Dass ihm die ganze Familie gleich zweimal hintereinander "Happy Birthday" gesungen hatte, freute Melchior Göldel besonders. Dabei lächelte er übers ganze Gesicht, obwohl er eigentlich gerade mit Apfelkuchen und Kaffee beschäftigt war - mit "richtigem Kaffee, keiner Getreidebrühe", wie er anmerkte.

Weitere Gratulanten mussten dann allerdings erst einmal anstehen und warten, bis er schließlich noch einige Anrufe zu seinem 100. Geburtstag beendet hatte.

Bürgermeister Roland Wolfrum gratulierte "dem Melcher" als ältestem Bewohner von Stadtsteinach; auch Landrat Klaus Peter Söllner und FW-Stadtrat Andy Sesselmann wünschten dem Mitbegründer der Stadtsteinacher Freien Wähler viel Gesundheit, ebenso TSV-Fußball-Abteilungsleiter Wilhelm Günther (Göldel: "Meine Lieblingsabteilung").

Günther und Wolfrum bedauerten, dass sie diesmal nicht wie vor fünf Jahren eine weitere Ehrennadel überreichen konnten, denn für Göldels 85-jährige TSV-Mitgliedschaft gebe es schlichtweg kein Abzeichen mehr.

Auch Sepp und Hilde Madl konnten lediglich für den Frankenwaldverein gratulieren, nachdem sie dem Jubilar bereits vor fünf Jahren die Ehrenmitgliedschaft verliehen hatten.

Gleich nach dem Frühstück hatten ihm Personal und Leitung des Alten- und Pflegeheims der Caritas gratuliert, in dem Melchior Göldel seit 2019 wohnt. Gefeiert wurde aber am Nachmittag im Garten von Sohn Klaus, sozusagen als Fortsetzung von dessen 70. Geburtstag zwei Tage vorher.

Seine Familie war und ist Melchior Göldel immer am wichtigsten; die seines Sohnes und die seiner Tochter Brunhilde, die seiner Enkelinnen Marion und Sandra mit den Urenkeln Christopher, Marion und Thilo. Dass jemand aus der Familie den Opa täglich besucht und mit ihm dann spazieren geht, ist eine Selbstverständlichkeit.

Melchior Göldel ist Ur-Stadtsteinacher. Zunächst lernte er im elterlichen Bäckereibetrieb, musste dann aber wegen Mehlunverträglichkeit ins Kaufmännische umschulen. Nach Abschluss dieser zweiten Lehre musste er 1941 an die Front, erst 1949 kehrte er aus russischer Gefangenschaft zurück und fand eine Anstellung im Rechnungsverband des Landratsamts Stadtsteinach, ehe er bis zum Ruhestand als Revisor zum BRK-Bezirksverband Nürnberg wechselte.

Dass er mit 100 Jahren relativ fit ist, erklärt Göldel ganz einfach: "Man muss es nehmen, wie es kommt." Tatsächlich war er aber immer sportlich: Schwimmen, Radfahren und Faustball, im Urlaub ausgiebige Wanderungen in Südtirol. Damit war er bis 86 aktiv, bis er sich schließlich auf den Heimtrainer beschränkte. klk