Der Traum vom Café am Goldbergsee ist älter als der See selbst. Schon 2008, als die Fertigstellung des Hochwasserrückhaltebeckens für 2010 angekündigt wurde, hieß es im Tageblatt, ein Café am Ufer unterhalb von Callenberg sowie ein Bootsverleih seien "angedach t". Das Seecafé lässt auch über zehn Jahre später noch auf sich warten. Immerhin, einen Bootsverleih hat es inzwischen gegeben.

Im vergangenen August hatte Jörg Wieland, der in Bamberg ein Snowboard- und Surfgeschäft betreibt, am Ufer einen kleinen Kiosk aufgebaut und zwölf Tretboote angeschafft. Obwohl beides bei den Erholungssuchenden am Goldbergsee gut ankam, wie in den "sozialen Medien" zu lesen war, wird es 2021 wohl keine Wiederholung geben. Die Tretboote, darunter vier Schwäne, hat Wieland größtenteils abgeholt und teilweise weiterverkauft. Die kleine blaue Hütte soll abgebaut werden.

Keine Genehmigung, nur Duldung

Keine sechs Wochen habe er 2020 seinen Bootsverleih betreiben können, erzählt Wieland, hörbar enttäuscht, im Gespräch mit dem Tageblatt. "Wir verstehen die Welt nicht mehr!" Es habe schon damit begonnen, dass er im Mai 2020 starten wollte, zunächst aber keine Genehmigung bekommen habe. Schließlich erhielt er eine Duldung und konnte loslegen - wenn auch mit angezogener Handbremse, denn in der kleinen blauen Bude durften lediglich verpackte Lebensmittel wie zum Beispiel Eis am Stiel und Limonade verkauft werden. Frisch gekochter Kaffee und Kuchen waren ebenso tabu wie alkoholische Getränke, denn dafür hätte es gesonderte Lizenzen gebraucht.

Die Frage, wie es nach der Saison 2020 für das Bootshaus weitergehen sollte, sei für ihn unbeantwortet geblieben, so Wieland. Von der Stadt Coburg habe er die Auskunft bekommen, man werde "unaufgefordert" wieder auf ihn zukommen. Gehört habe er letztlich nichts mehr. Ein anberaumter Gesprächstermin sei nicht zustande gekommen.

Eigentlich hätte Wieland die blaue Hütte, die auf einem Grundstück des Wasserwirtschaftsamtes stand, schon im Herbst abbauen müssen - aus Gründen des Hochwasserschutzes. Das habe er nicht getan, räumt er ein, "weil der Untergrund total schlammig war". Aber auch, weil er nicht gewusst habe, wohin mit der Hütte und den Tretbooten. Alles einzulagern hätte ihn einige Hundert Euro gekostet und hätte sich wohl nur gelohnt, wenn es 2021 sicher mit dem Bootsverleih weitergegangen wäre. Doch diese Antwort seien ihm Stadt und Wasserwirtschaftsamt schuldig geblieben, meint Wieland.

Natürlich hat er sich - wie weitere Interessenten - auch für ein mögliches Seecafé beworben. Ein Coburger Architekt habe ihm sogar schon Pläne entworfen - für ein kleines Gebäude in Modulbauweise, damit es leicht auf- und abgebaut werden könne; für die Gäste eine Terrasse mit etwa 100 Plätzen und ein Spielplatz für deren Kinder. Platziert würde das Ganze nicht direkt am Ufer, sondern ein paar Meter weiter Richtung Parkplatz, auf dem Grundstück, wo aktuell ein Toilettenhäuschen steht. Dieses Grundstück gehört der Stadt Coburg. Bisher hat Wieland, wie er sagt, einen sechsstelligen Betrag investiert. Und auch wenn er die Tretboote gebraucht weiter verkaufen kann, werde er auf gut 80 000 Euro sitzen bleiben.

