Der junge Mann war "erregt", wie er sagte. Er hatte sich erst kurz zuvor den Nachrichtendienst Snapchat aufs Handy geladen und traf ein Mädchen. "Zuerst war es ein ganz normaler Smalltalk", sagte er, ein Frage-Antwort-Spiel: Wie alt bist du? Wo wohnst du? Doch dann ging es zur Sache, "es ging in Richtung Sex". Man tauschte Bilder aus, Nacktbilder. Auch Detailfotos und Videos: Er masturbierte, sie masturbierte.

Er war damals 20, sie war erst 13. Die Bilder wurden entdeckt. Das Snapchat-Abenteuer vor einem Jahr brachte dem jungen Mann eine Anklage ein. Er musste sich gestern vor dem Kulmbacher Jugendrichter wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Besitzes kinderpornografischer Schriften verantworten.

Am Arbeitsplatz abgeholt

Der Onkel und die Mutter des Mädchens hatten den Schweinkram auf dem Smartphone der 13-Jährigen gefunden und die Polizei informiert. Der Beschuldigte wurde am Arbeitsplatz zur Vernehmung abgeholt. Laut Oberstaatsanwalt Jan Köhler wurden mindestens zehn Fotos und Videos ausgetauscht.

Amtsgerichtsdirektor Christoph Berner fragte: "Ist es richtig, was Ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft?" Ja, es sei richtig - der Angeklagte leugnete nicht. Er gab zu, dass er das Gespräch gesteuert und Fragen gestellt habe. Er wollte wissen: "Hattest du schon mal Sex?" An diesem Abend habe er sich "nicht mehr unter Kontrolle" gehabt. Einige Zeit später habe er die 13-Jährige auch persönlich kennengelernt, "bei ihr hinterm Haus". Sie hätten sich ganz normal unterhalten, über Familie, Schule und so. Dann habe er sich vor der Mutter und dem Onkel verstecken müssen und sei wieder nach Hause gefahren.

Mutter fühlt ihm auf den Zahn

Später, sagt der Angeklagte, bekam er eine Sprachnachricht der Mutter. Sie war offensichtlich überhaupt nicht begeistert. "Motzig" sei sie gewesen, sagte er, und sie habe mit der Polizei gedroht. Laut Staatsanwalt fühlte die Mutter dem jungen Kerl auf den Zahn: Sie habe sich selbst bei Snapchat angemeldet und als 14-Jährige ausgegeben. Und es habe nicht lange gedauert, bis sie Kontakt mit dem Mann hatte. "Das mache ich nicht mehr, das ist komplett durch. Ich habe daraus gelernt", erklärte der Angeklagte.

Das Netz vergisst nicht

"Eine schwierige Geschichte", meinte der Jugendrichter. Wenn solche Bilder und Videos einmal im Netz kursieren, seien sie nicht mehr einzufangen. "Das ist das Gefährliche für das Mädchen."

Stefan Fürst von der Kulmbacher Jugendgerichtshilfe sprach sich für die Anwendung von Jugendstrafrecht und für eine Geldauflage aus. Der Angeklagte sei zur Tatzeit Heranwachsender gewesen. Bei ihm sei eine verzögerte soziale Reife festzustellen. Pädophiles Gedankengut weise er von sich. Er habe sein Fehlverhalten eingesehen und schäme sich. Mit seinen Worten: "Das war eine Scheißaktion." Snapchat habe er, nachdem das Handy sichergestellt worden war, auch nicht mehr runtergeladen.Der Staatsanwalt führte dem jungen Mann, der erstmals vor Gericht stand, vor Augen, dass Erwachsene für solche Taten mit Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren rechnen müssten. Denn: "Mädchen in diesem Alter sind extrem leicht zu manipulieren und können nicht abschätzen, was sie tun." Köhler hielt 80 Arbeitsstunden für tat- und schuldangemessen. Er bewertete das Geständnis positiv und stellte fest: "Der Angeklagte macht einen vernünftigen Eindruck. Man kann davon ausgehen, dass bei ihm ein Denkprozess stattgefunden hat."

400 Euro Geldauflage

Das Gericht sprach den Mann schuldig und verhängte 400 Euro Geldauflage zugunsten des Vereins Avalon, der Opfer von Sexualstraftaten unterstützt, und 40 Arbeitsstunden bei der Geschwister-Gummi-Stiftung. Berner riet dem Angeklagten dringend, so etwas nicht noch einmal zu machen: "Wir wollen Sie hier nicht mehr sehen."

Das eingezogene Smartphone bekommt der Mann nicht zurück. Es war Tatwerkzeug und wird vernichtet.