von unserer Mitarbeiterin Lisa Kieslinger

Michelau — Frank Spitzenpfeil ist ein Feuerwehrmann durch und durch. Eigentlich ist der 37-Jährige Koch in einem Hotel-Restaurant in Bad Staffelstein. Doch seine zweite Leidenschaft neben dem Kochen gehört ganz klar der Feuerwehr. Im Jahr 1991 kam der Film "Backdraft - Männer, die durch das Feuer gehen" heraus und prägte seine Faszination für die Feuerwehr. Als 15-Jähriger trat er dann ein Jahr später der Jugendfeuerwehr Michelau bei und ist dort bis heute als Zugführer und stellvertretender Jugendwart tätig.
Nach dem Film recherchierte Frank Spitzenpfeil über amerikanische Feuerwachen. Er stieß dabei auf ein Abzeichen der New Yorker Feuerwehr und bestellte sich dieses bei Ebay. Mit dem Verkäufer des Abzeichens kam er per Mail ins Gespräch und merkte schnell, dass dieser in der Wache Dienst tat und sein Sohn, Glen Merkitch, noch immer dort aktiv ist.
Der 11. September 2001 erschütterte neben New York auch die ganze Welt. Die Feuerwehrleute leisteten in dieser Zeit den schwersten Dienst ihres Lebens, auch Frank Spitzenpfeils Freund Glen half bei der Katastrophe am World Trade Center.
Die Stadt München lud Glen und seine Kameraden zur Erholung ein. In einem Hotel in Bad Tölz sahen sich die beiden Freunde zum ersten Mal.

Erster Besuch in der Wache

2002 folgte der Gegenbesuch. Mit einer speziellen Feuerwehrreise kam Frank Spitzenpfeil das erste Mal in seinem Leben nach New York. Neben dem "normalen Touristenprogramm", schaute man sich hierbei auch die Wachen an.
2004 verschlug es den Michelauer nochmals nach New York. Der dortige "Battalion Chief" fand Frank Spitzenpfeil nett und erlaubte ihm, auf dem Löschfahrzeug "Engine 233" mitzufahren. "Mein erster Einsatz war dann ein Fehlalarm", erzählt er. Doch dann warteten richtige Einsätze auf den Michelauer: ein Kleinbrand in der Bahnstation und ein Verkehrsunfall.
In das Team der Wache wurde Frank Spitzenpfeil sofort aufgenommen. "Die Gastfreundschaft ist unbeschreiblich", sagt er. Sogar Bilder von seinen Besuchen hängen in den Aufenthaltsräumen der Wache. "Dort wird man auch mit dem Löschfahrzeug zur U-Bahn gefahren, damit man sicher ankommt", erzählt Frank Spitzenpfeil.
Auf den nächsten Besuch im Jahr 2011 musste er aus Kostengründen länger warten. Doch zum Glück gibt es Medien wie Facebook. Dadurch riss der Kontakt zu Glen Merkitch und den Männern der Feuerwache nicht ganz ab.
Er besuchte damals die Gedenkfeier für die Feuerwehrleute, die am 11. September 2001 ums Leben gekommen sind. "Die New Yorker Einsatzkräfte sind mit 343 Flaggen - symbolisch für die 343 verstorbenen Feuerwehrleute - an den Angehörigen vorbeigelaufen. Wir haben uns dann da angeschlossen", erzählt Frank Spitzenpfeil. Aus der ganzen Welt kamen Feuerwehrleute, um an die Verstorbenen zu gedenken. Auch Deutsche hat der Michelauer dabei kennengelernt.
Für 2014 haben sie sich wieder in New York verabredet. Gesagt, getan. Sehenswürdigkeiten interessierten ihn bei diesem Besuch wieder nicht. Er wollte Dienst tun.
Ganz bis in die Hochrisikozone ließen die New Yorker ihren deutschen Kollegen nicht, das wäre aus versicherungstechnischen Gründen zu gefährlich. "Ich bin mehr im Außenbereich tätig. Schläuche verlegen und solche Sachen", sagt der 37-Jährige.

Unterschiede zu Deutschland

Bei der Vorgehensweise der Feuerwehren in Deutschland und den USA gibt es gravierende Unterschiede. Die Ausrüstung an sich ist im Grunde gleich, erklärt Frank Spitzenpfeil. Aber die amerikanischen Kollegen fackeln nicht lange: Bei einem Brand gehen sie zum Löschen grundsätzlich schneller in das Gebäude als ihre Kollegen in Deutschland. "Wir sind da eher auf Sicherheit bedacht", so der Michelauer.
Für das Jahr 2017 ist wieder eine USA-Reise geplant, dann jedoch eine Rundreise. Seine Kollegen und Freunde will Frank Spitzenpfeil dabei trotzdem für zwei, drei Tage in der Wache besuchen, erzählt er. "Mal sehen, was dazwischen noch kommt. Je nachdem, was der Geldbeutel so hergibt", sagt er lächelnd.