Ab dem zweiten Juni-Wochenende können die Besucher von Gaststätten und Kneipen länger draußen sitzen. Das Ordnungsamt wird keine Betriebszeiten für die Freischankflächen mehr festlegen. Die Verwaltung setzt nach einem entsprechenden Antrag der Wählergruppe Pro Coburg (WPC) auf die Verantwortung der Gastronomen, "durch ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis die Betriebszeiten aktiv zu beeinflussen". Der Verwaltungssenat stimmte am Montag der neuen Regelung mehrheitlich zu.

Zwei Stadträte haben Bedenken

SPD-Stadtrat Andreas Gehring und Grünen-Stadträtin Angela Platsch sprachen sich gegen die neue Regelung aus. Sie argumentierten, dass die Biergärten benachteiligt würden. Allerdings greift bei Biergärten die entsprechende Landesverordnung, die Außengastronomie von Kneipen und Gaststätten regelt die Stadt. Gehring prophezeite mehr Beschwerden, Angela Platsch vermisst Kontrollen.

Im vergangenen November hatte WPC beantragt, "die städtische Verordnung zur Außengastronomie den Anforderungen an eine moderne, offene und nachwuchsfreundliche Stadt anzupassen und die Außengastronomie in den Sommermonaten bis 24 Uhr zuzulassen". Begründet wurde dies mit der älter werdenden Stadtgesellschaft, der zu begegnen sei. Coburg stehe im Wettbewerb mit vielen Städten, diese ließen sich in attraktive Städte für junge Leute (sogenannte Schwarmstädte) und weniger attraktive Städte, unabhängig von der Größe, einteilen. WPC will "alles dafür tun, um eine Schwarmstadt zu werden". Ein Baustein dazu sei die Kneipen- und Gaststättenkultur, "die sich aktuell wenig an den Bedürfnissen der Gäste orientiert, sondern einseitig an denen der Anwohner. Natürlich muss hier ein Mittelmaß gefunden werden", heißt es in der Antragsbegründung. Es sei festzustellen, dass es deutlich gesitteter und ruhiger zugehe, wenn die Gäste im Freien sitzen, etwas essen und trinken oder rauchen. Zudem seien sie durch die Bewirtung und die Security Mitarbeiter leichter zu kontrollieren.

In dem Beschluss heißt es aber auch, "dies stellt keinen Freibrief für uneingeschränkte Nutzung der Freischankflächen dar. Die Lärmgrenzwerte sind einzuhalten". Bei Beschwerden festgestellter Grenzwertüberschreitung würde im Einzelfall entschieden und entsprechende gaststättenrechtliche Auflagen erlassen. "Das kann auch ein Betriebszeitende auf der Freischankfläche vor 22 Uhr bedeuten", stellte Ordnungsamtsleiter Kai Holland klar. "Die Gastronomen sind dafür verantwortlich, dass es im guten Nachbarschaftsverhältnis funktioniert." Eine einheitliche Regelung in den Städten gibt es nach den Worten von Kai Holland nicht. Bayreuth - deren Vorgehen sich nun Coburg zu eigen macht - habe gute Erfahrungen gemacht.

Insgesamt gibt es im Stadtgebiet etwa 60 sogenannte Freischankflächen, erklärte Monika Gagel, Leiterin des Bauverwaltungs- und Umweltamtes. Je nach Lage und Gebiet gelten unterschiedliche Lärmobergrenzen am Tage und in der Nacht.