Stephan Herbert Fuchs

Weil er Ende August 2020 im Zug bei Lichtenfels ohne Mundschutz angetroffen wurde, kontrollierten Polizeibeamte einen 41-Jährigen aus dem Landkreis. Dabei wurde der Mann extrem nervös. Der Grund dafür war schnell gefunden: Der 41-Jährige hatte fast ein Kilogramm Marihuana im Gepäck. Wegen unerlaubten Handeltreibens mit Drogen in nicht geringer Menge musste er sich jetzt vor Gericht verantworten. Mit einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung kam er dabei noch relativ glimpflich davon.

Der Mann hatte das Rauschgift von einem ehemaligen Arbeitskollegen und Kumpel in Berlin erworben und wollte es hier gewinnbringend weiterverkaufen. Doch damit nicht genug: Keine fünf Wochen davor hatte er schon einmal eine Beschaffungsfahrt zu seinem Kumpel nach Berlin unternommen. Damals waren es immerhin rund 700 Gramm Marihuana, die er zum Grammpreis von 6,50 Euro ankaufte.

Einmaliger Ausrutscher

"Nicht gerade ein Pappenstiel", merkte die Vorsitzende Richterin Nicole Allstadt mit Blick auf die Mengen an. "Da bewegt man sich durchaus schon in einem Bereich, in dem nicht mehr sicher ist, ob man das Gericht als freier Mann verlässt." Dass der Angeklagte dennoch eine Freiheitsstrafe auf Bewährung erhielt, lag dann vor allem daran, weil er von Anfang an alles ohne Umschweife zugegeben hatte.

"Ich bereue zutiefst, was ich gemacht habe", sagte er auch vor Gericht. Seine Frau sei kurz zuvor wegen der unsicheren Corona-Lage arbeitslos geworden, kurz darauf habe seine kleine Familie Nachwuchs bekommen. "Ich wollte einfach nur Geld für meine Familie verdienen", sagte der Angeklagte. Dabei wäre das gar nicht notwendig gewesen, denn als Koch verdient er gutes Geld. Selbst sei er schon lange clean, sagte der 41-Jährige vor Gericht. Ja, früher habe er Drogen konsumiert.

Zugute kam ihm außerdem die Tatsache, dass die zweite Lieferung von fast einem Kilo komplett beschlagnahmt werden konnte, also nicht in den Umlauf gelangt war. Außerdem hatte er die erste Fahrt und den Erwerb von 700 Gramm von sich aus gegenüber den Polizeibeamten eingeräumt.

Eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragte Staatsanwältin Sandra Staade in ihrem Plädoyer. Der Angeklagte lebe sozial eingebettet, habe Familie und eine Arbeitsstelle und damit eine positive Sozialprognose. Verteidiger Albrecht von Imhoff aus Coburg stellte keinen konkreten Antrag. Für seinen Mandanten gehe es lediglich darum, nicht ins Gefängnis zu müssen. "Ich habe selten einen Angeklagten erlebt, der so viel Angst vor der Hauptverhandlung hatte", sagte der Anwalt und berichtete von den Existenzängsten seines Mandanten, von der Furcht, dass er seine Arbeit verlieren könne und die Familie auseinanderbreche.

"Wir glauben Ihnen"

So weit kam es dann doch nicht. "Wir glauben Ihnen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war", sagte Richterin Allstadt während der Urteilsverkündung zum Angeklagten. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt, das bedeutet, der Angeklagte darf sich in dieser Zeit nichts mehr zuschulden kommen lassen, sonst muss er unter Umständen die Strafe doch noch absitzen. Außerdem muss er 2400 Euro als Geldauflage an den Kulmbacher Hospizverein überweisen.