Vor 40 Jahren sorgten die Sex Pistols in London für den Punkurknall und wurden zu Idolen einer frustrierten Jugend, die sich ihre Haare aus Protest bunt färbte. Gäste mit bunten Haaren sah man am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Altenkunstadter Kleinkunstkneipe Nepomuk keine, aber Brandy Schäcks unnachahmlicher Punkurschrei hallte beim Weihnachtsfestival "Rock im Wald" wieder einmal lautstark durch den Saal.
"Es ist die Ursprünglichkeit und Energie dieser Musikrichtung, die mitten ins Herz trifft", sprach Paul Biedermann von der Kronacher Drei-Akkorde-Band The Black Tape vielen der 400 Besucher aus dem Herzen.
Unter den Zuhörern war auch die Kulmbacherin Ingrid Igler, die seit Anfang der 1990er-Jahre bei Euroschäck-Konzerten auf Wolke sieben schwebt. "Die Jungs sind schon so lange im Geschäft und reißen noch immer was", schwärmte sie.
Sänger Brandy Schäck, Gitarrist Ed Bergmann, Bassist Stefan Eggmaier und Schlagzeuger Markus Köstner nahmen die Frau im reiferen Alter und all die anderen Fans mit in ihr ganz spezielles Punk-Rock-Labyrinth, so der Titel eines ihrer Lieder.
Dort brannten "unheimliche Schattenlichter", wurden Fensterträume ausgelebt, öffnete eine Metzgerei ihre Pforten, denn bekanntlich gilt bei Euroschäck noch immer das Motto: "Leben ist Fleisch und wir sind die Fleischer".


Nächstes Jahr Jubiläum

34 Jahre haben die Musiker aus dem Kulmbacher Land nun schon auf dem Buckel und stehen noch immer wie ein Fels in der Punkrock-Brandung. "Seid ihr gut drauf?", fragte Brandy in die Menge und ein vielstimmiges "Yeah" folgte auf dem Fuße. Im nächsten Jahr steht dann das 35-jährige Bühnenjubiläum an: "Das werden wir auf jeden Fall gebührend feiern", versprach Gitarrist Stefan Eggmaier.


Aus Kronach, Schweden und Tirol

Nicht nur die Gruppe Euroschäck punktete an diesem Abend. Auch die eingangs erwähnte Kronacher Gruppe The Black Tape wusste zu überzeugen. Sänger Paul Zimmermann, Gitarrist Benny Krag, Bassist Marcus Renk und Schlagzeuger Christoph Trapper sangen und spielten sich mit 19 fetzigen Zwei-Minuten-Stücken des Punkrock wie "Maps Of The Road" oder "No One To Trust" in die Herzen der Fans, die anfangs noch etwas Ladehemmung hatten, was das Tanzen anbetraf.
Spätestens bei der schwedischen Metalband Black Temple war das Eis gebrochen, machte sich der Tanzvirus breit. Kein Wunder bei einer Gruppe, die von Beginn an den Furor Scandinavicus in sich trug. Während die Musiker druckvolle, mächtige Lärmwände erzeugten, gebärdete sich Sänger Jonas mit seinem manischen Geschrei wie ein Wüterich. Der Schwede haderte mit all jenen, die keine Gefühlsregung zeigen. Vielleicht waren sie aber auch nur vor Ehrfurcht erstarrt? Schließlich bekommt man nicht alle Tage eine Combo zu sehen, die dermaßen unter Starkstrom steht.
Dann folgte mit dem Tiroler Rockduo White Miles für viele die Krönung des Abends - und ein Wiedersehen, das bekanntlich Freude macht. Beim Rock-im-Wald-Festival in Neuensee zählten Medina Rekic (Gesang und Gitarre) und Hansjörg Loferer (Schlagzeug und Gesang) zu den Überraschungsbands. Auch im Nepomuk krallte sich ihr atmosphärisch dichter, lebendiger und vor allem wuchtiger Sound in den Gehörgängen der Zuhörer fest. Die Musiker boten bluesgetränkten Stoner-Rock vom Feinsten, bei dem man mit Blick auf die zweiköpfige Besetzung feststellen musste: Weniger ist oftmals mehr.