Fünf Jahre können eine lange Zeit sein. So lange mussten die Fans des A-Cappella-Chores ausharren, bis die Stimmen von Viva Voce wieder einmal in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer erklingen konnten. Jetzt waren die talentierten und vor Energie sprühenden Sänger wieder in Hammelburg zu sehen und zu hören.

Viva Voce, diesmal nicht als Quintett, sondern als Quartett, folgten gerne der Einladung der Stadt Hammelburg, um im Rahmen der Hamulissimo-Kirchenmusiktage einem begeisterten Publikum musikalische Glücksmomente, sprich einen musikalischen Ohrenschmaus darzubieten. Mit ihrer neuen Show "Glücksbringer" im Gepäck waren sie in Hammelburg eingetroffen, und die Gäste konnten hören, sehen und spüren, dass die Werbung für die erfahrenen Musiker nicht zu viel versprochen hatte.

Zunächst erfüllten zarte hohe und tiefe Töne die blau illuminierte Kirche. Es erklang ein Summen und Tönen, das einem Windhauch glich. Die vielen Konzertbesucher fragten sich gewiss, woher diese ihren Ursprung haben und wurden der Quelle gewahr: Die Sänger von Viva Voce strebten durch die Gänge gen Chorraum, wo sie sich formierten.

Aus den vier geübten Kehlen der Ansbacher erschallte Leonard Cohens "Hallelujah". Ein gekonnter Auftakt. In einem furiosen Spannungsbogen groovten Sänger und Publikum mit "Ain't no montain high enough" weiter, erklärten musikalisch, dass das Leben weiter geht, gaben Einblicke in die Geschichte der Stadtpfarrkirche und priesen gestreifte Jacken. Zart und einfühlsam stimmten sie den "Gentle Shepard" in bester Chorqualität an, und man konnte sich fragen, wozu man eigentlich Instrumente braucht, wenn doch die Stimme ein so wunderbares Instrument sein kann. Jeder der Sänger transportierte das Lied auf seine ganz besondere Art und Weise. Viele weitere Musikstücke verschiedener Genres folgten, und die Sänger begeisterten das Publikum mit ihren abwechslungsreichen und kreativen Zusammenstellungen.

Die Sänger verkündeten, dass "Glücksbringer" das abwechslungsreichste Showprogramm sei, das sie je zusammengestellt haben. Sie versprachen nicht zu viel: Von Balladen über gesungene Psalmen bis hin zu traditionellen Songs - die musikalischen Herren bedienten gekonnt und professionell unterschiedliche Genres und sorgten so für leichte, beschwingte, mitreißende und auch tiefsinnige Momente.

Persönliches schafft Nähe

Es hatte einen besonderen Charme, auch mehr Persönliches über dieses, nicht nur stimmlich, facettenreiche Quartett zu erfahren. Das Publikum konnte daran Anteil nehmen, wie die professionellen Sänger die schwierige und konzertfreie Zeit meisterten. Tenor David Lugert, studierter Sänger und Entertainer mit perfekt sitzender Frisur, arbeitet als Moderator zum Beispiel von digitalen Veranstaltungen und anderen Formaten.

Studierter Musiker (Bariton) und Songschreiber Andreas Kuch, das Nesthäkchen des Quartetts und "menschgewordenes Schlagzeug" faszinierte das Publikum anfangs mit einzelnen Sequenzen seiner mundgemachten Drums. Wer seine Augen schloss , konnte ein komplettes Schlagzeug hören - Vocal Percussions in Perfektion! Der studierte Musiker vereint gerne Traditionelles mit Neuem und hat einen Hang zur Haptik, liebt es, die Noten für seine neuen Lieder und Arrangements noch mit der Hand zu schreiben.

Tenor Bastian Hupfer, der ehemalige Theologiestudent, der seit den Zeiten von Corona wieder seinem Ausbildungsberuf als Schreiner frönt, bereicherte die "Glückbringer-Show" neben seiner Gesangsleistung gekonnt mit witzigen Showeinlagen. Bassist Heiko Benjes verfasst in seinem Beruf als Technikredakteur Gebrauchsanleitungen in verschiedenen Sprachen, wenn er nicht auftreten kann. An diesem Abend jedoch produzierten sie "mundgemachte" Glücksmomente am laufenden Band. Das Stück "You raise me up" ermutigte und baute auf und erinnerte an etwas, was in den letzten eineinhalb Jahren wirklich fast überall gefehlt hatte. Viva Voce ist sich sicher, dass die Durststrecke und das beängstigende Gefühl, ihre Berufung und ihren Beruf als Sänger nicht ausüben zu können, nur zu überwinden war, indem sie es gemeinsam durchstanden.

Sie wurden von "Fastnacht in Franken" ermutigt und schrieben die erste Ballade in 34 Jahren der Geschichte von "Fastnacht in Franken". Dieses Lied "Halt mer zam" ... präsentierten sie auch im Konzert, verbunden mit dem Dank, heute wieder hier singen zu dürfen, um etwas Glück weitergeben zu können.

Frenetischer Applaus, Standing Ovations und einige wohlklingenden Zugaben: Viva Voce hatten ihrem Programmtitel alle Ehre gemacht und Glück, Leichtigkeit und Freude gebracht. Sie deckten dabei auf, dass noch so viel mehr positives Lebensgefühl im Publikum steckte.

Pfarrer Thomas Eschenbacher gab den Konzertbesucherinnen und -besuchern noch einige Tipps mit auf den Weg, wie man das Glück auch im Alltäglichen finden könne. Mit einem vibrierenden "Hallo, Du schönes Franken" und einem zarttönenden Schlaflied verabschiedete sich Viva Voce. So mancher Zuhörer nahm nach dem Konzert Viva Voce auch noch als Glücksbringer in Dosenform mit auf den Heimweg. Die eine oder andere CD könnte das musikalische Glück verlängern und auch zu Hause noch ihre Wirkung entfalten.