Was Wieland aber richtig stutzig gemacht hat, ist ein reichlich dubioser Anruf aus Niedersachsen. Ein Restaurant, das Burger verkauft, Bullriding und Konzerte veranstaltet, habe sich an ihn gewandt und wollte wissen, was er denn am Goldbergsee plane. Dieser "Großinvestor" habe ihm gegenüber von Investitionen zwischen drei und fünf Millionen Euro gesprochen, so Wieland. Nach der charmanten Idee vom idyllischen Seecafé klingt das eher nicht.

"Es gibt bisher mehrere Bewerber mit unterschiedlichen Konzepten", bestätigt Stadt-Pressesprecher Louay Yassin. "Manche planen größer, manche kleiner. Jeder kann hier ein Konzept nach eigenen Vorstellungen einreichen. Das sagt ja nichts über die Tauglichkeit." Von einer Auswahl oder gar Entscheidung sei man allerdings noch weit entfernt, betont Yassin. Der Wunsch der Stadt sei es, "ein für mehrere Jahre sicher bebaubares Areal am Goldbergsee zu finden, damit der Investor Planungssicherheit" habe.

Entscheidung wohl erst 2022

Das wiederum ist der Nachteil des Grundstücks am See, auf dem der Kiosk gestanden hat: Es gehört dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) Kronach und das erteilt Genehmigungen prinzipiell nur für eine Saison. In Wielands Fall bis Herbst 2020. "Danach musste der Betreiber die Bauten entfernen", sagt Yassin. "Das wurde ihm auch frühzeitig, offen und klar kommuniziert. Der Betreiber sagte dies auch zu. Leider hat er die Bauten nicht entfernt, sondern den gesamten Winter über liegenlassen und den Unbilden des Wetters und des Hochwassers preisgegeben."

Die Stadt Coburg will künftigen Betreibern eines Seecafés jedoch die Möglichkeit geben, die Bauten langfristig aufzustellen und zu investieren. "Das geht nur auf einer Fläche, die der Stadt gehört und - wegen des Hochwassers - nicht zu nah am See liegt", erläutert Yassin. Das Grundstück, auf dem aktuell das Toilettenhäuschen steht, ist dafür geeignet. Ein Bebauungsplan liege aber noch nicht vor, sondern müsse erst erstellt werden. Das werde vermutlich noch das Jahr 2021 über dauern, so Yassin.

Dass der Kiosk gut angenommen wurde, habe die Stadtverwaltung selbstverständlich gefreut, betont der Pressesprecher. "Umso mehr schmerzen die ungerechtfertigten Vorwürfe, die offenbar auf Unkenntnis oder Nicht-Wahrhaben-Wollen der einschlägigen Gesetze und Regelungen beruhen", sagt er zu Wielands Vorwürfen. "Stadt und WWA sind im vorliegenden Fall extrem kulant und unbürokratisch vorgegangen." Dennoch müssten sich beide an die Gesetze halten.

Wieland habe vom WWA die Zustimmung erhalten, um das Grundstück am See nutzen zu können. "Bei einer Prüfung des Bauvorhabens wurde festgestellt, dass für das ,Bootshaus‘ eine Baugenehmigung erforderlich war. In diesem Fall wurde eine wasserrechtliche Anlagengenehmigung durch das Stadtbauamt/Bauordnung erteilt, nachdem das WWA Kronach beteiligt wurde", so Yassin. Für den Verkauf unterschiedlicher Nahrungsmittel seien wiederum unterschiedliche Anträge einzureichen. "Jeder professionell agierende Gastronom kennt diese Thematik", sagt Yassin. Diese Zuständigkeiten und Verfahren seien vom Gesetzgeber - nicht von der Stadt Coburg - so vorgegeben. "An Gesprächsangeboten, um die Situation zu erklären, fehlte es seitens der Stadt nicht", betont der Sprecher. "Selbst der OB hatte einen Gesprächstermin für den Betreiber kurzfristig freigemacht, den der Betreiber jedoch nicht wahrnahm."