Der fast 80-jährige Hermann Meißner aus Wimmelbach will sich nicht damit zufrieden geben, seine Hände in den Schoß zu legen. Schon über 20 Jahre ist er aus dem Berufsleben ausgeschieden und nutzt seinen Lebensfeierabend dazu, in der Region umherzufahren und die "Leute auszufragen": über die Entwicklung der Eisenbahn, über den Bau und die Stilllegung von Bahnhöfen, über die Entwicklung von Verkehrswegen.
Am vergangenen Dienstag stellte er im Rathaus von Mühlhausen sein neuestes Werk vor: Die "Geschichte der Mühlhausener Post" von Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum November 1995. Da verlor die Post von Mühlhausen ihr eigenes Gebäude und zog als Untermieter bei Edeka ein.
Der Autor stammt eigentlich aus Forchheim und war bis zu seinem "Zwangs-Ausscheiden aus Altersgründen" beim Fernmeldedienst in Erlangen und Forchheim tätig. Notrufübertragung beim Bayrischen Roten Kreuz und bei der Polizei gehörte zu seinen Betätigungsfeldern. Er war also viel in der Region herumgekommen und nutzte nun seine Kenntnisse und Erfahrungen, um diese den jungen Leuten weiterzugeben. Wer kann sich heute noch unter einer Daten-Übertragung mit "Kurbel-Telefon", in welches man schreien musste, etwas vorstellen? Heute, wo man mit modernsten Sende- und Empfangsantennen über beliebige Distanzen absolut drahtlos übertragen kann? Der Weg dahin ist Post-Geschichte. Wurden in den Anfängen Telegramme noch mit handgefertigten Lochstreifen-Zeichen ans Ziel geschickt, ist heute der Umgang mit "Whatsapp" beinahe schon den Babys mit in die Wiege gegeben.
Die Entwicklung der Post in Mühlhausen, von der ersten Poststelle, eingeweiht am 1. Januar 1866, bis heute, macht die gewaltigen Fortschritte in der Technik sichtbar und verständlich. Der erste "Post-Expeditor" Mühlhausens war Konrad Ochs. Heute nennt man diese Funktion "Postamtsvorsteher". Meißner hat alle "Postchefs" Mühlhausens in emsiger Kleinarbeit detailliert zusammengetragen. Auch die einzelnen Postboten Mühlhausens sind in der Dokumentation akribisch aufgelistet.


Für den Heimatverein

Bürgermeister Klaus Faatz (CSU) nahm die noch mit Schreibmaschine geschriebene Dokumentation dankend aus den Händen Hermann Meißners entgegen. Er versprach, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Heimatverein Mühlhausen werde sicherlich sehr gern Entsprechendes in die Wege leiten. Der Autor wäre sehr froh, wenn all seine Arbeiten (Eisenbahn, Verkehr, Post) vielleicht sogar einmal in einem Buch zusammengefasst und veröffentlicht würden.