden Natodraht an einer Grenzanlage.


Licht- und Schattenspiele

Ebenfalls auf Einkaufstour begab sich Susanne Gagel, um die Utensilien für ihr Bild "Maske mit Hut" zusammenzutragen. Kombiniert mit weißen Handschuhen ergaben der schwarze Zylinder und die weiße Maske eine interessante Pose, die die Jury mit einem dritten Platz belohnte.
Die beiden vierten Plätze gingen an Herbert Steiner für sein Katzenporträt "Gimly" und an Marlis Völker für ihr "Spinnennetz", das, von Tautropfen überzogen, im Gegenlicht glitzerte. Seine Erfolgsbilanz vervollständigte Herbert Steiner mit dem Licht- und Schattenspiel in einem alten "Gutshofgewölbe". Die Jury honorierte die besondere Architekturaufnahme mit einem fünften Rang.