Seit einigen Wochen vermisst man in Pettstadt, einem Ortsteil der Gemeinde Kirchlauter, den zweimaligen Gang von "Glöcknerin" Veronika Muckelbauer um 12 und um 18 Uhr zum Gemeindehaus, um dort am Seil zu ziehen und die Glocke zu läuten. Die Gemeinde entschloss sich nämlich dazu, ein elektrisches Geläut anzuschaffen, und dieses ist jetzt installiert. Veronika Muckelbauer kann nun mit 80 Jahren getrost in den Ruhestand gehen. Für ihre langjährige ehrenamtliche Mitarbeit wurde sie an ihrem 80. Geburtstag besonders geehrt.

Das Glockenläuten war ihr im Jahr 1993 vom damaligen Bürgermeister Peter Kirchner angeboten worden, als ihre Vorgängerin Berta Endres aus Altersgründen ihren Dienst nicht mehr weiter ausüben konnte. "Damals war gerade unser Gemeindehaus wieder hergerichtet worden. Deswegen haben sie jemanden gebraucht, der die Tradition des Läutens fortführt", erinnert sich Veronika Muckelbauer.

"Das ist mein Sport"

Eigentlich sollte dreimal am Tag geläutet werden, aber das sei ihr zu viel gewesen. Also habe man sich auf zweimal, mittags um 12 Uhr und abends um 18 Uhr, geeinigt. "Das ist mein Sport und macht mir riesigen Spaß", meinte Veronika Muckelbauer einmal verschmitzt. Mit kurzen, kräftigen Rucken zog die gerade mal 1,50 Meter große Dame dann am Seil und brachte die Glocke zum Schwingen. Sie war immer zur Stelle, und nur ganz selten musste sie von jemandem aus der Familie oder aus der Nachbarschaft vertreten werden.

"Aber wenn jemand von uns läutete, haben die Leute im Dorf gemerkt, dass sie nicht da ist. Sie hatte beim Läuten einfach einen ganz anderen Takt drauf", meinte Neffe Manfred Muckelbauer.

Vorbild an Zuverlässigkeit

Wenn Veronika Muckelbauer unterwegs war, wurde sie ganz unruhig, wenn die Zeit zum Läuten kam. "Manchmal mussten wir sie auch von Kirchlauter zum Läuten extra heimfahren. Sogar von der regelmäßigen Feldarbeit fuhr sie mit dem Fahrrad nach Hause, um rechtzeitig am Gemeindehaus zu sein", hörte man aus der Familie.

Taschenlampe sorgte für Licht

Im Winter war es zur Läutzeit um 18 Uhr schon dunkel, und Veronika Muckelbauer sorgte dann mit ihrer Taschenlampe für das nötige Licht. Zur Mittagszeit musste sie eigens das Kochen unterbrechen und den Herd ausschalten. Gegessen wurde eben nach dem Läuten.

Nach diesem langen Dienst über 26 Jahre hinweg ist Veronika Muckelbauer dennoch froh, dass die Gemeinde nun ein elektrisches Geläut mit Kosten von rund 6000 Euro angeschafft hat. "Ich konnte einfach nicht mehr so und habe auch meinen Arm manchmal nicht mehr hochgebracht. Aber manchmal schaue ich hinaus auf das Gemeindehaus, wenn die Glocke nun von selbst läutet", räumt sie ein.

Für die Gemeinde Kirchlauter war der 80. Geburtstag der richtige Anlass, um Veronika Muckelbauer für ihren ehrenamtlichen Dienst zu danken. Zweiter Bürgermeister Reinhold Stöhr überbrachte ihr einen Geschenkkorb zur Stärkung und eine Urkunde, in der der Dank für ihren Einsatz für die Dorfgemeinschaft zum Ausdruck kommt.