Manfred Wagner

Bei der Hausdurchsuchung vor knapp zwei Jahren waren die Drogenfahnder fündig geworden: Im ersten Stock eines Hauses entdeckten sie eine zeltartige Indoor-Anlage mit sieben mannshohen Marihuanapflanzen, im Keller stand eine Aufzuchtanlage für kleine Setzlinge. Problematisch war für den Arbeiter (37), der sich auf diese Weise als Hobbygärtner betätigt hatte, vor allem die nicht geringe Menge von mehr als 300 Gramm beziehungsweise von mehr als 14 Gramm des Inhaltsstoffes Tetrahydrocannabinol (THC). Das Haßfurter Schöffengericht am Amtsgericht verurteilte den Mann zu einer elfmonatigen Bewährungsstrafe, verbunden mit einer Geldauflage in Höhe von 1200 Euro.
Was Laien oft nicht wissen: Wenn der Jurist von einer "nicht geringen Menge an Betäubungsmitteln" spricht, handelt es sich um die höchste Mengenstufe. Das deutsche Betäubungsmittelgesetz kennt nämlich drei verschiedene Mengenbegriffe: eine "geringe Menge", "Normalmenge" und "nicht geringe Menge". Die Einteilung in die verschiedenen Mengenkategorien ist entscheidend für die Beurteilung eines Betäubungsmitteldeliktes - und damit verbunden ist jeweils ein bestimmter Strafrahmen.
Der Besitz von einer solchen nicht geringen Menge gilt nach dem deutschen Strafrecht als Verbrechen, das mit einer Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr geahndet wird. Nur wenn es sich um einen "minderschweren Fall handelt", wie es im Gesetz heißt, kommt man mit einer geringeren Strafe davon. Und dass es sich im vorliegenden Prozess um genau einen solchen Fall handele, auf diese Ansicht stützte Rechtsanwältin Kerstin Rieger ihr Plädoyer.
Der voll geständige Arbeiter, führte sie aus, habe zwischenzeitlich sein Leben völlig "umgekrempelt" und sich vom Konsum illegaler Drogen ein für allemal verabschiedet. Um dies zu beweisen, legte sie dem hohen Gericht eine auf sechs Urinproben beruhende amtliche Bestätigung vor. Der ruhig und besonnen wirkende Angeklagte ergänzte, dass die damalige Hausdurchsuchung ein "heilsamer Schock" für ihn gewesen sei und der Anlass, einen endgültigen Schlussstrich unter alle Rauschgiftgeschichten zu ziehen.
Wie der Drogenfahnder der Kriminalpolizei im Zeugenstand auf Nachfrage eines Schöffen erklärte, gab und gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass der Beschuldigte mit dem Zeug handelte. Um das nachzuprüfen, werteten die Beamten auch dessen Handy aus. Offenbar war alles für den Eigenkonsum bestimmt gewesen. Dass es sich um eine so große Menge handelte, erklärte der verhinderte Gärtner damit, dass bei seinem "ersten Versuch" nicht viel rausgekommen sei und er deswegen beim zweiten Mal gleich eine ordentliche Menge angepflanzt habe.


Für die Caritas

Staatsanwältin Kerstin Harpf sah aufgrund der großen Menge keinen minderschweren Fall und forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Bei der Strafzumessung orientierte sich das Schöffengericht jedoch an der Argumentation der Verteidigerin und nahm dem Verurteilten ab, dass er eine "Kehrtwendung" (so Richterin Ilona Conver) vollzogen hat. Die verhängte Geldauflage kommt der Suchtberatung der Caritas Haßberge in Haßfurt zugute.