Der gebürtige Engländer Nicholas Alexander Perreth hat im Sommer eine tolle Leistung vollbracht.
Nicholas Alexander Perreth (31) aus Detmold ließ sich vor zwei Jahren krankheitsbedingt sein rechtes Bein amputieren. Der Hobbysportler fing dann mit Wing Tsun an und unterrichtet inzwischen Kinder in der Kampfkunst. Dabei trägt er eine Beinprothese, die er auch im Alltag braucht. Bei anderen sportlichen Aktivitäten aber kommt er ganz ohne die Prothese aus. So auch auf seiner Fahrradtour von München nach Venedig. Am 12. September fuhr der 31-Jährige mit einigen Freunden und einem Kamerateam bis nach Italien. Zwölf Tage dauerte die Reise. Seit Dienstag ist er nun in ganz Deutschland unterwegs, um Freunde zu besuchen und Berge zu besteigen. Der gebürtige Engländer machte gestern Halt in
Bamberg und traf sich mit der Filmproduktionsfirma "Art Part Media". Der Lokalredaktion hat er von seinen Erlebnissen erzählt.
Was hat Sie dazu bewegt, mit dem Fahrrad von München nach Venedig zu fahren?
Die
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Idee der Strecke ist spontan entstanden. Ich habe festgestellt, dass da die berühmte Römerstraße Via Claudia Augusta entlangführt, nach der wir uns dann auch orientiert haben. Aber der Hauptgrund ist, dass ich andere Menschen mit Handicap überzeugen und motivieren wollte, dass man nicht aufhören muss, aktiv zu sein, nur weil einen ein solches Schicksal verfolgt. Ich wollte zeigen, dass man sich selbst ein kleines Abenteuer schaffen und immer noch Spaß am Leben haben kann.
Natürlich war das auch eine eigene persönliche Herausforderung, wobei ich nie in Frage gestellt habe, ob ich das schaffen kann.Das war für mich klar, dass es auf irgendeine Art und Weise funktioniert, und wenn etwas nicht wie geplant läuft, muss man halt improvisieren.
Was hat Sie auf dieser Reise am meisten herausgefordert?
Die Pässe in den Alpen.
Wir hatten geplant, eine Etappe von 90 Kilometern zu fahren und am Fuß vom Reschenpass in Südtirol zu übernachten und am nächsten Morgen den Pass hochzufahren. Dann trafen wir drei Damen, die so um die 60 bis 70 Jahre waren, die genauso lang wie wir unterwegs waren und noch hochgefahren sind. Dann hatte uns der Ehrgeiz gepackt und wir versuchten es. Ich bin dann auch ein paar Kurven gefahren, aber nach dem langen Tag kam dann einfach auch kein Saft mehr aus den Muskeln heraus. Ich musste ganz viele Pausen machen und dann ließ ich mich mit dem Auto abholen und zum Schlafplatz fahren. Ich bin auf jeden Fall trotzdem sehr stolz, so eine Strecke geschafft zu haben und dann auch noch über die Alpen.
Wie viele Kilometer sind Sie im Durchschnitt pro Tag gefahren?
Wir sind circa 60 Kilometer pro Tag gefahren. Es gab Tage, da sind wir nur 30 Kilometer gefahren, aber die längste Etappe war 105 Kilometer lang.
Es hat alles auch erstaunlich gut geklappt und ich bin genauso schnell wie ein Fahrradfahrer mit zwei Beinen auch.
Wie genau haben Sie denn das Fahrradfahren mit einem Bein gelernt?
Alle Gelenke meines rechten Beins sind weg, inklusive Hüfte. Mit der Prothese hat Fahrradfahren gar keinen Sinn gemacht weil ich das Bein gar nicht aktiv anheben kann.
Das Fahren mit einem Bein habe ich mir schwieriger vorgestellt. Letztes Jahr in der Reha habe ich es ausprobiert. Ich bin mit dem Fahrrad eines Reha-Kollegen eine Runde um die Klinik gefahren. Das hat erstaunlicherweise super gut funktioniert und er ließ mir das Rad zum Üben da.
Ich bin schon öfter umgekippt, vor allem weil ich Klickpedale hatte, aber du kannst genauso gut auch mit zwei Beinen umkippen. Ich hatte keine Angst.
Was haben Sie für sich auf dieser Reise mitgenommen?
Schöne Erlebnisse waren die menschlichen Begegnungen, die wir zwischendurch hatten. In Tirol haben wir einen Käsebauern kennengelernt, da durften wir auf der Wiese übernachten und haben auch richtig guten Käse gekauft. Da sind wir auf dem Rückweg auch extra noch einmal lang gefahren und haben uns richtig viel Käse mitgenommen.
Dann haben wir im Tessin den Kulturbeauftragten und den Bürgermeister der Region Castello Tesino kennengelernt. Das war echt eine schöne Sache. Mit dem Kulturbeauftragten bin ich auch noch in Kontakt und den werde ich bald noch einmal besuchen.
Die Fragen stellte
Anna Gartiser.